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Aus der Stadt Alles gut gegangen!
Hannover Aus der Stadt Alles gut gegangen!
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13:04 28.08.2013
Gegen vier Uhr war der Blindgänger entschärft, die Zünder wurden entfernt. Quelle: Dillenberg
Hannover

Die Premiere für Hannovers Räumungskommando ist geglückt: Nach dem Fund einer Weltkriegsbombe am Dienstagvormittag ist in der Nacht zu Mittwoch erstmals das Stadtzentrum von Hannover mit rund 9000 Bewohnern evakuiert worden. Betroffen waren auch Hotels, Büros, Geschäfte und das Rotlichtviertel. Die erfolgreiche Premiere war zugleich auch eine der längsten Bombenräumungen in der Geschichte der Stadt. Denn die Evakuierung und die anschließende Entschärfung zogen sich bis weit in die Nacht hin.

650 Einsatzkräfte waren an der Räumung von Alt- und Innenstadt beteiligt, die pünktlich um 22 Uhr startete. Mit Durchsagen wurden die Bewohner aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Probleme gab es im Bereich des Steintors, wo alkoholisierte Partygänger den Aufforderungen der Polizei nicht Folge leisteten. Auch drangen immer wieder Schaulustige in den bereits geräumten Innenstadtkern ein. Als gegen 2.30 Uhr ein mit Wärmebildkameras ausgerüsteter Polizeihubschrauber das Sperrgebiet überflog, wurden noch immer Menschen ausfindig gemacht. Erst gegen Viertel vor drei war die Evakuierung abgeschlossen und die Sprengmeister konnten mit ihrer Arbeit beginnen. Da einer der beiden Zünder bereits stark korrodiert war, konnte er nicht manuell aus der Bombe heraus gedreht, sondern musste mit einem speziellen Wasserstrahlschneidgerät entfernt werden. Die Entschärfung zog sich deshalb über eine Stunde hin.

Eine Bombenräumung im August 2013 hat Hannover stundenlang in Atem gehalten. Ein großer Teil der Innenstadt musste geräumt werden.

Die amerikanische Fliegerbombe war am Dienstagvormittag bei Bauarbeiten neben dem Historischen Museum in der Burgstraße entdeckt worden. Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange sprach von einer „besonderen Herausforderung“. Eine Räumung mitten in der Innenstadt in so kurzer Zeit zu organisieren sei ein Novum. In dem von der Evakuierung betroffenen Gebiet lagen auch das Rathaus, der Landtag und zahlreiche Restaurants. Aus dem Historischen Museum wurden den ganzen Tag über die wichtigsten Exponate in Sicherheit gebracht – insgesamt waren es mehr als 300 Objekte.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Um die umliegenden Häuser vor einer möglichen Explosion zu schützen, wurden Container um den Fundort der Bombe platziert. Der große Knall blieb zum Glück aus. Am Morgen danach wird aufgeräumt.

Am Waterlooplatz hatte die Stadt eine Sammelunterkunft eingerichtet. Rund 600 Menschen machten von dem Angebot Gebrauch. Die Räumung der City traf auch Medienunternehmen. Die Sender Radio ffn und Antenne Niedersachsen beendeten um 22 Uhr die Moderationen ihrer Sendungen und spielten nur noch Musik. Die Redaktion der Zeitung „Neue Presse“ verlegte ihren Spätdienst in die Zentrale des Madsack-Verlags nach Kirchrode. Der Hauptbahnhof und das Friederikenstift mit seinen immerhin 600 Betten mussten nicht geräumt werden. Auch der Stadtbahnverkehr wurde während der Räumung der City nicht unterbrochen, wie die Üstra mitteilte. Allerdings konnten die Reisenden an vier Stationen im Zentrum ab 22 Uhr nur noch ein- und nicht mehr aussteigen. Zum Zeitpunkt der Entschärfung war der Betrieb dann ganz eingestellt. Rechtzeitig zum Betriebsstart wurden das Sperrgebiet wieder freigegeben, sodass Behinderungen im morgendlichen Berufsverkehr ausblieben.

Immer wieder müssen in Hannover Fliegerbomben entschärft werden. Ein Überblick über die Bombenräumungen der vergangenen Jahre:

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hatte sich für eine schnelle Entschärfung entschieden. Neun mit Wasser oder Sand gefüllte Überseecontainer wurden an der Fundstelle des Sprengkörpers aufgebaut. Sie sollten bei einer möglichen Sprengung die Druckwelle abfangen. Zuletzt hatten im Norden Hannovers im Januar rund 25.000 Menschen wegen der Sprengung einer Fliegerbombe ihre Wohnungen verlassen müssen. Im Mai musste wegen einer Fünf-Zentner-Bombe das Autobahnkreuz Hannover-Ost über mehrere Stunden gesperrt werden.

Von Tobias Morchner, Jörn Kießler und Frerk Schenker

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