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Alles was man übers Laternelaufen wissen muss

Vor Sankt Martin Alles was man übers Laternelaufen wissen muss

Dort oben leuchten die Sterne, hier unten, da leuchten wir: In vielen Stadtteilen finden in den nächsten Tagen Laternenumzüge für Groß und Klein statt – nach Möglichkeit angeführt von Sankt Martin im Umhang auf seinem edlen Ross, aber immer begleitet von Musik und Gesang. Aber ist das alles überhaupt noch zeitgemäß?

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Die Saison der Laternenumzüge hat begonnen, wie hier in den Herrenhäuser Gärten.

Quelle: Heusel

Hannover. Einer, der sich mit Sankt Martin auskennen muss, ist Pastor Joachim Deutsch von der St.-Martin-Kirche in Anderten.„Die Kinder übertreffen sich jedes Jahr wieder selbst mit ihren aufwendig und liebevoll gebastelten Laternen“, sagt er. Am Sonntag rechnet der Pfarrer wieder mit 200 bis 300 Gemeindemitgliedern, die beim Martinsumzug durch Anderten marschieren. Wie im Jahr zuvor. „Unsere Teilnehmerzahl hat einen leichten Knick gemacht, als die Geschäftsleute vor einigen Jahren begonnen haben, zum großen Umzug in der Stadt einzuladen“, erinnert sich Deutsch. Der Umzug in seinem Stadtteil sei aber trotzdem sehr beliebt.

Richtige Kerzen würden dabei aber kaum noch verwendet, sondern LED-Lichter – aus Sicherheitsgründen. Beim Umzug der Freiwilligen Feuerwehr ziehen dafür 80 bis 100 Leute mit echten Fackeln durch Anderten.

Beim Laternenumzug in den Herrenhäuser Gärten leuchten Kinderaugen und bunte Laternen um die Wette.

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Der Brauch um den Martinstag führt ins vierte Jahrhundert nach Christus zurück. In diesem Jahr feiert die katholische Kirche den 1700. Geburtstag des beliebten Heiligen, der im Jahr 316 als Sohn eines römischen Offiziers in Ungarn geboren wurde. Dass es ihn wirklich gab, ist historisch belegt. Ein Ereignis machte ihn weltbekannt: Als er am Stadttor von Amiens an einem frierenden Bettler vorbeiritt, teilte der Soldat seinen Mantel mit dem Schwert und schenkte dem Mann zu seinen Füßen die Hälfte.

Eine Übersicht über alle Martins- und Laternenumzüge in der Stadt, finden Sie hier.

Wegen dieser Tat gilt Martin als Schutzpatron der Reisenden und Armen, der 11. November wurde zum kirchlichen Gedenktag: jener Tag, an dem der Heilige Martin beigesetzt wurde, nachdem er am 8. November 397 auf seinen Reisen bei Tours starb. Eine rein katholische Angelegenheit ist das Brauchtum um Sankt Martin allerdings nicht – schließlich wurde Martin Luther am 10. November 1483 geboren und tags darauf, am Namenstag von Sankt Martin, getauft. An diesem Tag finden jedes Jahr Martinsumzüge statt. An der Spitze reitet Sankt Martin auf einem Pferd, gefolgt von Kindern mit Laternen.

In der Südstadt und Oststadt freut sich Pfarrer Johannes Lim auf die bevorstehenden Martins­umzüge. „Hier ist es immer voll“, sagt er. Familien kämen seit Jahren, um bei den halbstündigen Märschen mitzumachen – darunter auch viele Jugendliche und Erwachsene. Ebenso verhält es sich beim Martinsumzug der Clemenskirche in der Innenstadt. Hier beteiligen sich auch viele Familien mit Migrationshintergrund an dem christlichen Brauch.

Anders in Gehrden: „Bei unserem Marsch sinkt die Teilnehmerzahl seit Jahren“, klagt Armin Jeschonnek vom Verband der Freiwilligen Feuerwehr. Dabei habe das Wetter mitgespielt und die Feuerwehr rechtzeitig Vorankündigungen verteilt. Er vermutet Zeitmangel bei Müttern und Kindern als Grund.

Aber: In den meisten Kindergärten wird schon fleißig gebastelt. Mit Stift, Schere und Pappe versuchen die Kinder jedes Jahr aufs Neue die Laterne vom Vorjahr zu übertreffen. „Prinzessinnen, Drachen, Frösche – eine Laterne ist schöner als die andere“, sagt Pastor Deutsch. „Von meinen Kindern stapeln sie sich im Keller“, fügt er lachend hinzu. „Sie könne ja mittlerweile – leider – nicht mehr abbrennen.“

Von Friederike André

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