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Als Hitler durch Hannover fuhr

Neuer Reiseführer Als Hitler durch Hannover fuhr

Es war ein Triumphzug: Im September 1933 versammelten sich 30.000 Teilnehmer zur Reichsführertagung des „Stahlhelm-Bundes der Frontsoldaten“ in der Stadt - und Hitler persönlich fuhr im offenen Wagen und mit erhobenem rechten Arm zur Stadthalle, vorbei an jubelnden Menschenmassen. Ein neuer Reiseführer zeigt Hannover während der NS-Zeit.

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Hitler bei seiner Ankunft in Hannover, 1933.

Quelle: Bildarchiv Region Hannover

Hannover hatte ihn schon im April zum Ehrenbürger ernannt. „Der Personenkult um Hitler steigerte sich damals binnen kürzester Zeit enorm“, sagt Janet von Stillfried.

Mit ihrem Buch „Das Sachsenross unterm Hakenkreuz“ (Matrix Media Verlag, 287 Seiten, 22 Euro) hat die Historikerin jetzt einen „Reiseführer durch Hannover und Umgebung 1933-1945“ vorgelegt. Wie ein klassischer Baedeker führt der reich illustrierte Band anhand von Nummern auf einem Stadtplan zu besonderen Orten - und erläutert, was dort in der NS-Zeit geschah.

Ein Historiker hat einen Reiseführer durchs Hannover der NS-Zeit verfasst.

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In dem kenntnisreich geschriebenen Buch geht nicht nur um spektakuläre Ereignisse wie die Hitler-Besuche. Der Band zeichnet auch die Militarisierung des Alltags nach: Fotos zeigen einen SS-Aufmarsch am Opernplatz, ein Biwak am Waterlooplatz oder einen mit Hakenkreuzen geschmückten Hauptbahnhof. Die Historikerin zeichnet auch die Stadtentwicklung in den Dreißigerjahren nach: In Ricklingen wurde damals die „Schmalzsiedlung“, benannt nach dem stellvertretenden Gauleiter Kurt Schmalz, als Vorzeigebauprojekt errichtet. Dennoch widerlegt Stillfried den Mythos, dass die Nazis endlich für Wohnraum gesorgt hätten: In den Jahren von 1933 bis 1942 seien im Schnitt jährlich 2300 Wohnungen in Hannover errichtet worden: „Weniger als in den Jahren zuvor.“

Experten werden wenig Neues in dem Band entdecken, doch die meisten Leser, die mit diesem Buch in der Hand durch die Stadt gehen, werden Hannover danach mit anderen Augen sehen.

Da ist zum Beispiel die Stadtbibliothek am Aegi, in der sich einst die Gestapo-Zentrale befand. Oder die Villa Sternheim, in der die freikirchliche Gemeinde heute in der Waldstraße das Jugendhaus Viwa betreibt: Die Nazis richteten in dem ehemals von einer jüdischen Familie bewohnten Haus 1939 ein NSDAP-Parteimuseum ein. Oder da ist der Ballhofplatz: In den Zwanzigern war dieser ein beliebter Treffpunkt von Homosexuellen gewesen, die im nahen Gesellschaftsclub „Aada“ (Anders als die Anderen) ein und aus gingen. Im Zuge der Altstadtsanierung wurde der Platz dann aufgemöbelt - und hier wurde ein HJ-Heim eingerichtet.

Ein besonderes Augenmerk richtet Janet von Stillfried, die mit zahlreichen Publikationen über NS-Zwangsarbeiter bekannt geworden ist, auf all jene, die außerhalb der „Volksgemeinschaft“ standen. In der Rüstungsstadt Hannover wurde die Hanomag als „Kriegs-Musterbetrieb“ ausgezeichnet - bei Kriegsende waren etwa 40 Prozent der Belegschaft dort Zwangsarbeiter. Auch für die Conti mussten Tausende unfreiwillig schuften. Teils leben sie im KZ Stöcken unter unmenschlichen Bedingungen. Eine erbauliche Lektüre ist „Das Sachsenross unterm Hakenkreuz“ nicht. Und doch ein Zeitreiseführer ganz eigener Art.

Die Autorin und Verleger Heinrich Prinz von Hannover stellen das Buch am 16. Februar, 18 Uhr, im Historischen Museum vor.

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