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„Das hat sich eingebrannt“

„Alte Liebe"-Sänger Ossy Pfeiffer war auch ein Flüchtlingskind „Das hat sich eingebrannt“

Auch ein Flüchtlingskind: 96-Sänger Ossy Pfeiffer floh 1975 mit seinen Eltern aus Beirut nach Hannover. Er kann sich noch gut an die Ankunft und die ersten Wochen in der neuen Kultur erinnern. Am Mittwoch will er im Stadion bei der Flüchtlingsaktion  helfen.

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Merkt man ihm nicht an: 96-Sänger Ossy Pfeiffer kam Ende der 70er aus Beirut nach Hannover.

Quelle: Natalie Becker

Hannover . Mit zwei Koffern in der Hand ist in diesen Tagen ein hannoverscher Textilingenieur mit seiner Familie aus Beirut auf dem Flughafen Langenhagen eingetroffen.“ Ein Bericht im Lokalteil der HAZ vom 12. November 1975. „Peter Pfeiffer, 38 Jahre alt, floh mit seiner ägyptischen Frau Claudette und dem fünfeinhalbjährigen Sohn Oswald vor dem Grauen der Kämpfe in der libanesischen Hauptstadt.“ Sohn Oswald kann sich noch heute gut an die Flucht erinnern: „Das hat sich eingebrannt“, sagt er. Heute nennt er sich Ossy, macht Rockmusik und singt im Stadion vor 96-Spielen regelmäßig die Hymne „Alte Liebe“. Am kommenden Mittwoch ist es wieder so weit, beim Spiel gegen den VfB Stuttgart, zu dem 96 mehrere Tausend Flüchtlinge eingeladen hat. Für Pfeiffer ist es auch deshalb ein besonderes Spiel. „Das ist eine tolle Aktion. Ich habe Martin Kind meine Hilfe angeboten. Ich spreche ja auch Arabisch.“

Pfeiffer und seine Eltern reden in diesen Wochen oft mit ihren Verwandten, die aus den libanesischen Kriegswirren Mitte der Siebziger nach Kanada geflohen sind und dort bis heute leben. Warum überhaupt Beirut? Vater Peter hatte seine Frau Ende der Sechzigerjahre auf einer Geschäftsreise im ägyptischen Alexandria kennengelernt. Mit der Diplomatin war er nach Beirut gezogen, wo Claudettes Familie bereits lebte. „Beirut war damals eine moderne, lebenswerte Stadt, das Paris des Nahen Ostens“, sagt Pfeiffer. Sein Vater hatte eine Textilfabrik, betrieb eine gut gehende Herrenboutique und war kurz davor, ein Geschäft für Kinderkleidung zu eröffnen. Dann begann der Bürgerkrieg zwischen Christen und Moslems. Wegen der Raketenangriffe auf das Christenviertel Ain El Rommaneh zog die schwangere Claudette mit Mann und Kind in das etwas weniger gefährdete Haus ihrer Eltern. In einem bewaffneten Konvoi reiste die Familie dann zum Flughafen, wo Hunderte Flüchtlinge auf ihre Ausreise warteten. Oswald Pfeiffers jüngerer Bruder kam in Hannover zur Welt.

Doch Badenstedt war nur eine Zwischenstation. Wenige Jahre später zog die Familie zurück in den Nahen Osten, diesmal in den Irak, musste aber im ersten Golfkrieg auch von dort wieder fliehen. Es folgten Stationen wie Malta und die Philippinen, bevor die Pfeiffers dann 1988 endgültig in Hannover landeten.

Nach Beirut ist Ossy Pfeiffer noch einmal zurückgekehrt. „Das war in den Neunzigern. Aber es war ein Fehler“, sagt er. „Ganze Straßenzüge waren nicht mehr existent. Das Haus, in dem mein Vater die Boutique betrieb, war total verwahrlost. Ich fahre dort nicht wieder hin.“

Auf das Stuttgart-Spiel freut er sich, die Flüchtlingsaktion geht ihm nahe. „Ich bin stolz, ein Teil der 96-Familie zu sein und mache im Stadion auch gern den Ordner.“

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