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Aus der Stadt Alter Supermarkt wird griechisches Mini-Dorf
Hannover Aus der Stadt Alter Supermarkt wird griechisches Mini-Dorf
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00:17 20.01.2017
Von Juliane Kaune
Ein Dorf im Stadtteil: Konstantin Paraskevaidis hat in seinem neuen Restaurant eine Schule, eine Post und mehrer Häuser in Miniaturformat errichten lassen. Quelle: Eberstein
Hannover

Eine schlichte Backsteinfassade, die Fenster blickdicht verklebt mit Packpapier. Seit Monaten steht das Geschäftshaus in der Brabeckstraße leer. Der Netto-Markt, den es hier einmal gab, hat aufgegeben. Doch der Eindruck täuscht. Hinter den Mauern ist wieder Leben eingekehrt. Dort ist Konstantin Paraskevaidis zum Bauherrn geworden. Ein Rathaus hat er errichten lassen, eine Grundschule, eine Post, ein Café und mehrere Wohnhäuser. Ein griechischer Dorfplatz ist entstanden, mitten in Bemerode.

Demnächst werden die Gäste des griechischen Gastronomen vor der mediterranen Kulisse speisen. Rembetiko soll das neue Restaurant mit dem besonderen Ambiente heißen, das Paraskevaidis in dem früheren, 550 Quadratmeter großen Supermarkt eröffnen wird. Zurzeit sind die Handwerker damit beschäftigt, das Mini-Dorf zu vervollständigen – teils mit Materialien, die ihr Auftraggeber direkt aus Griechenland importiert hat. Auch eine Außenwand muss noch durchbrochen werden. Doch Paraskevaidis ist zuversichtlich, dass die Bautrupps bis Ende Januar das Feld geräumt haben. „Wir schaffen das“, sagt er mit Nachdruck.

Mitten in Bemerode, in einem ehemaligen Supermarkt, entsteht ein Restaurant mit der Kulisse eines griechischen Dorfes.

Der Gastronom hat schon vieles geschafft. „Das hier wird mein 15. Laden“, sagt der 54-Jährige, der seit mehr als drei Jahrzehnten in der hannoverschen Gastroszene unterwegs ist. Ungewöhnliche Projekte reizen ihn. Die Ouzeri an der Hildesheimer Straße, der er selbstbewusst den Untertitel „Die Griechische Botschaft“ gegeben hat, hat Paraskevaidis 2006 in einem ehemaligen Autohaus eröffnet.

„Ich wollte immer etwas machen, was die anderen nicht machen“, sagt er. Wenn er Lust auf etwas Neues hatte, habe er sein bisheriges Lokal aufgegeben oder verkauft. Wie jetzt die Ouzeri. Eine griechischstämmige Familie betreibe das Restaurant mit dem etablierten Anspruch weiter, authentische griechische Küche jenseits der fleischlastigen Grillteller anzubieten, versichert der Ideengeber.

Auch im Rembetiko bleibt es dabei. Fleisch kommt selten auf den Tisch: „Wir bieten zu 70 Prozent vegetarische Gerichte oder frischen Fisch an.“ Entgegen der landläufige Meinung sei die originale Griechen-Küche nämlich sehr gesund. Gyros mit Gouda überbacken oder sahnehaltige Metaxasauce – all das seien Zugeständnisse an den deutschen Geschmack, stellt Paraskevaidis klar. Auch mit einem weiteren kulinarischen Missverständnis räumt er auf: Zur griechischen Esskultur gehörten keine „Berge auf dem Teller“, sondern kleine Portionen.

Eine Besonderheit kommt beim Rembetiko hinzu: Die Einflüsse der orientalischen Küche werden dort zu schmecken sein. Dafür hat Paraskevaidis ein wenig Geschichtsforschung betrieben. Es geht um die Griechen, die 1922 aus Kleinasien, der heutigen Türkei, vertrieben wurden. „Sie haben ihre Kultur und ihre Küche mitgebracht.“ Rembetiko ist der Name der Musik, die diese Übersiedler vor allem in den Hafenstädten Athen, Piraeus und Thessaloniki etabliert haben. Dieser „Griechen-Blues“ wird bald auch in Bemerodes griechischem Dorf an der Brabeckstraße 168 zu hören sein. Paraskevaidis will nicht nur Kulinarisches servieren, sondern auch Kulturelles.     

Ein Gastronom mit Integrationspreis

Ein Gastronom mit 
Integrationspreis

Er sei ein „griechischer Hannoveraner“ sagt Konstantin Paraskevaidis. Im Alter von zwei Jahren kam er aus seiner Heimatstadt Thessaloniki mit den Eltern in die niedersächsische Landeshauptstadt. In Herrenhausen wuchs er auf. Nach dem Abitur an der Goetheschule studierte er Architektur. Vor dem Examen überlegte er es sich anders – und wechselte in die Gastronomie. Das erste Lokal, mit dem sich Paraskevaidis selbstständig machte, hieß Pegasus und war in Laatzen zu finden. Später zog es ihn nach Döhren, wo er seit 1993 zu Hause ist. In dem Stadtteil engagierte er sich über mehrere Jahre im Integrationsbeirat. Zudem gab er die Zeitschrift „Die Griechische Botschaft“ heraus, ein Magazin für Griechen und Freunde des Landes. „Die Griechen“, sagt er, „sind hier gut integriert, aber sie sind eine stille Minderheit – ihnen wollte ich eine Stimme geben.“ Für sein Engagement erhielt er 2011 den Integrationspreis der Stadt. Inzwischen musste Paraskevaidis die Arbeit für das Magazin einstellen. „Ich habe leider die Zeit nicht mehr“, bedauert er.

jk

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