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Interview

„Inszenierung eines Tempels“

Das alte Plenargebäude des Landtags soll einem Neubau weichen. So möchte es Architekt Eun Young Yi aus Köln - er ist Sieger des Wettbewerbs. Kulturredakteur Ronald Meyer-Arlt hat mit ihm gesprochen.

"Wir arbeiten viel mit Energie aus der Natur": Eun Young Yi setzt auf nachhaltige Architektur.

"Wir arbeiten viel mit Energie aus der Natur": Eun Young Yi setzt auf nachhaltige Architektur.

© Steiner

Herr Yi, wie lange haben Sie an dem Entwurf gearbeitet?
Knapp sechs Monate.

Ihr architektonischer Zugriff ist ja ziemlich stark. Der Oesterlen-Bau muss abgerissen werden. Tut Ihnen das leid?
Verspüren Sie so etwas wie Mitleid? Ja. Das tut mir schon sehr leid. Aber dieser gesamte Gebäudekomplex hat ja eine viel längere Geschichte. Der Charakter ist leider durch Oesterlens Entwurf aus den fünfziger Jahren verloren gegangen. Das wollte ich korrigieren.

Ihre wichtigsten Materialien sind Glas und Stahl. Warum?
Mein ständiger Versuch ist es, das Architekturvokabular von der Vergangenheit in die Moderne zu transportieren. Moderner Zeitgeist, moderne Technik und moderne Empfindung sind mir wichtig – und dazu gehört auch moderne Materialität.

Wann werden Glas und Stahl nicht mehr modern sein?
Irgendwann wird es wohl nicht mehr modern sein, aber wir können nicht ahnen, wann das soweit ist. Der Ansicht, dass die Architektur Verantwortung für die Ewigkeit tragen sollte, kann ich jedenfalls nicht zustimmen.

Sie denken Architektur hat die Verantwortung für die Gegenwart?
Ja. Die Verantwortung für eine weitere Zukunft kann ein Architekt in unserer Zeit nur tragen, wenn seine Architektur einen allgemeinen Wert besitzt und auch etwas aus der Vergangenheit transportiert.

Die vorgelagerten Stahlstützen in Ihrem Entwurf sind sehr markant. Wäre nicht auch ein bisschen mehr Zurückhaltung möglich gewesen?
Wir wollten die architektonische Inszenierung. Was Laves mit dem antiken Motiv inszeniert hatte, das wollte ich in die Moderne übertragen. Es ist eine gewollte Inszenierung des Bildes eines Tempels oder eines Pavillons.

Wie nachhaltig ist ihre Architektur in ökologischer Hinsicht?Es sieht so aus, als würden beträchtliche Heizkosten anfallen.
Ja, wenn man nur das Volumen sieht, dann kann man so denken. Aber wir arbeiten viel mit Energie aus der Natur. So beinhaltet unser Konzept auch die Geothermie- und die Solarenergienutzung.

Was sind Ihre Vorbilder? Die gesamte Menschheit. Ich lerne jeden Tag aus den kollektiven Werken der gesamten Menschheit.

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