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Am Donnerstag eröffnet die Kult-Modekette Primark in Hannover

Großer Wirbel um kleine Preise Am Donnerstag eröffnet die Kult-Modekette Primark in Hannover

Am Donnerstag eröffnet die Kult-Modekette Primark in Hannover – der neueste Coup in der bemerkenswerten Entwicklung des Einzelhandels in der City.

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Die Primark-Mitarbeiter haben schon vor der Eröffnung gut zu tun: Maylin Krause hängt neue Ware auf Kleiderständer.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Die Glastüren des Haupteingangs öffnen sich am Donnerstag, 11 Uhr. Dann wird es voll im neuen Primark-Haus in der Osterstraße, dessen Eröffnung vor allem von jungen Modefans ungeduldig erwartet wird. Im Internet verabreden sie sich bereits, um in zwei Tagen in Gruppen im Laden nach den neuesten modischen Trends zu wühlen. Erwartet wird tatsächlich ein großer Ansturm zum Eröffnungstag. Und nicht nur dann: Die Erfahrung aus anderen deutschen Städten zeigt, dass das Konzept der irischen Modekette auch hierzulande Kunden in Massen anzieht. In der Bremer Filiale ist vor allem sonnabends stets Großkampftag – dort ist es zuweilen so überfüllt, dass an den Umkleidekabinen mit bis zu einer Stunde Wartezeit gerechnet werden muss. In Hannover könnte es künftig auch so sein.

Am Seiteneingang des hannoverschen Primark-Hauses herrscht bereits reger Betrieb. Dort gehen die Mitarbeiter der irischen Textilkette ein und aus – die Belegschaft hat seit einigen Tagen gut zu tun in den vier Etagen des umgebauten früheren SinnLeffers-Gebäudes. Seit Montag vergangener Woche wird nach und nach eingeräumt, was aus dem Zentrallager in Irland geliefert wird. Der Innenausbau ist fertig, heute kommt die letzte Ware vor der Eröffnung. Man liegt gut im Plan. „Theoretisch hätten wir schon am Sonnabend aufmachen können“, sagt Wolfgang Krogmann, Nordeuropa-Chef bei Primark.

Die Ansiedlung von Primark ist sicher die derzeit spektakulärste Eröffnung in Hannovers Innenstadt. Wir haben einen Blick in die neue Filiale geworfen.

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Im Erdgeschoss zum Beispiel kann es am Donnerstag kaum viel anders aussehen als am Montagnachmittag. Dort hängt die Damenmode des Eigenlabels „Atmosphere“ schon vollständig an den Präsentationsflächen entlang der Wände und auf den Kleiderkarussells oder ist in die Rollregale einsortiert. Kleiderpuppen tragen komplette Ensembles bis hin zu Wollmütze und Schal, und auch die Schilder mit den kleinen Preisen sind schon zu lesen. Winterjacken für 16 Euro, Rollkragenpullover für sieben Euro – mit solchen Angeboten erobert Primark seine Kundschaft. „Look good, pay less“ (Sieh gut aus, bezahl weniger) lautet das Motto des Unternehmens, das damit den günstigen Trendmodeanbietern wie H&M, New Yorker und Zara ebenso Konkurrenz macht wie den Textildiscountern. In den Presseabteilungen der Firmen schweigt man dazu, nur Bernhard Grotehans, Hannover-Chef beim Traditionsunternehmen C&A, mag sich äußern: „Es gibt gewisse Überschneidungen im Sortiment, aber wir machen schließlich nicht das Gleiche.“

Die 1969 in Irland gegründete Modekette, die bei der jungen Kundschaft Kultcharakter genießt, ist auf Expansionskurs, schon 226 Filialen gibt es europaweit. Deutsche Niederlassungen sind bisher in Frankfurt, Bremen, Gelsenkirchen und Dortmund ansässig, Hannover ist die fünfte und mit knapp 9000 Quadratmetern größte Filiale bundesweit. Krogmann hebt das Engagement des Konzerns in der Stadt hervor: „Wir sind nicht nur Mieter, sondern haben das Gebäude gekauft und komplett modernisiert.“ Die Investitionssumme soll erst zur Eröffnung genannt werden, doch andere Zahlen sind bereits bekannt: 650 Mitarbeiter sind bei Primark in Hannover beschäftigt, etwa 180 davon nach Angaben Krogmanns in Vollzeit. „Und jeder Mitarbeiter, egal mit welcher Stundenzahl, ist bei uns direkt angestellt“, betont er. Mit Zeitarbeitsfirmen oder Aushilfen ohne Verträge werde nicht gearbeitet, das sei Geschäftspolitik. Und als wollte Primark auch gleich dem Vorwurf begegnen, seine Preise durch unmenschliche Arbeitsbedingungen in armen Ländern zu erzielen, hat man sich der Ethical Trading Initiative (ETI) angeschlossen, die nach Firmenangaben die Produktionsstätten der Zulieferer überwacht.

Bei all den Teenagern, die Primark in Hannover entgegenfiebern, dürfte der ethische Handel jedoch nicht im Vordergrund stehen. Sie wollen „dabei“ sein, und das für wenig Geld. Im Internet-Netzwerk haben rund 4000 Primark-Fans angekündigt, zur Eröffnung zu kommen. „Der Laden ist Bombe“, heißt es da, oder: „Ich freue mich auf Donnerstag, aber ich habe auch Angst, dass ich keine Luft kriegen werde.“ Der Sorge, dass es zum Chaos kommt, wollen Filialleiter Jürgen Klaukien und Nordeuropa-Chef Krogmann durch ein mit Stadt, Feuerwehr und Polizei abgestimmtes Sicherheitskonzept begegnen. „Wir haben Erfahrung mit solchen Eröffnungen“, sagt Krogmann, der davon ausgeht, dass schon deutlich vor 11 Uhr eine Kundentraube vor der Tür stehen wird. Ein Team von rund 40 Kräften einer privaten Sicherheitsfirma halte sich am Eröffnungstag bereit, Absperrgitter sollen die Kundenströme leiten. Damit mögliche Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Sanitätern keine Zufahrtsprobleme haben, sind die umliegenden Lokale gebeten worden, die Außenbewirtung für einen Tag einzuschränken.

Doch nicht nur die Primark-Fangemeinde ist begeistert von der Neuansiedlung. „Unsere Innenstadt ist um einen Anziehungspunkt reicher“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. „Darum werden uns manche Großstädte beneiden – Hamburg etwa.“ Der „Primark-Tourismus“ junger Kundinnen mit gemeinsamen Bus- oder Bahnfahrten, der in Norddeutschland bisher nach Bremen ging, werde sich nach Hannover verlagern, prognostiziert Hans Nolte, Chef der Hannover Marketing- und Tourismusgesellschaft (HMTG). Zudem bringe der Moderiese eine Belebung des in manchen Bereichen noch entwicklungsfähigen Umfeldes „in dieser Ecke“ der City. Wie zur Bestätigung prangt jetzt über einem Laden in der Heiligerstraße, der lange leer stand, ein neues Schild: Dort will die Beans since Coffee GmbH aus Laatzen einen Shop eröffnen – trotz der Nähe zu Balzac aus der gleichen Branche. Wo viel junge Kundschaft erwartet wird, können wohl nicht genug Bagels und Kaffees mit Sirup angeboten werden.

Eine Innenstadt mit Anziehungskraft

Mit der Geschäftseröffnung von Primark steht die derzeit spektakulärste Premiere in Hannovers Innenstadt bevor. Doch sie spiegelt nur den Höhepunkt einer Entwicklung wider, die vor geraumer Zeit begonnen hat. Vom Neubau der Ernst-August-Galerie über die Verschönerung des Umfeldes wie in der Luisenstraße und die zügige Wiederbelebung des früheren Karstadt-Technikhauses bis zu den jüngsten Umbauten von Geschäftshäusern mit dem Kröpcke-Center als größtem Projekt: Die City ist längst zur Spitzenadresse für Investoren und Handelsketten geworden.

„40 Prozent der Käufer kommen von außerhalb der Region“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Laut jüngstem Immobilienbericht von Stadt und Region hat sich Hannover in mehreren Kategorien in den bundesweiten Top Ten platziert – bei Mietzuwächsen für 1-a-Lagen ebenso wie bei der Passantenfrequenz oder dem Einzugsradius. Bei mittlerweile 185 Euro pro Quadratmeter liegt die Miete in Spitzenlagen wie Georg-, Bahnhof- und Großer Packhofstraße. „Das Interesse bei Investoren ist ungebrochen“, sagt Kathrin Grätz, Vermietungsleiterin des Immobilienbüros Jones Long Lasalle in Hannover.

Neben Primark haben sich gerade zwei weitere, noch nicht in der Stadt vertretene Trendmarken für Hannover entschieden: Das spanische Label Desigual eröffnet noch im Herbst im ehemaligen Volksfürsorge-Haus am Ernst-August-Platz, die US-Marke Hollister zieht im Frühjahr in die Ernst-August-Galerie. Ebenfalls im Frühjahr kommt neben Desigual und dem vor wenigen Tagen eröffneten Esprit-Geschäft der dritte und letzte Mieter ins umgebaute Volksfürsorge-Haus. „Es wird eine Schuhmarke sein, die noch keinen eigenen Store in Hannover hat“, sagt Frank Reitzig, Geschäftsführer des Immobilienunternehmens Comfort Hamburg.

Jede Investition scheint die nächste zu beflügeln. Wormland hat umgebaut, Peek & Cloppenburg im Kröpcke-Center ist noch dabei. Dort läuft seit Montag und bis zum 9. November der Räumungsverkauf – danach zieht das Textilgeschäft in den modernisierten Teil des Kröpcke-Centers um. Seit Mitte 2010 bis zur geplanten Fertigstellung des Centers im Jahr 2013 wird nach Schätzung Prenzlers rund eine Milliarde Euro in Immobilien und Umfeld in der City investiert worden sein.

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Bereits am Donnerstag, 27. Oktober, um 11 Uhr eröffnet der Primark Hannover.

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