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Am Schützenplatz wird jetzt gebetet

Zeltkirche des Missonswerks Zion zu Gast Am Schützenplatz wird jetzt gebetet

Gut 170 Wohnwagen, ein großes Zelt und ein knallroter Truck - sie sind derzeit ein ungewohnter Blickfang auf dem Schützenplatz. Die Zeltkirche des Missonswerks Zion ist für zwei Wochen zu Gast und feiert ihr Zweijahrestreffen mit täglicher Morgenandacht, Kinderstunde und Gottesdiensten.

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Ein Meer von Wohnwagen steht derzeit auf dem Schützenplatz. Der Mittelpunkt des zweiwöchigen Jahrestreffens der Freikirchler ist das große Zelt zur Linken.

Hannover. Die freikirchliche Gruppierung deutscher Sinti, die der Pfingstbewegung nahesteht, feiert eines ihrer zwei Jahrestreffen. Es sind um die 900 Erwachsene und Kinder aus ganz Deutschland, die sich zu täglicher Morgenandacht, Kinderstunde und abendlichem Gottesdienst versammeln. Doch stand das diesjährige Treffen unter keinem guten Stern: Beim Aufbau des Lagers schlug Pastor Josef Wagner einen Anker in den Boden - und traf ein elektrisches Kabel.

Der Stromschlag riss den Prediger zu Boden, er verletzte sich erheblich an Kopf und Schulter. Inzwischen hat Wagner die Klinik wieder verlassen, leidet aber immer noch unter den Folgen des Unglücks. Die Verwaltung hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob die Leitung nicht tief genug eingegraben war. Regressansprüche, so Pressesprecher Dennis Dix, wurden aber bislang weder von der Stadt an das Opfer noch umgekehrt gestellt.

Abgesehen von diesem Unfall ist die Stimmung auf dem Platz gelöst. Jeder sei willkommen, an den zweistündigen Gottesdiensten teilzunehmen, sagt Sprecher Peppi Schopper. Dabei laufen diese ganz anders ab als die Messen der Amtskirchen, erinnern eher an Gospel-Gottesdienste in den USA. Auf der Bühne steht ein Chor, Geige und Gitarre gehören zum festen Inventar, und der Austausch zwischen Gemeindemitgliedern und Pastor ist oft laut und emotional - etwa wenn jemand von einem Wunder berichtet oder von einer Erleuchtung zeugt.

Rund 5000 Mitglieder in Deutschland

Das Missionswerk zählt zu den Freikirchen, denen auch Baptisten oder Methodisten angehören; 16 Gemeinden und 5000 Mitglieder umfasst die Sinti-Gruppierung in Deutschland. Die Pfingstler, denen sie sich nahe fühlen, sind aus einer amerikanischen Frömmigkeitsbewegung des 19. Jahrhunderts hervorgegangen. Zungenrede, Prophetie und Heilung spielen dort eine ebenso große Rolle wie die Warnungen vor Hölle und Teufel. Nur ein Gott wohlgefälliges Leben, das auf einer engen Auslegung der Bibel beruht, wird gutgeheißen.

Auf dem Lastwagen am Schützenplatz steht geschrieben: Unterwegs im Namen des Herrn. Doch vom lockeren Spruch der Blues Brothers im gleichnamigen Film ist das Missionswerk so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Ein junger Mann erzählt von seinem lasterhaften Leben vor der Erleuchtung - früher ging er noch in Discos. Und sind Homosexualität und Sex vor der Ehe akzeptabel? Peppi Schopper und Pfarrer Wagner weichen aus. Einen klaren Bannspruch möchten sie vermeiden, verweisen auf die Bibel - und lassen doch die Worte „Sünde“ und „Bekehrung“ fallen.

Am Sonntag wird der letzte Zion-Gottesdienst in Hannover von einer Erwachsenentaufe gekrönt, in einem Wasserbecken im Zelt. Dann geht’s wieder zurück nach Hause. Die meisten Mitglieder der Sinti-Gemeinde, sagt Schopper, seien berufstätig und würden der Zeltkirche einen Teil ihres Jahresurlaubs opfern. Spätestens im Frühjahr 2016 aber treffen sie sich wieder - zu ihrem Pfingsttreffen.

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