Lizzy ist eigentlich für jeden Spaß zu haben. Sie springt durch Ringe, macht Männchen, wedelt mit der Flosse und gibt Tierpfleger Sebastian Bleich (26) zuweilen auch ein Küsschen. Aber untätig und lang ausgestreckt auf dem Waschbeton zu liegen, behagt der Seelöwendame nicht. Da muss Stefanie Leitner (32) einspringen und Lizzys Flosse ein wenig langziehen. Denn die Seelöwin muss ausgemessen werden. Der Zollstock zeigt 1,80 Meter an.
Im Zoo wurde in den vergangenen Wochen nicht nur ausgiebig gemessen und gewogen: Die alljährliche tierische Inventur stand Ende 2009 an und so wurde auch kräftig gezählt. Denn der Tierpark ist wie jedes andere Unternehmen nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) dazu verpflichtet, Rechenschaft über den Bestand abzugeben. Nun sind es keine Milchtüten, Joghurtbecher oder Eier, die die Pfleger zu zählen haben. Da wird die Inventur zuweilen zu einer komplizierten Angelegenheit. Denn schließlich zeigen sich nicht alle Tiere so kooperativ wie die gemächlichen Elefanten oder die stolzen Giraffen. Schwärme an flinken Goldfischen tummeln sich in Wassergräben, Vögel flattern durch das Urwaldhaus und Stachelmäuse verstecken sich in unterirdischen Gängen. „Besonders die quirligen Tiere zählen wir in mehreren Durchgängen und bilden dann einen Mittelwert“, sagt Zoo-Sprecherin Christiane Reiss (36). Und dann wären da noch die Ameisen, die geschäftig bergauf und bergab durch ein meterlanges Röhrenlabyrinth krabbeln. „Die Völker der Weber- und Blattschneiderameisen werden jeweils als ein Tier gezählt“, sagt Reiss.
Das Ergebnis der Inventur für das Jahr 2009: Insgesamt nennen rund 2235 Tiere in 250 Arten den Tierpark ihr Zuhause. Das sind rund 530 Tiere mehr als 2008. Unter anderem wurden 596 Säugetiere in 79 Arten, 710 Vögel in 81 Arten (2008 waren es 613 Vögel in 75 Arten), 76 Reptilien in 20 Arten und 741 Fische in 49 Arten (2008 waren es 380 Fische in 48 Arten) gezählt. Die Zahlen, die die Mitarbeiter zwischen Weihnachten und Neujahr gesammelt haben, werden anschließend mit den Aufzeichnungen des gesamten Jahres verglichen. Denn jede Geburt, jeder Todesfall, jeder Zukauf und jeder Verkauf eines Tieres wird festgehalten. Der Jahresbericht wird schließlich an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, an die Gesellschafter des Zoos und das Veterinäramt übermittelt.
Auch 2010 werden die Tierpfleger allerhand zu zählen haben. Denn für die Polarlandschaft Yukon Bay werden neue Bewohner erwartet, darunter sind Bisons, Felsenpinguine, Karibus, Präriehunde, Seebären sowie zwei Eisbären aus dem Wiener Zoo.
Von Stefanie Nickel
HAZ.de Anmeldung
8