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Ampeln zeigen seltener Grün - wie sicher ist das?

Wechsel zum Zwei-Licht-Signal Ampeln zeigen seltener Grün - wie sicher ist das?

Für Autofahrer gibt es an Hannovers Ampeln immer seltener Grün. Die Stadt stellt viele Fußgängerampeln, die an Überwegen nur auf Knopfdruck reagieren, auf den Betrieb mit nur noch zwei Leuchtscheiben um. 

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An der Lister Meile ist bereits eine sogenannte Dunkelampel installiert.

Quelle: Franson

Hannover. Für Autofahrer existiert dort kein Grün-Signal mehr: Entweder sie können den Überweg ohne Ampellicht überqueren, oder sie müssen auf Gelb und Rot reagieren. Solche Dunkelampeln sind an Stadtbahnhaltestellen seit rund zehn Jahren in Betrieb; neu geschaffene Überwege wie in der Marienstraße werden ebenfalls schon länger mit Bedarfsampeln ohne Grün für Autofahrer versehen, und auch viel frequentierte Überwege wie an der Lister Meile /  Wedekindstraße sind bereits umgerüstet worden.

Die Stadt spricht davon, dass die neuen Modelle beim Sparen helfen. Auch dank LED-Technik verbrauchen die Dunkelampeln erheblich weniger Energie, sind langlebiger und müssen seltener gewartet werden als traditionelle Drei-Licht-Masten. Auch spreche unter Sicherheitsaspekten nichts gegen Ampelanlagen mit nur zwei Leuchtscheiben für motorisierte Verkehrsteilnehmer, heißt es. Der ADAC Niedersachsen wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat stehen Dunkelampeln ebenfalls positiv gegenüber.

Keine Daten zu Gefahren

Offizielle Daten gibt es dazu aber noch nicht. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Berlin etwa hält sich bedeckt. „Kein Experte könnte heute zuverlässige Aussagen zur Sicherheit treffen und sagen, ob Dunkelampeln sicherer oder unsicherer sind als traditionelle Lichtzeichenanlagen“, sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. So plane die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen erst ab 2018 eine mehrjährige Studie zu diesem Thema. Dafür würden Unfallberichte ausgewertet sowie Langzeituntersuchungen per Video angestellt, um Aussagen über gefährliche Situationen und Unglücke an Überwegen treffen zu können, die mit Dunkelampeln gesichert sind. Die Kernfrage: Entsteht zusätzliches Gefahrenpotenzial, wenn Autofahrer unvorbereitet – gewissermaßen aus dem Nichts – mit einem Stoppsignal konfrontiert werden?

Verkompliziert wird die Debatte durch unterschiedliche Begrifflichkeiten. UVD-Chef Brockmann sagt, viele Kommunen hätten an nur selten von Fußgängern frequentierten Überwegen bereits Ampelanlagen installiert, die im Ruhemodus weder für Autofahrer noch für Fußgänger Leuchtsignale zeigen – sogenannte Schlaf- oder doppelte Dunkelampeln. Erst wenn ein Fußgänger auf den Hinweis „Bei Bedarf Grün anfordern“ reagiert und einen Knopf drückt, bekommt er ein grünes Ampelmännchen zu Gesicht, während die Autofahrer Rot sehen.

Bei wenig Verkehr kann der Fußgänger hier auch ohne Knopfdruck über die Straße gehen, ohne einen Verkehrsverstoß zu begehen – und erspart sich oder Autofahrern lästige Wartezeiten. „Bei stark frequentierten Überwegen wäre solch eine Schlaf­ampel aber wenig sinnvoll“, sagt der UDV-Chef. Debatten über derartige Signalanlagen werden in der Region Hannover bereits geführt: So möchten etwa die Hemminger Grünen an der Weetzener Landstraße eine solche doppelte Dunkelampel aufgestellt sehen.

Längere Gelbphase vor dem Rot

Die weit verbreiteten Zwei-Scheiben-Modelle in Hannover und Umland präsentieren sich aber nur Fahrzeuglenkern als Dunkelampeln, während Fußgänger immer ein Lichtsignal zu sehen bekommen. Stadtsprecher Alexis Demos, berichtet, dass die Gelbphase an diesen Signalgebern von drei auf fünf Sekunden verlängert wurde, um nahende Autofahrer im Bedarfsfall rechtzeitig zum Halten zu bringen.

Die Stadt stellt immer mehr Bedarfsanlagen an Fußgängerüberwegen
auf Zwei-Licht-Signale um – das soll Geld sparen. Aber ist es auch sicher?

Die Stadt stellt immer mehr Bedarfsanlagen an Fußgängerüberwegen
auf Zwei-Licht-Signale um – das soll Geld sparen. Aber ist es auch sicher?

Quelle: Franson

Eingebettet ist der Austausch der Fußgängerampeln in das Programm „Umrüstung auf LED-Standard“, das die Stadt seit 2015 vorantreibt. In Hannover sind derzeit 170 Steuergeräte installiert, die bedarfsgesteuerten Ampelanlagen für Fußgänger Impulse geben; teilweise sind an ein solches Steuergerät – etwa an Stadtbahnstationen – mehrere Einzelampeln angeschlossen. Von diesen 170 Anlagen sind bereits mehr als ein Drittel modernisiert worden; die Kosten für eine Umrüstung reichen je nach örtlichen Gegebenheiten von 2000 bis zu weit mehr als 10 000 Euro. In den umliegenden Regionskommunen gibt es ein gutes Dutzend Dunkelampeln; für die übrigen, herkömmlichen Bedarfsampeln hat die Region in naher Zukunft aber keine Umrüstung auf Zwei-Licht-Betrieb geplant.

Sicher ist, dass die Leuchtkraft von LED-Lampen erheblich höher ist und ein Plus für die Verkehrssicherheit bedeutet. Auch werden die Kosten deutlich gesenkt. Lag der Verbrauch der Birne einer früheren 230-Volt-Ampelanlage bei 60 Watt, zieht ein LED-Lämpchen nur noch zwei Watt. Demos hat ein Beispiel parat, was dies in Euro und Cent bedeutet. So verringere die neue Dunkelampel gegenüber vom Kirchröder Vinzenzkrankenhaus die alljährlichen Stromkosten von 510 auf 140 Euro. Dass die Umrüstung der Fußgängerampel die stolze Summe von 13  600 Euro verschlang, hat wenig mit Dunkelampel und LED zu tun – das altersschwache Steuergerät hätte eh ausgetauscht werden müssen.

Bis Ende 2017 will die Stadt Hannover 390 ihrer 485 Ampelanlagen auf LED-Technik umgerüstet haben, anschließend folgen die restlichen 95. Der Zeitpunkt des Umbaus richtet sich nach anstehenden Reparaturen oder Wartungsarbeiten. Und so werden Autofahrer im Laufe der nächsten Jahre auch immer weniger Fußgängerampeln mit drei Leuchtscheiben zu Gesicht bekommen. Bis wirklich alle Überwege mit Dunkelampeln versehen sind, kann es aber noch dauern. Denn es gibt Bedarfsampeln, die bereits frühzeitig auf LED umgerüstet wurden, aber das grüne Licht für Autofahrer behalten durften – und diese Anlagen will die Stadt vorerst nicht wieder anrühren.    

Erste Ampel explodierte

Die erste Ampel der Welt, mit Gaslicht betrieben, wurde 1868 in London aufgestellt. Auch dies war eine Zwei-Licht-Signalanlage, die allerdings nur die Farben Grün und Rot anzeigte. Ein langes Leben war diesem Prototypen nicht beschieden – er explodierte nach drei Wochen und verletzte den neben ihm stehenden Polizisten schwer. Die erste elektrisch betriebene Verkehrsampel wurde 1914 in Cleveland (USA) installiert, auch sie besaß nur zwei Streuscheiben für Rot und Grün. Die Vorreiter der Drei-Licht-Signalanlagen für den Autoverkehr standen in Detroit und New York, die erste Fußgängerampel nahm man 1933 in Kopenhagen in Betrieb.
Die frühen Ampeln in Großstädten wurden praktisch immer an Verkehrsknotenpunkten installiert. Sie halfen in zunehmendem Maße, Personal einzusparen: So mussten an den entsprechenden Kreuzungen immer weniger Polizisten zur Verkehrslenkung eingesetzt werden.
In Deutschland feierte die elektrisch betriebene Ampel 1925 in Hamburg Premiere. Hannover bekam seine erste Lichtzeichenanlage 1931, und aufgestellt wurde sie – natürlich – neben dem Café Kröpcke. miz     

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