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9000 Euro Strafe wegen gekauftem Waffenattest

Urteil am Amtsgericht 9000 Euro Strafe wegen gekauftem Waffenattest

Das Amtsgericht hat einen Autohändler aus Stöcken wegen Bestechung verurteilt: Der 40-jährige Mehmet U. hatte einem Vorstandsmitglied des Schießsportvereins (SSV) Hameln 2000 einen Betrag von 1560 Euro bezahlt, um damit unter Umgehung von Fristen und Prüfungen an eine Waffenbesitzkarte zu kommen

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Der Erwerb einer Waffenbesitzkarte spielt sich in einem „sensiblen Bereich“ ab.

Quelle: Patrick Pleul

Stöcken. Das Amtsgericht hat einen Autohändler aus Stöcken wegen Bestechung zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 60 Euro verurteilt. Der 40-jährige Mehmet U. hatte einem Vorstandsmitglied des Schießsportvereins (SSV) Hameln 2000 einen Betrag von 1560 Euro bezahlt, um damit unter Umgehung von Fristen und Prüfungen an eine Waffenbesitzkarte zu kommen. Am Landgericht Hannover müssen sich derzeit in einem Mammutverfahren, das schon Anfang Januar begann, sechs Mitglieder des SSV wegen schwerer Bestechlichkeit und Beihilfe zur Bestechlichkeit verantworten.

Ursprünglich hatte Mehmet U. wie viele andere wegen Bestechung angeklagte Männer einen Strafbefehl über 6000 Euro bekommen. Der Autohändler legte Einspruch ein, sein Verteidiger plädierte in dem zwei Tage dauernden Amtsgerichtsprozess auf Freispruch. Doch dieser Schuss ging nach hinten los: Weil Richter Reinhard Meffert einen höheren Tagessatz als ursprünglich ermittelte, stieg die Geldstrafe auf 9000 Euro.

Nach Auskunft der hannoverschen Staatsanwaltschaft wurden im Skandal um den illegalen Erwerb von Waffenbesitzkarten niedersachsenweit bereits mehr als hundert Ermittlungsverfahren eingeleitet, und es kommen immer noch neue Fälle hinzu. Um eine Waffenbesitzkarte für Sportschützen - nicht zu verwechseln mit einem Waffenschein - zu bekommen, muss man drei Voraussetzungen erfüllen: mindestens ein Jahr lang bei einem Dachverband wie der Deutschen Schießsport Union (DSU) als Mitglied eines Schießsportvereins gemeldet sein, ein Mindestmaß an Schießübungen erfüllen sowie eine Sachkundeprüfung ablegen.

Hier konnte das Amtsgericht Mehmet U. etliche Ungereimtheiten nachweisen, die eindeutig belegten, dass der 40-Jährige seine Waffenbesitzkarte nicht ordnungsgemäß erworben hatte. So hätten die Vorstandsmitglieder des Hamelner Vereins, wie ein Kriminalbeamter vor Gericht erklärte, an mehr als 400 Interessenten identische Schießbücher in Form von Serienbriefen verschickt. „Teilweise wurden darin Schießübungen für Termine bestätigt, die in der Zukunft lagen“, erläuterte der Kripo-Mann.

Laut Anklage wurde U. zum Jahreswechsel 2014 / 2015 mit Vincenzo B., Ehrenpräsident und Kassenwart des SSV, handelseinig, eine Waffenbesitzkarte zu kaufen. Der Autohändler, Besitzer einer Sig-Sauer-Pistole, schwieg bis zum Schluss. Amtsrichter Meffert nannte das Verhalten von U. „besonders verwerflich“, weil es bei der Tat um Waffen und somit einen „sehr sensiblen Bereich“ gegangen sei.

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