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Aus der Stadt Sexuelle Nötigung: Gericht verurteilt Flüchtling
Hannover Aus der Stadt Sexuelle Nötigung: Gericht verurteilt Flüchtling
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00:15 13.03.2016
Von Michael Zgoll
Tamer D. wurde von Rechtsanwalt Christian Neumann verteidigt. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Der 23-jährige Tamer D., ein aus dem Libanon stammender Palästinenser, legte über seinen Verteidiger Christian Neumann ein  Geständnis ab. Demnach hatte er das spätere Opfer, eine 45-jährige Frau aus Gleidingen, am Abend des 9. Januar dieses Jahres angesprochen. Er fragte sie nach dem Weg zur Flüchtlingsunterkunft, wo er seit November 2015 gemeinsam mit seiner Ehefrau untergebracht ist. Offenbar wechselten D. und die 45-Jährige ein paar Sätze in gebrochenem Englisch.

Doch dann ignorierte der Asylbewerber den Wunsch der aus Mazedonien stammenden Frau, in Ruhe gelassen zu werden. Er folgte ihr, machte anzügliche Bemerkungen und Bewegungen. Als die Frau ihre Haustür aufschließen wollte, packte sie der Mann von hinten, griff ihr an die Brüste und in den Schritt. Seine Hose hatte er bereits heruntergelassen, zeigte dem Opfer seine entblößten Genitalien. Beim Versuch, die Frau herumzudrehen, erlitt sie einen Bluterguss am Arm, dann biss ihr der Täter in die Wange. Doch wehrte sich das Opfer nach Leibeskräften, schrie lauthals und konnte sich schließlich in die Wohnung von Hausbewohnern retten. Der Täter floh, wurde aber bereits einen Tag später in der Flüchtlingsunterkunft an der Hildesheimer Straße festgenommen .

Warum er die fast doppelt so alte Frau überfallen hatte, wollte oder konnte der jungenhaft wirkende Flüchtling dem Schöffengericht unter Vorsitz von Jörn Thyen nicht sagen. Die Tat ist besonders unverständlich, weil seine Ehefrau im dritten Monat schwanger ist. Wie Verteidiger Neumann sagte, stehe diese zu ihrem Mann, habe ihn in der zweimonatigen Untersuchungshaft mehrmals besucht. Allerdings würden dem 23-Jährigen in naher Zukunft noch einige andere unangenehme Kontakte mit Verwandten bevorstehen. Seine Familie, die nach Dänemark geflüchtet sei, habe keinerlei Verständnis für die Sexualstraftat, auch müsse sich Tamer D. vor seinen Brüdern verantworten.

Das Opfer habe die Tat sehr stark mitgenommen, erklärte Nebenkläger-Anwältin Elif Gencay-Drews vor dem Schöffengericht. Zwar sei die 45-Jährige auch schon vor dem Überfall in ärztlicher Behandlung und arbeitsunfähig gewesen, doch habe sich ihr psychischer Zustand aufgrund des sexuellen Übergriffs erheblich verschlechtert. Sie fühle sich auf der Straße nicht mehr frei, habe insbesondere vor Männern mit dunklen Haaren und dunklen Augen Angst. Wie Gencay-Drews sagte, sei D. ihrer Mandantin bereits in den Tagen vor dem 9. Januar durch "respektloses Verhalten" aufgefallen, sei mit dem Fahrrad zweimal nah an ihr vorbeigefahren. Einmal habe sie sich mit zwei Mädchen unterhalten, einmal mit ihrer 18-jährigen Nichte, und jedesmal habe der Flüchtling die Frauen "angestiert". Der Überfall vor dem Haus der 45-Jährigen sei brutal gewesen, nur heftige Gegenwehr habe das Opfer vor Schlimmerem bewahrt.

Staatsanwalt Oliver Eisenhauer forderte in seinem Plädoyer, D. zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren zu verurteilen. Er sprach von einer "situationsbedingten Tat", die das Opfer schwer traumatisiert habe. Während Eisenhauers Ausführungen sackte der Angeklagte in sich zusammen und begann zu weinen. Wie der Verteidiger meinte, habe sein Mandant am 9. Januar "den schwersten Fehler seines Lebens" begangen. Er habe nicht ahnen können, dass die Frau bereits psychisch angeschlagen gewesen sei, doch das ändere nichts daran, dass der sexuelle Übergriff inakzeptabel war. Neumann forderte für D. eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

Ein "ungenehmes" und "übles" Delikt nannte Richter Thyen den Überfall in seiner Urteilsbegründung. Strafmildernd habe sich das Geständnis des Flüchtlings ausgewirkt, zudem hoffe er, dass die zweimonatige Untersuchungshaft den 23-Jährigen "nachhaltig beeindruckt" habe. Das Gericht verurteilte D. neben der 16-monatigen Haftstrafe auch zur Ableistung von 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Er bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und muss dem Amtsgericht drei Jahre lang jeden Wohnortwechsel mitteilen.

Ob der Palästinenser überhaupt eine Zukunft in Deutschland hat, steht auf einem anderen Blatt. Asylbewerber aus dem Libanon haben generell wenig Chancen, hier ein dauerhaftes Bleiberecht zu erlangen. Auf der anderen Seite nimmt der Libanon Flüchtlinge nur höchst ungern zurück - und schon gar nicht, wenn es verurteilte Straftäter sind.

Staatsanwalt und Verteidiger gaben am Ende der Verhandlung zu Protokoll, dass sie keine Berufung einlegen wollen. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

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