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Generalmajor im Zwielicht

Streit um von Lettow-Vorbeck Generalmajor im Zwielicht

Das Amtsgericht hat bestätigt: Das Gutachten zu Generalmajor Paul Emil von Lettow-Vorbeck ist keine Fehlleistung. Es war von der Stadt im Zuge des Streits um Straßenumbenennungen in Auftrag gegeben worden.

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Kein untadeliger Militär: Generalmajor Paul Emil von Lettow-Vorbeck.

Quelle: dpa

Hannover . Verunglimpft ein Gutachten in strafbarer Weise das Andenken an einen Verstorbenen, das den Generalmajor Paul Emil von Lettow-Vorbeck (1870–1964) als Kriegsverbrecher, Hochverräter und Missachter der Menschenrechte darstellt? Das Amtsgericht hat am Mittwoch – nach Verfahrensfehlern bereits zum zweiten Mal – diese Frage auf Antrag der Angehörigen des Militärs untersucht und nach sechsstündiger Verhandlung den Gutachter, Prof. Helmut Bley, von jedem Verdacht freigesprochen. Strafrichterin Catharina Schwind zollte allerdings den Angehörigen ihr Mitgefühl. Sie könne persönlich verstehen, dass die Klägerin das Ansehen ihres Vaters schützen wolle, sagte sie zum Abschluss. An der wissenschaftlichen Qualität der Arbeit aber gebe es auch nach dem Verfahren keine Zweifel, und Hinweise auf vorsätzliche Fehler ebenfalls nicht.

Die hochbetagte Gräfin Heloise zu Rantzau, geborene Lettow-Vorbeck und Tochter des Generalmajors, war mit ihrem Sohn Hans-Caspar von ihrem Gut bei Bad Segeberg nach Hannover gekommen und verfolgte den Prozess konzentriert. Nach ihrer Aussage hat ihr Vater in familiären Gesprächen stets betont, er sei „Gott sei Dank nie in die Lage gekommen“, in den Kriegsgerichten der Ostafrikafeldzügen Todesurteile gegen die einheimische Bevölkerung auszusprechen. Der Gutachter Bley, emeritierter Historiker und Kolonialzeitexperte aus Hannover, hatte in seiner wissenschaftlichen Expertise zu Lettow-Vorbeck 2008 ein ganz anderes Bild des Mannes gezeichnet. Unter anderem heißt es in dem Werk, der Generalmajor habe Kriegs- und Standgerichte zur „Verletzung aller Normen des Rechts“ genutzt, einschließlich exzessiver Anwendung der Todesstrafe. Er habe seinen Offizieren ausdrücklich rücksichtsloses Vorgehen befohlen, Menschen aufhängen und Dörfer verbrennen lassen. Insbesondere nach Beschlagnahmungen von Vieh und Getreide habe er bäuerlichen Widerstand gezielt und brutal niederschlagen lassen, Menschengruppen in die Wüste getrieben und Brunnen vergiftet.

Das Gutachten war von der Stadt Hannover in Auftrag gegeben worden. Es diente zur Klärung der Frage, ob nach Lettow-Vorbeck eine Straße im sogenannten Afrikaviertel in Badenstedt benannt bleiben soll. Die Sache ist nach Anwohnerklagen und eindeutigen Gerichtsurteilen inzwischen entschieden, die Stadt hat die Straße kürzlich in Namibiaallee umbenennen lassen. Der Enkel Lettow-Vorbecks aber, Hans Caspar Graf zu Rantzau, hatte zunächst bei der Staatsanwaltschaft Hannover Strafanzeige gegen den Oberbürgermeister, den Baudezernenten, Ratsmitglieder und den Historiker gestellt, weil diese das Andenken des Verstorbenen verunglimpften. Nachdem das Verfahren eingestellt worden war, kam es jetzt zum seltenen Verfahren eines privaten Strafprozesses.

Bley musste sich im Verfahren gestern unter anderem die Frage vorhalten lassen, ob er nur wegen einer persönlichen Beziehung zum damaligen Leiter des Stadtarchivs zu dem Gutachterauftrag gekommen sei. „Muss ich auf diese Unterstellung antworten?“, fragte er die Richterin, gab dann aber doch noch zu Protokoll, dass es keine persönliche Bekanntschaft gegeben habe.

Zwei sachverständige Zeugen wurden umfangreich angehört, und Richterin Schwind machte am Schluss keinen Hehl aus ihrer Einschätzung, dass beide nicht an die wissenschaftliche Reputation von Bley heranreichten. Die Anklage hatte einen ehemaligen Bundeswehroffizier beigebracht, der nach eigenem Bekunden „schon in der Schulzeit Geschichte als Lieblingsfach“ und später drei Semester an einer Uni Geschichtsvorlesungen gehört hatte. Bley hingegen hat nicht nur die bestehende Literatur zu Lettow-Vorbeck ausgewertet, die sich offenbar erheblich widerspricht, sondern auch Quellen wie die preußischen Kriegstagebücher im Original eingesehen. In denen sind alle Telegramme der Offiziere in den Ostafrikafeldzügen dokumentiert. Täglich bis zu zehn seien es gewesen, sagt Bley. Und der Inhalt lasse keinen Zweifel an der Schuld Lettow-Vorbecks – und zwar ausdrücklich nach damaligen Kriterien des Wehrrechts, nicht nach heutigen.

Bley untersuchte auch die Rolle Lettow-Vorbecks während des Kapp-Putsches und anderer Einsätze und fand ein einheitliches Muster. Da der Generalmajor seine Haltung auch nach den Kriegen in seinen Erinnerungen ausdrücklich nicht widerrufen habe, sei er nach den Richtlinien der Stadt Hannover eindeutig nicht für die Ehre einer Straßenbenennung geeignet.

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