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Betrug nicht beweisbar – Betreuer freigesprochen

Amtsgericht Hannover Betrug nicht beweisbar – Betreuer freigesprochen

Ein Betreuer, der von den Konten einer 85-Jährigen 48520 Euro abgehoben hatte, ist vom Amtsgericht freigesprochen worden. Es ließ sich nicht beweisen, dass er gegen den Willen der Frau handelte.

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Der Strafprozess ging für den Angeklagten glimpflich aus - doch nun wartet ein Zivilverfahren auf ihn.

Quelle: Michael Zgoll

Hannover.  Ein Betreuer, der sich wegen Untreue in 60 Fällen verantworten musste, ist vom Amtsgericht Hannover freigesprochen worden. Der 63-Jährige war angeklagt worden, weil er zwischen November 2014 und März 2016 von den Konten einer inzwischen 85 Jahre alten Frau 48520 Euro abgehoben hatte. Das Schöffengericht kam zu der Auffassung, dass dem Mann keine Betrugsabsichten nachzuweisen sind. Es stehe fest, dass er tatsächlich etliche Tätigkeiten für die Seniorin ausgeführt habe: Gartenarbeit, Wäschewaschen, Fenster streichen oder Einkäufe und Botengänge erledigen. Doch auch „wenn Fragen offen blieben“: Da die Geschädigte inzwischen nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist, lässt sich der Untreuevorwurf nicht erhärten.

Der gelernte Karosseriebauer hatte 60-mal Geld von zwei Konten der in Seelze lebenden Frau abgehoben, meist Beträge zwischen 300 und 1000 Euro. Die Seniorin hatte ihm ihre ec-Karten inklusive PIN ausgehändigt, auch unterschrieb sie etliche Überweisungsträger. Doch bewegte sich die korpulente Frau im Laufe des Jahres 2015 immer seltener aus dem Bett, ließ den ehemals als Bauunternehmer gescheiterten Mann in den Räumen ihres Zweifamilienhauses schalten und walten. Aber spätestens als der Betreuer der bettlägrigen Frau Anfang 2016 das Haus zu einem Schnäppchenpreis abkaufen wollte, wurde eine Tochter der Seniorin hellhörig. Diese konnte verhindern, dass ihre Mutter – die inzwischen in einem Altenheim untergebracht ist – die Immobilie verkaufte.

Das Gericht wies darauf hin, dass man auch nach der Beweisaufnahme schwer nachvollziehen könne, wo das viele Geld geblieben sei. Verteidiger Rudolf Breske meinte, es wäre klug gewesen, wenn sein Mandant alle seine Tätigkeiten dokumentiert und sich Quittungen hätte ausstellen lassen. Doch auch wenn der 63-Jährige freigesprochen wurde: Die Familie hat angekündigt, sich das Geld der alten Dame zurückholen zu wollen. Vor einem Zivilrichter dürfte der Betreuer einen schwereren Stand haben als im Strafprozess, weil er dort detailliert nachweisen muss, wofür er welchen Betrag bekommen und verbraucht hat. 

Von Michael Zgoll

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