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„An der Marienstraße zu leben ist wie Kettenrauchen“

Debatte um Luftbelastung „An der Marienstraße zu leben ist wie Kettenrauchen“

Wie gelingt es, in Hannover die Luftqualität zu verbessern? Die Stadt denkt über Straßensperrungen nach. Während Autofahrer andere Lösungen fordern, würden Anwohner der stark belasteten Marienstraße eine Reduzierung des Verkehrs begrüßen.

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Ihr stinkt der Verkehr an der Marienstraße: Anwohnerin Regine Lube setzt selbst auf öffentliche Verkehrsmittel. 

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Katharina Pieper findet drastische Worte. „An der Marienstraße zu wohnen, ist für die Gesundheit wie Kettenrauchen“, sagt die 25-Jährige. Seit sie zum Studienbeginn mit ihrem Freund Tim Weber hergezogen ist, mussten beide leidlich erfahren, was es bedeutet, an einer der am stärksten mit Verkehr und Schadstoffen belasteten Straßen Hannover zu leben.

Filter über den Fenstern zeigen an, dass Feinstaub hier nicht bloß Politikum ist, sondern ein tägliches, schwerwiegendes Problem. „Wenn wir die Fenster öffnen, liegt überall Staub und es ist total laut“, sagt Weber. Eine Teilsperrung der Marienstraße, wie jetzt von den Grünen vorgeschlagen, wäre aus Sicht der beiden ein Glücksfall. Überhaupt halten viele direkte Anwohner und Geschäftsleute zeitweise Teilsperrungen bei zu hohen Schadstoffwerten für eine längst überfällige Idee. Auch im Internet wird das Thema Marienstraße heiß diskutiert. Kein Wunder, denn auch Autofahrer strapaziert die ständig verstopfte Strecke.

Viel Kritik an Grünen-Vorstoß

Jens Müßigbrodt macht auf Facebook seinem Frust über den Stop-and-go-Verkehr Luft. Zur Schadstoffbelastung schreibt er: „Da man an jeder Ampel anhalten muss und dann wieder anfahren, also gefühlt alle 50 Meter, ist das auch kein Wunder.“ Aus Sicht direkter Nachbarn hat die Marienstraße gleich mehrere Probleme. Neben dem Feinstaub belasten der Verkehrslärm und die häufigen Staus die Aufenthaltsqualität. „Schlafen geht hier nur bei geschlossenen Fenstern“, berichtet ein Anlieger entnervt. Dabei wohnt der junge Mann bereits im obersten Stock. Zum Einzug habe der Vermieter ihm geraten, es mit dem Fensterputzer erst gar nicht zu versuchen. Schneller als er putzen könne, liege eine neue Schicht Staub auf dem Glas.

Etwas anders schätzen Gastronomen und Händler die Situation ein. „Nicht wenige Gäste haben auch Spaß daran, die vielen Autos zu beobachten“, sagt „Glüxkind“- Bistrochef Serhun Baz. Selbst erwische er sich manchmal dabei, wie verdutzt er sei, wenn drei Minuten lang kein Auto zu hören ist. „Da erschreckt man sich fast“, sagt er. Sein Nachbar Michael Neubauer vom Café Lucas ist vorsichtig, was die abschließende Bewertung der Sperrungs-Vorstöße angeht. „Natürlich ist belebt gut“, sagt Neubauer. Aus seiner Sicht sei es allerdings deutlich zu früh, voreilige Schlüsse zu ziehen. „Abwarten“, empfiehlt er unaufgeregt. Er wolle zunächst wissen, welche Optionen bei einer Sperrung greifen könnten. Manche Autofahrer beklagen, dass in Hannover keine optimale West-Süd-Verbindung bestehe. „Man könnte über den West- und Südschnellweg fahren, muss dann aber über die teils gesperrte Brücke an der Hildesheimer Straße“, benennt etwa Wiebke Siemann die Schwierigkeit. Der Marienstraße auszuweichen sei häufig mühsam.

Einige würden gerne umziehen

Katharina Pieper und Tim Weber denken inzwischen häufiger darüber nach, wie es sich anderswo gesünder leben ließe. „Wenn man die Wohnung bloß nehmen und in einen anderen Stadtteil setzen könnte“, überlegt Weber - Wahl-Südstädter hin oder her.

Städte stehen unter Druck

Stuttgart ist wegen seiner Kessellage die Großstadt mit der höchsten Schadstoffbelastung. Dort gibt es, wenn die Werte für Feinstaub und Stickoxid besonders hoch liegen, sogenannte Alarmtage. Sie sind bisher nicht mit Zwangsmaßnahmen verbunden, aber das dürfte sich in absehbarer Zeit ändern. Genauso wie in Düsseldorf haben Richter in Stuttgart geurteilt, dass die Luftqualität besser werden muss. Die gesetzte Frist dafür läuft zum Jahresende aus.

Laut einem Gutachten wurden 2016 im Stuttgarter Stadtgebiet an 70 Straßenkilometern die Grenzwerte für Stickoxid gerissen. Bei einem Durchfahrtsverbot für Dieselfahrzeuge würde die belastete Streckenlänge auf knapp sieben Kilometer zusammenschmelzen, haben die Gutachter ermittelt. Mit Blauer Plakette wäre die Wirkung etwas geringer.

Weil sich die Lage in Stuttgart auch in diesem Winter nicht gebessert hat, will die rot-grüne Landesregierung die Blaue Plakette mit Beginn kommenden Jahres nutzen. Problem ist, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt das ablehnt. Plan B sieht die ungeliebten Durchfahrtsverbote vor. In Düsseldorf haben die Richter zeitweilige Fahrverbote für Dieselautos sogar ausdrücklich ins Spiel gebracht.

Von Mario Moers und Bernd Haase

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