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Stadtgestaltung

Andrang bei Ausstellung zu City 2020

Von Conrad von Meding

Bei der ersten öffentlichen Präsentation der Architektenentwürfe im Stadtentwicklungswettbewerb City 2020 staunten die Besucher nicht schlecht. Oberbürgermeister Stephan Weil bescheinigte den 28 Entwürfen „Kreativität und Phantasie“.
Dieser Vorschlag aus Barcelona für die Leineinsel am Rande der Altstadt hat viele Hannoveraner erfreut. Doch die Jury hat ihn aussortiert.

Dieser Vorschlag aus Barcelona für die Leineinsel am Rande der Altstadt hat viele Hannoveraner erfreut. Doch die Jury hat ihn aussortiert.

© BB+GG und Breimann & Bruun

„Das Staunen geht weiter“, lobte Oberbürgermeister Stephan Weil gestern bei der ersten öffentlichen Präsentation der Architektenentwürfe im Stadtentwicklungswettbewerb City 2020. „Kreativität und Phantasie“ bescheinigte er den 28 internationalen Planerteams, die Vorschläge zur Weiterentwicklung der Innenstadt erarbeitet haben. Weil dankte der Jury, die 15 Planerteams für die weitere Bearbeitung in die nächste Wettbewerbsstufe ausgewählt haben. Die aufkeimende Debatte darum, dass Extravaganzen wie etwa das Wiederfreilegen der Leineinsel am Altstadtrand ausgemustert wurden, bezeichnete der Oberbürgermeister als wohltuend: „Ich wünsche mir Diskussion und gerne auch öffentliche Kontroversen über den Vorgang.“ Städtebau ohne inhaltlichen Diskurs sei nicht fruchtbar.

Gut 100 Besucher waren zur Eröffnung gekommen, darunter Mitglieder der Planerteams, aber auch Vertreter etwa der Immobilienbranche und Innenstadtakteure, aber auch einfach nur interessierte Bürger. In der Wohnungswirtschaft stoßen die Pläne auf starkes Interesse – kein Wunder, empfehlen doch alle ausgezeichneten Entwürfe mindestens für Klagesmarkt, Köbelinger Markt und Marstall zusätzliche Wohnimmobilien. „Angenehm überrascht von der Vielfalt“ zeigte sich etwa Dieter Cordes, Geschäftsführer des kommunalen Wohnungsunternehmens GBH. Man sei „gespannt, wie die Entwürfe weiterentwickelt werden, und sehr interessiert“ an den Umsetzungsmöglichkeiten. Auch Matthias Herter, Chef des Wohnungsunternehmens Meravis, war „begeistert, dass die Stadt sich so mit sich auseinandersetzt“. Seine Hoffnung: „Die Reurbanisierung bekommt Angebote in der Stadt.“ Die Grundstücke müssten allerdings bezahlbar bleiben.

Altstadtgastronom Rainer Aulich hingegen war „etwas enttäuscht“, dass mit den Entwürfen für die Leineinsel „gerade die spannenden Konzepte ausgeschieden sind“. Aulich ist sich sicher: „Wir brauchen Attraktionen in Hannover – mit Durchschnitt entwickelt die Stadt keine Magnetfunktion.“

Die Ausstellung der 28 Arbeiten ist noch bis zum 26. März im Bürgersaal des Neuen Rathauses am Trammplatz werktags von 9 bis 18 Uhr und sonnabends von 10 bis 18 Uhr kostenlos zu sehen.

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  • Hannover Aranski – 12.03.10
    Hannover ist keine Großstadt und wird auch keine mehr werden, eher wandern die Leute ab. Daher finde ich ein gewisses Gartenzwergniveau auch das richtige Vorgehen für die Planung. Vielleicht kann man den Besuchern aus den aufstrebenden Gegenden der Welt Hannover ja wenigstens noch als barockes, klinisches und bescheidenes Museumsdorf verkaufen.
  • Ausstellung? KK – 11.03.10
    wozu eine Ausstellung für die Öffentlichkeit, wenn Teilnehmer und Inhalt für das weitere Wettbewerbs-Verfahren vorher bereits feststehen?

    Feder-Gespreize des OB's? oder
    gar Demokratie-Verständnis?
  • Leineinsel CC – 10.03.10
    Ich finde eigentlich die Zurückhaltung meiner Heimatstadt ganz gut, aber die Leineinsel wäre notwendig für unser Stadtbild geworden. Hier am historischen Ursprungsort hätte man den Raum beleben müssen. Er hat auch weitaus mehr Potential als der Maschsee.

    Hannover hätte soviel gewinnen können - man schaue nur auf vergleichbare Inseln in Straßbourg, Bamberg etc.
  • @ Arnulf Neumann philomusus – 10.03.10
    Die - wie Sie es nennen - 'Eliminierung' passt aber natürlich gut zur der auch sonst verfolgten Linie, die etwa die Einschränkung der Aktionsflächen in der Innenstadt oder das Vorgehen gegen ach so schädliche 'fliegende Händler' einschließt.

    Ganz offensichtlich möchte man eben eine klinisch saubere und geordnete (Innen-) Stadt - und verzichtet lieber auf großstädtisches Flair, das ja immer auch aus einer gewissen Quirligkeit und der Freiheit zur lebendigen Aneignung des öffentlichen Stadtraums entsteht...
  • Verraten.. und schon verkauft?... Arnulf Neumann – 10.03.10
    Die Ausstellung zeigt Phantasie, ganz zweifellos!

    bei den vorgestellten Ergebnissen für das Leine-Ufer gibt es allerdings zwei völlig unterschiedliche und deshalb miteinander unvereinbare Grundrichtungen. Nach wie vor ist dabei bis heute nicht geklärt, in welche Richtung der weitere Ausschreibungstext für das Leineufer nun endgültig lauten soll. Im derzeitigen Angebot befinden sich:

    1) den ‚noch’ intakten öffentlichen Stadt- und Landschaftsraum ‚Leineufer’ zur hellen Freude der bereit stehenden Investoren zur gezielten Bauland-Gewinnung und zum Zwecke der Vermarktung an Investoren des Baugewerbes zu missbrauchen, sowie:

    2) eine mehr oder weniger unbebaute Variante (aus Barcelona) mit erheblicher Ausweitung des Wasseranteils der Leine. (sog. Ausweitung der Leineinsel), welche verständlicherweise Begeisterung in der Bevölkerung ausgelöst hat.

    Beiden Grundauffassungen ist gemeinsam, dass auf den ‚Flohmarkt Hannover’ ein am Leineufer angesiedeltes städtebauliches Ensemble von ganz besonderem Reiz, um welches uns heute viele andere Kommungen offen beneiden, ganz offensichtlich verzichtet werden soll.

    Frage: Sollt e es sich dabei ‚nur’ um einen schweren handwerklichen Fehler beim Ausschreiben des internationalen Wettbewerbes handeln? Oder doch eher, was ich befürchte, um gezieltes Vorgehen vonseiten der Verantwortlichen mit Hilfe des Auslobungstextes?
    (das wäre ein Skandal!)

    Man darf gespannt sein, welchen Weg Hannover für die Zukunft am Leineufer nun weiter einschlagen wird. Den Flohmarkt dabei zu e l i m i n i e r e n halte ich für
    d i e folgenschwerste Dummheit, die mir bei den Bemühungen zur weiteren Entwicklung der Landeshauptstadt bisher untergekommen ist(!)


  • Gut Hannover Bürger – 09.03.10
    Guten Tag Herr von Medig,
    vielen Dank für Ihre sachliche Berichterstattung. Es ist klar, wir Bürger wollen europäischen Städtebau. Im Weltmaßstab wird das vielleicht mit Beschaulichkeit abgetan. Stichwort: Hochhausprojekte weltweit. „Die europäische Stadt und ihre Überschaubarkeit ist in den Köpfen fest verankert“, sagt Bernd Hallenberg, Leiter Forschung und Consulting beim Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung VHW. In der 2007 verabschiedeten Leipzig Charta haben sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union Werten wie Ökologie, kultureller Vielfalt und sozialer Balance verpflichtet.“ Zitat FAZ. Aber was ist mit der Kunst für Anspruchvolle? Da wird es interessant. Und da setze ich persönlich an, in guter europäischer und deutscher Tradition: Die Kunst, voraus zu sein“, die neue Audi A8 Werbung drückt das vorzüglich aus, was uns in Hannover und Deutschland fehlt. Inspiration, Perfektion und Mut. Gestaltung und Städtebau, ist eine inhaltliche Diskusssion, da gebe ich Herrn Weil Recht.
  • Absolut recht DA – 09.03.10
    Da kann ich Herrn Aulich nur absolut zustimmen.
    Mit Durchschnitt lässt sich nichts gewinnen und die Leineinsel wäre die städtebauliche Chance und Attraktion geworden...

    Ich hoffe wirklich, dass die Stadt diesbezüglich noch irgendwann mal wieder umdenkt und aus ihrem Dornröschenschlaf kommt.
    Hinsichtlich der Verkehrsführung bräuchte auch kein Tunnel gebaut werden, sondern nud die Straße verlegt. Das wäre absolut machbar..

    Stattdessen wird mal wieder die Mittelklasse ausgewählt...
    Erschreckend...

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