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Aus der Stadt Angeklagte Krebsärztin Bach hat sich umgebracht
Hannover Aus der Stadt Angeklagte Krebsärztin Bach hat sich umgebracht
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21:59 24.01.2011
Die angeklagte Krebsärztin Mechthild Bach hat sich umgebracht. Quelle: dpa
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Ein Freund, der einen Schlüssel zu ihrem Haus in Bad Salzdetfurth (Kreis Hildesheim) besitzt, fand die 61-Jährige am Montag gegen 15 Uhr tot in ihrem Bett liegend. Nähere Details will die Staatsanwaltschaft Hildesheim erst am Dienstag bekannt geben.

Der Belegärztin Bach wurde vorgeworfen, in der Paracelsusklinik in Langenhagen zwischen 2002 und 2003 insgesamt 13 Krebspatienten durch zu hohe Gaben an Morphium und Valium getötet zu haben. Die Internistin hat die Vorwürfe stets bestritten. Die Behandlung habe ausschließlich der Schmerzlinderung gedient, beteuerte sie. Im ersten Prozessanlauf im Jahr 2008 hatten ehemalige Patienten und sogar Angehörige der mutmaßlichen Opfer einen Freispruch der bei ihnen beliebten Ärztin gefordert.

Möglicherweise hängt der Suizid mit einer Wende in dem seit Oktober 2009 andauernden zweiten Prozess zusammen: Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch ging in der vergangenen Woche in einer Zwischenbilanz davon aus, dass die Patienten in sechs der bis dahin verhandelten Fälle nicht eines natürlichen Todes gestorben waren. Rosenbusch hatte darüber hinaus erklärt, dass er in zwei Fällen auch eine Verurteilung Bachs wegen Mordes für möglich hält, da sie ihre Patienten heimtückisch getötet haben könnte. Anders als bei Totschlag hätte der Ärztin bei einer Verurteilung wegen Mordes eine lebenslange Haftstrafe gedroht. Wegen der Schwere des Mordvorwurfs musste die Internistin außerdem damit rechnen, wieder in Untersuchungshaft genommen zu werden.

Danach habe seine Mandantin keine Perspektive mehr für sich gesehen, erklärte ihr Anwalt Waldraff am Montag. Dafür spricht, dass sie nach dem Hinweis des Schwurgerichts aus der vergangenen Woche am Rande des Prozesses gesagt haben soll, sie gehe nicht mehr ins Gefängnis zurück. Bach hatte, nachdem im Jahr 2003 Ermittlungen der AOK Niedersachsen den Verdacht der vorsätzlichen Tötung ans Tageslicht gebracht hatten, 2004 schon drei Wochen lang in Untersuchungshaft gesessen.

Der Präsident des Landgerichts, Dieter Schneidewind, reagierte bestürzt auf den Tod der Angeklagten. „Es ist tragisch, dass sich Frau Bach in so einer aussichtslosen Situation gesehen hat“, sagte er dieser Zeitung. Das Landgericht verhandelte bereits seit 15 Monaten und hatte in einem der wohl größten Sterbehilfeprozesse Termine bis 2012 anberaumt. Zuletzt waren Beobachter davon ausgegangen, dass der Prozess stark abgekürzt werden könnte, indem das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft alle weiteren Anklagepunkte einstellt und sich nur noch auf zweifachen Mord konzentrieren würde. Die Entscheidung über einen Antrag war bis zum Suizid der Angeklagten noch nicht gefallen.

Sonja Fröhlich und Karl Doeleke

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