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Messer im Kopf: Somalier entgeht nur knapp dem Tod

Angriff in Flüchtlingsunterkunft Messer im Kopf: Somalier entgeht nur knapp dem Tod

Vor knapp vier Monaten wurde ein 21-jähriger Somalier in einem Misburger Flüchtlingsheim von einem Zimmergenossen angegriffen - sein Kontrahent rammte ihm ein Küchenmesser ins Gesicht. Erst in der MHH wurde die abgebrochene Klinge in seinem Kopf entdeckt.

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Im Gespräch: Abdirashid M. und sein Verteidiger Philipp Kaiser.

Quelle: (Foto: Katrin Kutter)

Hannover. Es klingt unglaublich: Ein Mann hat eine Messerklinge im Kopf - und niemand merkt es. Knapp vier Monate ist es her, dass ein 21-jähriger Somalier in einem Misburger Flüchtlingsheim mit seinem Zimmergenossen in Streit gerät. Sein Kontrahent, ein 31-jähriger Landsmann, greift zu einem Küchenmesser und sticht ihm ins Gesicht. Die Klinge dringt zwischen Augenbraue und Nasenbein in den Kopf ein - und bricht ab. Als die Rettungssanitäter kurze Zeit später eintreffen, scheint nichts Schlimmes passiert zu sein. Ebenso wie ein Polizist registrieren sie nur eine oberflächliche Schnittverletzung im Gesicht des Opfers, bleiben ganz gelassen. Auch der 21-Jährige zeigt keinerlei Ausfallerscheinungen, wird ohne großes Aufhebens in die MHH gefahren. Erst dort macht eine Röntgenaufnahme die acht Zentimeter lange Klinge sichtbar.

Seit Freitag muss sich der 31-jährige Abdirashid M., der das Zustechen eingeräumt hat, vor dem Schwurgericht wegen versuchten Totschlags verantworten. Wie sein Verteidiger Philipp Kaiser erklärte, lagen sich die Männer schon häufiger wegen der Sauberkeit in ihrer Unterkunft in den Haaren. In den frühen Morgenstunden des 25. Juli aber war es ein störendes Telefonat, das einen folgenreichen Konflikt auslöste.

Der seit Juli 2015 in Deutschland lebend Angeklagte behauptet, der Jüngere habe ihm sein Mobiltelefon aus der Hand geschlagen, ihm Fausthiebe versetzt und ihn mit dem Messer angegriffen. Er habe sich mit einer Bratpfanne gewehrt, das heruntergefallene Messer gegriffen und „in Todesangst“ ziellos zugestochen. Die Version des 21-Jährigen: Er habe nie ein Messer in Händen gehalten und wisse nichts von einem Pfannenschlag. Sein Kontrahent habe nach einem verbalen Scharmützel völlig überraschend zugestochen, ihm auch nachfolgend noch ins Gesicht geschlagen - mit dem Messerknauf? Ein Bewohner der Unterkunft in der Deurag-Nerag-Straße, wo zum Tatzeitpunkt rund 100 Flüchtlinge untergebracht waren, verständigte einen Security-Mitarbeiter, dieser rief die Polizei.

Offenbar waren weder Täter noch Opfer willens oder in der Lage, Polizisten und Sanitäter über die Messerattacke in Kenntnis zu setzen. Dies könnte auch damit zu tun haben, dass beide kaum Deutsch sprechen. Immerhin hatte die Klinge die Nasenscheide- und die Augenhöhlenwand des Opfers durchbohrt und war im Rachenraum des 21-Jährigen steckengeblieben. „Der Stich war potenziell lebensbedrohlich“, erklärte MHH-Rechtsmediziner Thomas Rothämel am Freitag. Nur knapp habe das schräg von oben geführte Küchenmesser den Augapfel verfehlt, und bei einem etwas anderen Winkel hätte das Metall auch leicht ins Schädelinnere eindringen können. Die im Kopf verschwundene Klinge operierten die Ärzte wieder heraus - doch der Griff ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Der junge Somalier berichtete der Kammer unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch von Nachwirkungen wie Schmerzen am Auge, einer geringfügigen Beeinträchtigung seiner Sehfähigkeit und Albträumen. Ihm ist aber klar, dass er Riesenglück hatte, lebend davongekommen zu sein. Das Urteil im Prozess gegen Abdirashid M. wird nächsten Mittwoch erwartet.

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