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Hoffen auf die Fachkräfte von übermorgen

Anhörung über Flüchtlinge im Rathaus Hoffen auf die Fachkräfte von übermorgen

Zu wenig Deutschkurse, lange Verfahren, hemmende Regeln. In einer Anhörung diskutierten Ratspolitiker der Stadt am Freitag über Flüchtlinge und Ausbildung. 

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Rege Diskussion im Rathaus.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Der knappe Satz von Christoph Tietje fasste prägnant zusammen, was Fachleute im Rathaus zwei Stunden lang erörtert hatten. „Flüchtlinge sind nicht die Fachkräfte von morgen, sie sind die Fachkräfte von übermorgen.“ Tietje gehört zur Geschäftsführung der Arbeitsagentur, die sich derzeit in der Region Hannover um 2000 Asylbewerber kümmert. Mit der Frage, auf welchem Weg sie zu Ausbildungsplätzen kommen können, beschäftigten sich am Freitag Ratspolitiker in einer Anhörung. Über die Daten herrschte Einigkeit. 70 Prozent aller Flüchtlinge sind bis 30 Jahre alt. Mehr als 90 Prozent können kein Deutsch. Handwerksbetriebe rechnen damit, dass es vom Asylantrag bis zum Abschluss einer Ausbildung sechs Jahre dauern kann. Und das Job-Center registriert jede Woche 60 neue Flüchtlinge.

Für den DGB sagte Reiner Eifler, Integration gelinge nur über Sprache und Arbeit: „Bildung und Sprachkurse für alle, „von Anfang an, das ist das A und O.“ Es müsse schneller als bisher festgestellt werden, welche Fähigkeiten Flüchtlinge hätten. Er sprach sich für eine Förderkette aus, die „bruchlos“ ineinandergreift, von der Erfassung bis zur Ausbildung“.

Arne Hirschner berichtete, dass derzeit nur 3 Prozent aller Ausbildungsbetriebe innerhalb der Industrie- und Handelskammer (IHK) tatsächlich Flüchtlinge ausbilden. Eine Schwierigkeit sei es, ihnen Berufsbilder zu vermitteln. „Wir kennen 350 Berufe, die meisten Flüchtlinge nur zehn.“ Hirschner kritisierte zu lange Asylverfahren und wünschte sich gleichzeitig, dass Flüchtlinge mit einem Ausbildungsplatz dieselbe staatliche Förderung in Anspruch nehmen können wie einheimische Lehrlinge. Das ist derzeit nicht so, weil Flüchtlinge nach Aufenthaltsstatus beurteilt werden. Ein Problem seien auch mangelnde Deutschkenntnisse.

Der Grund ist, dass es weiterhin an Sprachkursen fehlt. Dietmar Langer aus der Geschäftsführung des Job-Centers sagte: „Wir werden unser Geld nicht los, das haben wir noch nie erlebt.“ Als die Behörde per Ausschreibung 1300 Plätze suchte, kamen nur Angebote für 300 Flüchtlinge zurück. Für die sei es zudem ein Problem, dass nur 320 Stunden berufsbezogener Unterricht gefördert werde. „Viel zu wenig“, sagte Langer.

Ein systematischer Austausch aller, die mit Integration zu tun haben, ist nach Ansicht von Sigmar Wallbrecht vom Flüchtlingsrat Niedersachsen notwendig, „ein Migrationszentrum“ etwa. Wallbrecht wünscht sich eine individuell angepasste Förderung für jeden Flüchtling, unabhängig vom Herkunftsland. „Man muss Geduld haben. Es ist ein langer Weg, der von Rückschlägen gekennzeichnet ist.“

Volker Schmolz leitet für die Handwerkskammer Hannover das Bildungszentrum in Garbsen. 50 Flüchtlinge sollen hier für Ausbildungsplätze qualifiziert werden. Von Meistern in vielen Betrieben höre er oft: „Wenn doch meine Leute nur so motiviert wären!“ Das ist auch die Erfahrung von Anke Jarehad aus der „Werkstatt-Schule“. Sie sagte am Freitag, dass Flüchtlinge eine „überwiegend hohe Motivation haben, schnell in eine bezahlte Tätigkeit zu gelangen“. Christoph Tietje von der Arbeitsagentur bestätigt das Interesse von Flüchtlingen, selbstständig Geld zu verdienen. 350 Menschen hatte die Agentur einmal zu einer Praktikumsbörse eingeladen, 480 Flüchtlinge kamen. „Die Arbeitgeber waren sehr zufrieden.“

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