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Annastift verzichtet auf die „Wunderschraube“

Hannover Annastift verzichtet auf die „Wunderschraube“

Die Schlammschlacht zwischen den Finanzinvestoren Carsten Maschmeyer und Utz Claassen um die Medizintechnikfirma Syntellix wirkt sich jetzt auch auf die Geschäfte des Unternehmens aus. Die renommierte Orthopädieklinik Annastift in Hannover verzichtet ab sofort auf die Verwendung des Syntellix-Produkts Magnezix.

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Hannover. Bei dem Produkt Magnezix handelt es sich um eine Schraube, die in Knochen zur Stabilisierung eingesetzt werden kann und sich selbst wieder auflöst. Der kleine Stift wird bei Experten als „Wunderschraube“ gefeiert.

„An dem Produkt ist nichts auszusetzen“, sagt der ärztliche Direktor des Annastifts, Prof. Henning Windhagen, der HAZ. Ganz im Gegenteil, meint er. Die Schraube sei sogar mit Beteiligung des Annastifts entwickelt worden. Im Annastift, das zum evangelischen Krankenhausunternehmen Diakovere gehört, sei die Schraube inzwischen rund 50-mal bei Patienten eingesetzt worden - beim sogenannten schmerzhaften Schiefstand des großen Zehs. „Es funktioniert einwandfrei“, berichtet Windhagen.

Trotz der positiven Erfahrungen schaue das Annastift aber auch in diesem Fall ganz genau hin, mit welchen Firmen man zusammenarbeite. „Der Patient will Sicherheit und Vertrauen haben“, betont Diakovere-Sprecher Achim Balkhoff. „Wir wollen uns als Diakovere kein Urteil über die Firma erlauben“, so Balkhoff. „Es ist allerdings so, dass man eine besondere Verantwortung gegenüber dem Patienten hat, wenn man in ein Medizinunternehmen investiert oder mit ihm kooperiert“, erläutert der Sprecher die Haltung des Annastifts.

Utz Claassen ist Gründer und größter Aktionär der Firma Syntellix, die den Markt für Knochenimplantate mit den neuartigen Schrauben aufrollen will. Der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer ist mit knapp 7 Millionen Euro an Syntellix beteiligt. Maschmeyer hatte Claassen wegen Verdachts der Untreue angezeigt. Es geht dabei um einen Sponsorenvertrag, über den Gelder von Syntellix an den spanischen Zweitligaclub Real Mallorca flossen, dessen Präsident und Miteigentümer Claassen war. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat es inzwischen abgelehnt, in dieser Sache zu ermitteln. Derartige Werbeverträge seien üblich, hieß es zu Begründung. Nachdem Medien über die Vorwürfe Maschmeyers berichtet hatten, ging Claassen zum Gegenangriff über. Seine Ehefrau Annette Claassen, die im Syntellix-Aufsichtsrat sitzt, zeigte Maschmeyer wegen Verleumdung an. Hintergrund der öffentlich inszenierten Schlammschlacht ist womöglich ein Machtkampf bei Syntellix. Maschmeyer soll im Zuge einer geplanten Kapitalerhöhung versucht haben, die Mehrheit an dem Unternehmen zu übernehmen. Er verfolge den Plan, Syntellix an einen Wettbewerber zu veräußern, heißt es im Claassen-Lager. Die Streitigkeiten führten dazu, dass eine Aktionärsversammlung in der vergangenen Woche kurzfristig abgesagt wurde.

Zur Entscheidung des Annastifts, künftig auf Syntellix-Schrauben zu verzichten, heißt es bei der Syntellix AG nur, davon sei dem Unternehmen nichts bekannt. In einer schriftlichen Stellungnahme des Vorstands wird außerdem darauf hingewiesen, dass Prof. Windhagen im Juni dieses Jahres aus dem Aufsichtsrat von Syntellix abberufen wurde. Bei dieser Gelegenheit habe er dem Vorstand mitgeteilt, dass damit auch die Zusammenarbeit zwischen Syntellix und dem Annstift beendet sei. „Nach Einschätzung des Vorstands der Syntellix AG reflektiert diese Einstellung eine fragwürdige Vermengung persönlicher Aspekte der Abberufung aus dem Aufsichtsrat mit institutionellen Aspekten der seit Jahren außerordentlich erfolgreichen Zusammenarbeit“, schreibt der Vorstand.

Nach eigenen Angaben hat Syntellix 237 Kliniken und orthopädischen Zentren in 20 Ländern als Kunden. Insgesamt seien bisher 23 000 Schrauben verkauft worden. Es sei kein Fall bekannt, in dem eine Klinik wegen des Investorenstreits auf die Schrauben verzichtet habe, betont der Vorstand.

Von  Matthias Klein

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