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Aus der Stadt 1700 Menschen ziehen durch die Innenstadt
Hannover Aus der Stadt 1700 Menschen ziehen durch die Innenstadt
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08:45 14.09.2015
Rund 1700 Menschen zogen am Nachmittag durch die City. Quelle: Uwe Dillenberg
Hannover

Hunderte Menschen haben sich am Sonntag in der Innenstadt von Hannover zu einer Solidaritätskundgebung für den am Sonnabend nach einer Anti-PKK-Demo lebensgefährlich verletzten Kurden eingefunden. Die Kurden und linken Aktivisten zogen vom Steintor über Celler Straße, Hamburger Allee, Lister Meile, Kurt-Schumacher-Straße zur Goseriede. Am Steintor gab es dann eine Schlusskundgebung. Begleitet wurde die Veranstaltung von mehreren Hundertschaften der Polizei, auch eine Reiter- und Motorradstaffel sowie schwere Großraumfahrzeuge waren im Einsatz. Die Demo verlief bis zum offiziellen Ende gegen 15.30 Uhr jedoch friedlich.

Am späten Mittag hatten sich Polizeiangaben rund 1700 Menschen dem Demonstrationszug angeschlossen. Viele Teilnehmer schwenkten kurdische Flaggen, darunter die der Volksverteidigungseinheiten YPG, der Jesiden sowie Flaggen mit dem Bild des inhaftierten Kurdenführers Abdullah Öcalan. Auf zahlreichen Plakaten waren Forderungen wie "Stop Isis" oder "Den rechten Aufmarsch stoppen" zu lesen. Redner riefen zu einem friedlichen Demoverlauf auf. Auf einem vor Ort verteilten Flugblatt forderten kurdische Aktivisten die internationale Gemeinschaft auf, sich für einen Stopp der Angriffe der türkischen Armee auf kurdische Zivilisten einzusetzen.

Einen Tag nach den Ausschreitungen bei der Anti-PKK-Demo in Hannover ist die Polizei mit einem Großaufgebot in der Innenstadt präsent. Am Mittag startete eine Solidaritätskundgebung für den 26-jährigen Kurden, der am Sonnabend lebensgefährlich verletzt worden war.

Obwohl die Polizei im Vorfeld von einem friedlichen Verlauf der Veranstaltung ausging, war sie mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. Allein auf dem Steintorplatz befanden sich mindestens ein Dutzend Großraumfahrzeuge, ebenfalls sicherten Polizisten die Reitwallstraße weiträumig ab.

Hier war es am Sonnabend im Anschluss an eine Anti-PKK-Demo zu Ausschreitungen zwischen Türken und Kurden gekommen. Dabei wurde nach Polizeiangaben ein 26 Jahre alter Kurde lebensgefährlich verletzt. Er erlitt eine Stichwunde am Hals und musste notoperiert werden. Am Abend teilte die Polizei dann mit, dass sich der Gesundheitszustand des Mannes stabilisiert habe. Mittlerweile hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt. Der 50-Jährige stellte sich in der Nacht zu Sonntag der Polizei.

Hintergrund der Ausschreitungen waren die vor allem im Süden der Türkei anhaltenden Kämpfe zwischen der türkischen Armee und kurdischen Kämpfern. Nachdem die Anti-PKK-Demo friedlich verlaufen war und sich aufgelöst hatte, gingen PKK-Anhänger und Teilnehmer der Demo, unter denen sich auch Sympathisanten der rechtsextremen türkischen Partei "Graue Wölfe" befanden, aufeinander los.

Mehrere Hundert Menschen demonstrieren in der Innenstadt von Hannover gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. 

Für den Entdeckertag in der Region Hannover gab es nach offiziellen Angaben keine Einschränkungen.

1600 PKK-Anhänger in Niedersachsen

Werden in Deutschland politische Auseinandersetzungen zwischen Ausländern mit Gewalt ausgetragen und gefährden dadurch die Sicherheit des Bundes oder eines Landes, spricht der Verfassungsschutz von „Extremismus mit Auslandsbezug“. Nach Erkenntnissen der Behörde gab es 2014 etwa 2500 Mitglieder und Anhänger potenziell extremistischer ausländischer Organisationen in Niedersachsen. Davon gehören nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer etwa 600 Personen rechtsextremistischen Gruppen an. Ein Sammelbecken ist demnach die Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland. Ihre Mitglieder werden auch als „Graue Wölfe“ bezeichnet und orientieren sich politisch an der türkischen Partei der nationalistischen Bewegung, MHP.

Diesem Lager stehen etwa 1900 Mitglieder linksextremer Gruppierungen gegenüber, von denen der Großteil – etwa 1600 – der Kurdischen Arbeiterpartei PKK nahesteht. Sie wurde 1978 von Abdullah Öcalan gegründet, der seit 1999 wegen Hochverrats in der Türkei im Gefängnis sitzt. Die PKK verfolgt in erster Linie das Ziel, ein politisch und kulturell autonomes Kurdengebiet in den jeweiligen Siedlungsgebieten des Volkes in der Türkei, Syrien, Armenien, dem Iran und dem Irak einzurichten.

Von Jörn Kießler, Frerk Schenker und Friedrich Gronau

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