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Aus der Stadt Anton will in die Schule
Hannover Aus der Stadt Anton will in die Schule
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08:58 12.08.2011
Anton ist auf den Rollstuhl angewiesen - in seiner neuen Grundschule gibt es aber noch keinen Fahrstuhl. Quelle: Hagemann
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Hannover

Antons Einschulung steht eigentlich erst nächstes Jahr an. Dennoch freut sich der aufgeweckte Fünfjährige schon jetzt, dann mit seinen Freunden in der Grundschule direkt gegenüber zu lernen. Die Sache hat allerdings einen Haken: Anton leidet an Spina bifida, einem „offenen Rücken“, und ist auf den Rollstuhl angewiesen – in der Grundschule Am Lindener Markt gibt es aber keinen Aufzug. Schon vor dem Eingang müssen elf Stufen erklommen werden, um ins Erdgeschoss zu gelangen. Ein zu großes Hindernis für Anton.

„Für Anton ist es klar, dass er hier zur Schule kommt, wo auch alle seine Freunde hingehen werden“, sagt sein Vater Stefan Jürgens. Die Lehrer wollen den Jungen auch gerne aufnehmen – das Kollegium arbeitet seit rund 20 Jahren mit behinderten Kindern, geistig oder lernbeeinträchtigte Schüler werden mit anderen gemeinsam unterrichtet. Nach der Anmeldung im April haben die Eltern deshalb bei der Stadt Antons Integration an der Grundschule beantragt. Die Antwort fiel mager aus: „Da das Gebäude vor wenigen Jahren saniert wurde, ist nicht davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit die Barrierefreiheit hergestellt werden kann.“ Stattdessen schlägt die Verwaltung vor, Anton mit einem Fahrdienst an eine andere Grundschule zu bringen – nach Badenstedt, Davenstedt oder Limmer. Anton, der geschickt mit seinem Kinderrollstuhl manövrieren kann, könnte dorthin nicht allein gelangen. Den Weg zur Schule in der Nachbarschaft würde der Fünfjährige dagegen bald mit seinen Freunden meistern können.

„Wir wollen auch nicht, dass Anton an eine Schule kommt, an der die Lehrer gar keine Erfahrung mit der Integration Behinderter haben“, sagt seine Mutter Alexandra Struck. Es sei außerdem gut für sein Selbstbewusstsein, wenn er wie jetzt in seinem Kindergarten nicht der einzige Behinderte sei und sehe, dass auch andere Kinder Probleme haben.

Die Eltern der Grundschule Am Lindener Markt setzen sich bereits für Anton ein – auch weil sie nicht verstehen, warum die Stadt bei der Sanierung der integrativ arbeitenden Schule 2008 auf den Aufzug verzichtete. „Es gibt einen Beschluss, nach dem Schulen bei einer Sanierung zumindest im Erdgeschoss zugänglich gemacht werden“, sagt Schulleiterin Anne Wolters. Auch für behinderte Eltern seien das Sekretariat im ersten und die Aula im zweiten Stock nicht zu erreichen. Die Stadt schätzt, dass ein Aufzug rund 280 000 Euro, eine Rampe nur fürs Erdgeschoss 55.000 Euro kosten würden. Der Förderverein der Schule startet nun eine Unterschriftenaktion. „Fahrdienste für jedes einzelne Kind kosten doch auch Geld“, sagt Ralf Popp vom Förderverein.

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