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Trinkerszene besetzt den Weißekreuzplatz

Anwohnerbeschwerden Trinkerszene besetzt den Weißekreuzplatz

Lärm, Gestank, Glasscherben und zu viel Aggressivität: Auf den Weißekreuzplatz in der Oststadt ist die Trinkerszene zurückgekehrt. Rund 50 bis 60 Personen umfasst die Gruppe, schätzt die Stadtverwaltung. Anwohner beobachten bis zu 40 Trinker, die sich auf dem Platz versammeln und für Sozialarbeiter nicht zugänglich sind.

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Die Anwohner des Weißekreuzplatzes sind von Trinkergruppen genervt.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover.  „Das Gebrüll ist kaum zu ertragen. Unsere Kinder mögen dort nicht mehr vorbeigehen“, sagte Anwohner Holger Jongen in der Sitzung des Bezirksrats Mitte am Montagabend. Mehrere Nachbarn seien bereits ausgezogen. „Es wird immer schlimmer“, meint Anwohnerin Ursula Hedermann. Mit gutem Zureden und der Bitte um eine geringere Lautstärke komme man nicht weiter, sagt Jongen, ein ausgebildeter Sozialarbeiter. Die Trinker reagierten äußerst aggressiv.

Nicht erst seit der Räumung des Protestcamps vor einigen Monaten werde der Platz wieder von Zechern okkupiert, betonen die Anwohner. Aber es seien jetzt deutlich mehr. Die Anwohner schlagen vor, auf dem Areal einen Spielplatz anzulegen. Dadurch könne ein Alkoholverbot durchgesetzt werden und Familien gewännen einen Teil des öffentlichen Raumes zurück. Das aber lehnt die Stadtverwaltung ab.

„Der Platz sollte allen Nutzern zur Verfügung stehen, ein Spielplatz würde eine Gruppe verdrängen“, sagt Stadtbezirksmanagerin Claudia Göttler in der Bezirksratssitzung. Auch die Trinker gehörten zum Leben einer Großstadt. Dennoch räumt Göttler ein, dass es Probleme gebe auf dem Weißekreuzplatz, ebenso auf dem benachbarten Raschplatz. „Überall in Hannover wird gebaut, etwa auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB), sodass die Trinkergruppen vertrieben werden und sich an anderen Orten sammeln“, sagt Göttler.

„Die Trinkergruppe verschließt sich der Sozialarbeit“

Die City-Händler wollen das nicht so stehenlassen. „Wir erleben eine erhebliche Zunahme von Trinkergruppen, nicht bloß eine andere Verteilung“, sagt der Geschäftsführer der City-Gemeinschaft, Martin Prenzler. Niemand unter den Kaufleuten wolle Menschen aus der Innenstadt vertreiben, aber die Trinkerszene sei kaum zugänglich. „Wir suchen das Gespräch, erleben aber immer mehr Respektlosigkeiten“, sagt Prenzler. Der Zustand sei nicht mehr haltbar.

Den Eindruck bestätigen die Anwohner des Weißekreuzplatzes. „Die Trinkergruppe verschließt sich der Sozialarbeit“, sagt Sozialarbeiter Jongen. Das liege nicht nur an sprachlichen Barrieren. Ein Teil der Zecher stamme vermutlich aus Osteuropa, andere redeten Deutsch miteinander. „Was sich die Polizei oft anhören muss, geht nicht in Ordnung“, sagt Jongen. Die Polizeiinspektion Ost betont, dass sie ihr Möglichstes tue, um für Ruhe auf dem Platz zu sorgen. „Wir sprechen auch Platzverweise aus, aber nach ein bis zwei Stunden sind die Leute wieder da“, sagt ein Vertreter der Inspektion.

In der Politik reichen die Reaktionen von Ratlosigkeit bis zum Ruf nach hartem Durchgreifen. „Osteuropäer hören nur auf einen starken Staat“, sagt CDU-Bezirksratsfrau Joanna Konopinska. Sie plädiert für ein Alkoholverbot auf dem Platz. Das aber lehnt die Stadt ab, weil es gerichtlich anfechtbar ist. Die Grünen wollen sich noch nicht von der Idee eines Spielplatzes verabschieden. „Zudem brauchen wir Anlaufstellen für Trinker, möglicherweise einen eigenen Trinkertreff“, sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister Norbert Gast (Grüne).

Das Konzept mit Musikkonzerten die Trinkerszene am benachbarten Raschplatz einzudämmen, scheint derweil noch nicht richtig aufzugehen.

Kommentar von Felix Harbart

Wer verdrängt wen?

Wiederholt hat Stadtbezirksmanagerin Claudia Göttler auf die Probleme mit Trinkern am Rasch- und nun auch am Weißekreuzplatz hingewiesen. Gleichzeitig liefert sie nun einen der Gründe, warum die Stadt der Sache nicht Herr wird: Der Weißekreuzplatz sei für alle da, sagt sie – ein Spielplatz etwa würde eine Gruppe verdrängen. Genau darum aber geht es leider in der Diskussion um Trinkergruppen in der Stadt: eine Gruppe zu verdrängen. Jene nämlich, die dafür sorgt, dass andere Menschen manche Plätze nicht mehr betreten mögen. So ehrlich muss man mit der Sache sein.

Die Stadt hat versucht, das Problem am Raschplatz mit einer kreativen Idee zu lösen: mit Musik. Das, muss man nach wenigen Wochen konstatieren, ist schiefgegangen. Alles läuft darauf hinaus, dass nicht Kreativität, sondern Konsequenz gefordert ist. Mehr Kontrollen, mehr Platzverweise und mehr Licht, wie ebenfalls angekündigt, sind nicht kreativ. Aber wohl die einzigen Mittel – die nun auch konsequent angewendet werden müssen. Sowohl am Raschplatz, als auch wenige Hundert Meter weiter.

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