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Darum wird die Kuppel des Anzeiger-Hochhauses verhüllt

Sanierungsarbeiten Darum wird die Kuppel des Anzeiger-Hochhauses verhüllt

Das Anzeiger-Hochhaus wird in Kürze von einem Gerüst verhüllt: Die Kuppel muss saniert werden. 5 Tonnen Kupfer sind für die neue Eindeckung nötig – und ein erneuertes Tragwerk darunter.

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Wird komplett saniert: die Kuppel des Anzeiger-Hochhauses.

Quelle: HAZ

Hannover. Sie hat den Brandbomben des Zweiten Weltkriegs getrotzt, Stürme, Frost und Sonnenhitze geduldig ertragen. Jetzt braucht sie eine Grundsanierung: Die Kuppel des Anzeiger-Hochhauses muss von innen und außen weitgehend erneuert werden. „Die Mütze muss runter“, sagt Madsack-Architekt Jörg Kairies, als er eine Gruppe von HAZ-Lesern durch das Gebäude führt. 

So eine Planetariumskuppel, 90 Jahre alt, komplett entkernt und mit einem Innengerüst begehbar gemacht, ist ein ehrwürdiger und zugleich Ehrfurcht gebietender Anblick. Die Dimension dessen, was dort eine Sanierung nötig macht, wird aber vielleicht am besten mit dem Frühstücksei-Beispiel deutlich. Der zuständige Statiker, sagt Kairies, habe ausgerechnet, dass eine Eierschale im Verhältnis zum Ei-Volumen dicker ist als die nur sechs Zentimeter dicke Kuppelwandung im Verhältnis zur Gesamtkuppel. 

Totalsanierung ist notwendig

Sechs Zentimeter Wandstärke – die Firmen Zeiss und Dywidag hatten sich in den Zwanzigerjahren das Rezept für einen derart filigranen Kuppelbau gerade patentieren lassen, das geringe Eigengewicht sparte Material und entlastete das Gebäude darunter. Die gesamte Konstruktion basiert auf einem Gewebe aus Flachstählen, die von oben mit Beton und von unten mit Kalkmörtel bespritzt wurden, dazwischen befand sich eine Schalung aus Torfdämmplatten. Dann befestigten Facharbeiter die Kupferplatten mit speziellen, Hanf umwickelten Dübeln. Bei Kontrollen 2016 aber fiel auf, dass sich Hanfdübel lösten. Gutachter haben dann die gesamte Kuppel von innen untersucht – und festgestellt, dass Teile des Spritzbetons bröckeln. An einigen Stellen ist das stabile Material der Kuppelschale statt sechs Zentimeter nur noch 1,5 Zentimeter dick.

Auch wenn eine akute Gefahr bislang nicht bestand, entschied die Madsack Mediengruppe: Es wird eine Totalsanierung geben. „Die Kuppel hat 90 Jahre gehalten, und wir werden dafür sorgen, dass sie die nächsten 90 Jahre gut übersteht“, sagt Kairies. 

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Im Januar 2018 besichtigt eine Gruppe von HAZ-Lesern die Kuppel des Anzeiger-Hochhauses. Weil der Innenraum komplett entkernt und ein Gerüst installiert ist, ist der Aufstieg bis in die Spitze des 1928 fertiggestellten Prachtbaus möglich. Madsack-Architekt Jörg Kairies erklärt die filigrane Konstruktion, die Schäden – und wie sie saniert werden.

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Logistik ist eine Herausforderung

Seit das Hochhaus-Kino wegen der Baustellenvorbereitung aus dem achten Stock in die ehemalige Schalterhalle im Erdgeschoss gezogen ist, durchzieht ein riesiges Innengerüst die Kuppel. Architekt Kairies führt die HAZ-Leser bis ganz nach oben in die Spitze, die ovale Schädeldecke des Anzeiger-Hochhauses ist hier zum Greifen nahe. Aber auch die Schäden sind gut zu sehen. Alte, in der Nachkriegszeit provisorisch geflickte Einschlaglöcher von Granatsplittern, bröckelnder Beton, freiliegende Stahlteile. Die gesamte Kuppel wird von innen vorsichtig vom Beton befreit, dann ein neuer, kunststoffvergüteter Beton eingespritzt. „Natürlich darf die gesamte Schale nachher wieder nur sechs Zentimeter messen“, sagt Kairies. Erstens steht alles unter Denkmalschutz, zweitens darf sich das Eigengewicht der Konstruktion nicht erhöhen. 

„Technisch ist dieser Teil der Sanierung eigentlich kein Problem, aber logistisch“, erklärt der Madsack-Architekt den Besuchern. Damit die Kuppel nicht instabil wird, unterteilen die Bauarbeiter sie in 541 Einzelsegmente, von denen immer nur an wenigen gleichzeitig gearbeitet werden darf. Ständig muss das frische Material in kleinen Portionen hoch- und das Altmaterial wieder heruntertransportiert werden, damit das Gewicht auf der obersten Geschossdecke unter der Kuppel nicht zu hoch wird. 

Historische Fotos vom Anzeiger-Hochhaus.

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Bevor aber die Innensanierung startet, kommt außen das Kupfer runter. Ende Januar wird am ältesten Hochhaus Hannovers ein großes Gerüst aufgebaut, es gilt als einer der aktuell kompliziertesten Gerüstbauten bundesweit. Spätestens Mitte März wird das Gerüst das gesamte Gebäude inklusive Kuppel überragen und über ein geheiztes Dach verfügen: Keine Schneelast darf zusätzlich von oben auf die Konstruktion drücken. 

Dann wird das Kupfer abgenommen. Am äußeren Betonkleid erwarten die Experten kaum Schäden – aber sie wollen dem Kuppelbau eine Art Bauch-weg-Gürtel verpassen. Von der Unterkante, am Ringfundament des Kuppelbaus, werden sich bis in etwa 5,70 Höhe Edelstahlbänder ziehen, die mit Spanngurten aus höchstvergütetem Edelstahl (V4A) vorsichtig festgezogen werden, um der ehrwürdigen Kuppel mehr Stabilität zu verleihen. 

Das neue Kupfer ist schon ausgewählt. Es werden, nach Absprachen mit den Denkmalschutzbeauftragten von Stadt und Land, vorpatinierte Platten sein, damit die neue Dachhaut nicht, wie die Turmhelme von Neustädter Hof- und Stadtkirche und Apostelkirche, jahrzehntelang im Braunton daherkommt. Eine Firma aus Finnland hat sich Proben vom Anzeiger-Kuppeldach schicken lassen und in einer Klimakammer genau die Materialalterung simuliert, die den hannoverschen Kupfergrünton entstehen lässt. Wenn später das Gerüst demontiert wird und die grundsanierte Kuppel zum Vorschein tritt, soll Hannovers ältestes Hochhaus schließlich wieder seine grüne Mütze tragen. 

Wie es unter der Kuppel weitergeht, dazu laufen die Planungen noch. Nachgedacht wird derzeit über einen großen Veranstaltungsbereich, der als Kinosaal nutzbar ist – die Hochhaus-Lichtspiele sind schließlich immer das höchste Kino Deutschlands gewesen, diesen Superlativ möchte man Hannover gerne erhalten. An den Details der Planungen wird derzeit allerdings noch gefeilt.

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