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Aus der Stadt Im Rausch der eigenen Tiefe
Hannover Aus der Stadt Im Rausch der eigenen Tiefe
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00:30 25.06.2015
Von Rüdiger Meise
Magda Appel ist Hannovers einzige Abnoe-Trainerin. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Eigentlich geht es ja nur darum, lange die Luft anhalten zu können. Aber das Apnoe-Tauchen hat Magda Appel nicht nur eine ganz neue Welt eröffnet, sondern sie hat auch gelernt, alles um sich herum zu vergessen, sagt die 41-Jährige. Und das, sagt sie, sei Entspannung pur. Die einzige Apnoe-Trainerin Hannovers begreift ihren Sport als Weg, sich selbst zu fühlen – „ganz ohne Welt“, wie sie sagt.

Wenn Magda Appelt spricht, dann spricht alles an ihr: ihre Augen, ihre Hände, ihr ganzer Körper schwingt im Rhythmus ihrer Stimme. Schwer vorzustellen, dass sie es schafft, ihr Temperament auf Kommando abzuschalten. Doch genau darin liegt das Geheimnis ihrer Sportart. Nur so schafft sie es, minutenlang zu tauchen, und mit langsamen, fließenden Bewegungen in die Welt der Meerestiere vorzudringen. „Ohne schweres Sauerstoffgerät, Blasenbildung und Geräusch kannst du dich den Fischen nähern und ihnen in die Augen schauen“, schwärmt sie. „Neulich habe ich mit einem Wal getanzt.“

Vor etwa zwei Jahren versuchte sie, nach einer überwundenen Krankheit wieder in Form zu kommen – und erinnerte sich an ihre Heimat an der Ostsee. Sie stammt aus Polen, aus der Nähe von Danzig, wo die raue See Teil des Lebens ist. Und sie erinnerte sich an den Film „Im Rausch der Tiefe“ mit Jean Reno als Apnoe-Taucher. Auf gut Glück belegte sie einen Apnoe-Kurs – und war sofort in ihrem Element.

Die Sportart hat viele Gesichter: Für manche ist sie cool und Lifestyle, andere wollen Testosteron abbauen oder Wettkämpfe tauchen, manche wollen ihre eigenen Grenzen erfahren. Für Magda Appel bedeutet sie Entspannung. Diesen Weg versucht sie auch ihren Schülern weiterzugeben. Wer ihren Kurs zum „Advanced Freediver“ bestanden hat, der kann fast drei Minuten lang tauchen, 55 Meter weit und 24 Meter tief. Appel taucht im Freiwasser bis zu 40 Meter tief – und schwärmt davon, „sich einfach ins Blau der Tiefe fallen zu lassen“.

Dabei hilft der sogenannte Tauchreflex: „Ich werde ruhiger, das Blut konzentriert sich im Oberkörper, das Herz schlägt langsamer“, erklärt sie. „Ich bin süchtig danach.“ Ungefährlich ist das nicht. Wenn ein Apnoe-Taucher seine Kräfte überschätzt, droht ein Blackout aufgrund von Sauerstoffnot. Deshalb tauchen Freediver niemals allein, sagt sie. „Ich verlasse mich darauf, dass ich gerettet werde, wenn so etwas passiert.“

Taucher, die in der Lage sind, absichtlich nichts zu denken, sind klar im Vorteil – denn jeder Gedanke verbraucht Energie und damit Sauerstoff. „Das Paradoxe beim Apnoe ist, dass Ambitionen dabei hinderlich sind“, sagt Magda Appelt amüsiert. „Manchmal kommen Supersportler zu mir und versuchen ehrgeizig, sich zu entspannen. Und wundern sich, dass es nicht klappt.“ So könne man von ihrem Sport fürs Leben lernen: sich auf das Wesentliche zu reduzieren, den Moment leben. Atemtechnik hilft.

Hilfreich ist auch, dass Magda Appel ihren Sport und ihren Beruf perfekt vereinbaren kann. Gemeinsam mit Thorsten Stahl führt sie den „Kleinen Tauchladen“ an der Velberstraße in Linden Nord. Die beiden führen ihre Kunden bei organisierten Reisen mehrmals im Jahr in spannende Tauchreviere rund um den Globus – und in einen zwanzig Meter tiefen Tauchturm in Siegburg.

Ein Apnoe-Grundkurs kostet 139 Euro, ein Fortgeschrittenen-Kurs 199 Euro. Zeitweise bietet auch der Schwimmsport-Verein Union 06 Freitauch-Kurse an. Die Ausrüstung ist im Vergleich zum Gerätetauchen billig: Eine Maske und Flossen reichen fürs Erste.

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