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VW setzte Mitarbeiter zu Unrecht vor die Tür

Klage vor Arbeitsgericht VW setzte Mitarbeiter zu Unrecht vor die Tür

VW wirft einem Mitarbeiter vor, einen Arbeitsunfall nur vorgetäuscht zu haben, um dann Krankengeld zu kassieren. Das Unternehmen wirft den Mann deshalb raus. Zu Unrecht, wie jetzt das Arbeitsgericht Hannover entschieden hat.

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„Fadenscheinige Erklärung“: VWN in Stöcken streitet mit einem Mitarbeiter vor Gericht.Foto: Behrens (Archiv)

Hannover. Eine Packung Capri-Sonne spielt eine wichtige Rolle bei einem Verfahren vor dem Arbeitsgericht Hannover. Ein Mitarbeiter von VW-Nutzfahrzeuge (VWN) klagt gegen seinen Arbeitgeber wegen einer außerordentlichen Kündigung. VW wirft dem Familienvater vor, einen Sturz in einem Treppenhaus des Werks in Stöcken nur vorgetäuscht zu haben. Um den Unfall glaubhaft zu machen, habe der Mann im Oktober 2016 den Inhalt einer Packung Capri-Sonne auf einem Treppenabsatz verteilt und sich wimmernd neben die Getränkelache gelegt. Das Unternehmen beruft sich dabei auf zwei andere VW-Mitarbeiter, die den Vorfall so beobachtet haben wollen.

Der Mitarbeiter, der in dem Unternehmen bis zu seiner Kündigung fast 20 Jahre tätig war, sagte, er sei auf einer Flüssigkeit im Treppenhaus ausgerutscht und gestürzt. Anschließend habe sein Rücken stark geschmerzt. Der VW-Mitarbeiter ist wegen eines Wirbelsäulenschadens schwerbehindert. Er sei daher in großer Sorge gewesen, dass die Wirbelsäule durch den Sturz weiteren Schaden erlitten habe. Die Durchgangsärztin schrieb den Mann krank, die Arbeitsunfähigkeit wurde später vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen in einem Gutachten bestätigt.

In der Verhandlung warf VW dem Mann jedoch „fadenscheinige Erklärungen“ vor. Es gebe die Vermutung, der Arbeitsunfall sei vorgetäuscht, da der Kläger sich seiner Arbeitsverpflichtung entziehen wolle, sagte der Rechtsanwalt von VW, Jens Siebert. Die attestierte Verletzung habe er sich auch nachträglich zufügen können, meinte der Jurist. Der Vorsitzende Richter Axel von der Straten machte deutlich, dass allein der Verdacht einer Täuschung kein Kündigungsgrund sein. Sein Vergleichsvorschlag, den Mitarbeiter weiterzubeschäftigen, wurde von den VW-Vertretern kategorisch abgelehnt. Die Begründung: Das Vertrauensverhältnis zu dem Mann sei zerstört.

In seinem Urteil hat das Gericht gestern dem gekündigten Arbeitnehmer recht gegeben. Die Kündigung sei unter anderem deshalb unwirksam, weil dem VW-Betriebsrat bei seiner Anhörung nicht das Gutachten des medizinischen Dienstes vorgelegen hatte. Außerdem seien die Aufklärungsbemühungen des Unternehmens nicht ausreichend gewesen. Beispielsweise hatte die Personalabteilung nicht mit den beiden Mitarbeitern gesprochen, die den Vorfall im Treppenhaus gemeldet hatten.

VW kann gegen das Urteil Berufung beim Landesarbeitsgericht einlegen.

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