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Arbeitslose und Flüchtlinge gärtnern für die Tafel

Projekt in Groß-Buchholz Arbeitslose und Flüchtlinge gärtnern für die Tafel

Gemüseanbau für einen doppelt guten Zweck: Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge bauen in der Groß-Buchholzer Kolonie Waldfrieden Gemüse für die Hannöversche Tafel an. Im vergangenen Jahr kamen etwa 1,5 Tonnen Gemüse zusammen. 

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Michael H. ist seit April bei dem Kleingarten-Projekt in Groß-Buchholz dabei. 

Quelle: Schaarschmidt

Groß-Buchholz. Gefällt ihm die Arbeit im Kleingarten? Alaassane Kande lacht lieber laut, als eine direkte Antwort zu geben. Im Land Elfenbeinküste, wo der 34-jährigen Flüchtling herkommt, ist Gartenarbeit Frauenarbeit. Kande ist Anfang 2015 nach Deutschland gekommen. Er hat schon ganz passabel Deutsch gelernt. Daran, dass er als Mann Gartenarbeit verrichten soll, hat er sich allerdings noch immer nicht so ganz gewöhnt. „Aber die Kollegen sind sehr nett, und deshalb macht es trotzdem irgendwie Spaß“, erklärt Kande und greift wieder zum Rechen.

Zusammen mit elf weiteren Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen bewirtschaftet Kande drei Kleingärten in der Kolonie Waldfrieden in Groß-Buchholz. Als sogenannte Ein-Euro-Jobber nehmen sie an einem Projekt der Beschäftigungsförderung der Stadt teil. Das Gemüse, das sie mehrmals die Woche ernten, wird direkt von den Gärten zu den Annahmestellen der Hannöverschen Tafel gebracht, die für Bedürftige kostenlose Mahlzeiten zubereitet. „Dort freut man sich, dass auf diese Weise Gemüse angeboten werden kann, das sonst nicht auf der Speisekarte steht“, sagt Heinz-Joachim Herpich, der das Projekt leitet. „Alles, was hier geerntet wird, ist nicht mit Pestiziden oder anderen Pflanzenschutzmitteln behandelt.“ Im Vergangenen Jahr kamen etwa 30 Zentner Gemüse zusammen.

Alaassane Kande bei der Arbeit im Kleingarten-Projekt.

Alaassane Kande bei der Arbeit im Kleingarten-Projekt.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Die willkommenen Lieferungen an die Tafel sind nur ein Aspekt des Projekts. Die Wirkung der Arbeit auf die, die sie verrichten, ist ebenso entscheidend. „Wir sind sehr daran interessiert, den Langzeitarbeitslosen durch die Bewirtschaftung der Gärten zu zeigen, wie lange es dauert, bis aus einem gepflanzten Samen eine Frucht wird, und wie viel Arbeit dahinter steckt“, sagt Herpich. Dafür sei es aber auch wichtig, Teilnehmer zu finden, die mit Herzblut bei der Sache sind. „Gerade bei den Flüchtlingen haben wir da gemerkt, dass sie aus einem anderen Kulturkreis kommen“, sagt Herpich. „Mittlerweile machen viele von ihnen den Job aber gern.“

Win-win-Situation für alle Beteiligten 

Projektteilnehmer Michael – er bittet, seinen Nachnamen unerwähnt zu lassen – wusste von Anfang an, dass ihm die Arbeit im Kleingarten gefallen würde. Der Arbeitslose ist seit April dabei. „Meine Eltern hatten früher einen Garten, in dem wir Gemüse angebaut haben“, erzählt der 56-Jährige, der 25 Jahre als Verkäufer arbeitete. Den grünen Daumen brachte er quasi schon mit. Dass der Ertrag seiner Arbeit der Tafel zugute kommt, freut ihn ohnehin. „Ich war auch eine Zeit lang auf die Tafel angewiesen“, erklärt er.

„Das Projekt könnte man als Win-win-Situation für alle Beteiligten bezeichnen“, sagt Michael Gonoschorowski schwärmerisch. Der Vorsitzende des Kleingartenvereins Waldfrieden hat die drei Gärten an die Stadt verpachtet – zum üblichen Pachtpreis von 42 Cent je Quadratmeter. „Die Tafel bekommt frisches Gemüse, die Arbeitslosen haben eine Beschäftigung, und wir müssen unsere leer stehenden Gärten nicht selbst bewirtschaften.“ Für das Projekt mietet die Stadt nur Parzellen an, die gerade keinen Pächter haben – und die nicht unbedingt erste Wahl sind. „In dem Kleingarten, der als letztes dazu kam, waren zwei Tonnen Müll vergraben, die wir erst einmal beseitigen mussten“, erzählt Herpich. Findet der Kleingartenverein einen Interessenten für die aufgeräumten und von den Arbeitslosen bewirtschafteten Parzellen, kann es sein, dass die Stadt das Feld wieder räumen muss. „Direkt neben dem Vereinsheim gibt es so einen Kleingarten“, erklärt Herpich. Dort solle demnächst eine Laube gebaut werden. „Deshalb nutzen wir derzeit auch nicht das ganze Areal für den Gemüseanbau“, sagt der Chef der Kolonie.

Auch in den beiden anderen Parzellen müssen sich die Ein-Euro-Jobber an die Kleingartensatzung des Vereins halten. „Auch wir müssen mindestens ein Drittel der Fläche mit Nutzpflanzen bewirtschaften und die Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr einhalten“, sagt Herpich. Nur eine Ausnahme von den Gartenregeln können die Langzeitarbeitslosen und Flüchtlinge in Anspruch nehmen. Anders als die übrigen Laubenpieper dürfen sie mit Benzin betriebene Gerätschaften nutzen. Dafür gilt für sie eine Sonderregel, die im Rest der Kolonie keine Gültigkeit hat und sicher auch nicht durchsetzbar wäre: kein Alkohol.„Das ist aber eine Regel, die wir ihnen auferlegt haben, nicht der Kleingartenverein“, sagt Herpich von der städtischen Beschäftigungsförderung.

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