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Archäologen finden weiteren Knochen

Baustelle am Marstall Archäologen finden weiteren Knochen

Bei den bei Bauarbeiten am Marstall gefundenen Knochen handelt es sich nach Einschätzung der MHH-Rechtsmedizin um Gebeine aus dem Mittelalter. Am Montag fanden Experten derweil noch eine Knochenpfanne. Am Mittwoch sollen Testgrabungen durch Archäologen erfolgen.

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Vergangene Woche wurden Knochen auf einer Baustelle am Marstall gefunden. Die Knochen sollen aus dem Mittelalter stammen. 

Quelle: Michael Wallmüller

Hannover. Nachdem in der Vorwoche menschliche Oberschenkelknochen bei Bauarbeiten am Marstall gefunden worden sind, haben sich am Montag Experten der Landes- und der Stadtdenkmalspflege an der Baugrube getroffen und über das weitere Vorgehen beraten. Die Polizei hat die Baustelle derweil wieder freigegeben – ab Dienstag darf wieder gearbeitet werden. Der Grund: Nach Einschätzung der MHH-Rechtsmedizin handelt es sich definitiv nicht um jüngere Knochen, sondern wohl um solche aus dem Mittelalter. Damit ist ein aktuelles Verbrechen ausgeschlossen.

Bei Bauarbeiten in der Innenstadt von Hannover sind Knochen entdeckt worden.

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Auf dem Marstall-Parkplatz sollen in Kürze zwei Neubauten entstehen – die Arbeiten müssen von Archäologen begleitet werden, weil es sich um die ältesten Stellen der Stadt handelt und im Boden Artefakte vermutet werden. Vorab aber haben die Stadtwerke begonnen, Leitungen zu verlegen – dabei sind Knochen entdeckt worden. Gebietsarchäologe Friedrich Wilhelm Wulf, der seinen Kollegen Andreas Niemuth als Bodenkundler des Landesamts für Denkmalpflege mitgebracht hatte, stützt die These der Polizei: „Die Knochen stammen wahrscheinlich von einem mittelalterlichen Friedhof.“ Dieser könnte sich rund um das Stift zum Heiligen Geist mit dem Hospital Sankt Spiritus befunden haben. „Möglicherweise sind die Knochen auch bei Bodenverlagerungen nach dem Krieg unbemerkt etwas versetzt worden“, sagt Wulf. Immerhin: Bei der Ortsbegehung fanden die Experten am Montag noch eine kleine Knochenpfanne. „Für einen Beckenknochen ist sie wohl zu klein – vielleicht stammt sie aus einer Schulter“, vermutet Wulf.

Am Dienstag soll der Grund der Baugrube, in der Starkstromkabel liegen, mit etwas Sand verfüllt werden, am Mittwoch wollen die Archäologen dann an einer seitlichen Stelle vorsichtig Erdschichten abtragen, um Informationen über den Bodenaufbau zu erhalten. Den Stadtwerken machen die Denkmalschützer keine Vorwürfe. „Sie haben ordnungsgemäß nur an Stellen gegraben, an denen bereits Rohre und Kabel liegen und die daher keine archäologischen Funde erwarten lassen.“

Für die bevorstehenden Tiefbauarbeiten am Marstall aber zeigten die jüngsten Funde, dass Hannover unter der Erde durchaus historische Überraschungen zu bieten habe. „Die Identität Hannovers ist geprägt von der Nachkriegszeit – es gibt heute kaum ein Bewusstsein mehr dafür, dass die Stadt mittelalterliche Wurzeln hat“, sagt Wulf. Seit den Grabungen am Hohen Ufer und auf dem Gelände der alten Leineinsel ändere sich das spürbar. Inzwischen gebe es eine gute Zusammenarbeit auch mit der städtischen Denkmalpflege. Deren Leiter Hans-Achim Körber war am Montag gemeinsam mit Denkmalpflegerin Sonja Olschner erschienen.
Der hannoversche Bauhistoriker Sid Auffarth zweifelt an der Vermutung mit dem Friedhof. „Ich habe in den alten Plänen nachgeschaut – dort war niemals ein Friedhof“, sagt er. Er vermutet vielmehr, dass dort ein Toter aus dem Zucht- und Armenhaus verscharrt wurde, das dort um 1745 stand. Direkt daneben verlief die mittelalterliche Stadtmauer. „Wahrscheinlich wurde seine Leiche außerhalb der Mauern begraben“, sagt Auffahrt.

Antworten könnte es noch in diesem Jahr geben: Für die Neubauten am Marstall sind Tiefgaragen geplant – es wird also intensiv gegraben.

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