Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Hausbesuch nach 500 Jahren
Hannover Aus der Stadt Hausbesuch nach 500 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 07.03.2014
Von Andreas Schinkel
Eines der ersten Grabungsfunde. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Das Fachwerkhaus auf der Leineinsel hat Herrn Schernhagen gleich zugesagt. Abseits der engen Altstadt wehte dem Hofkleidermacher hier eine frische Brise um die Nase. Und so entschloss sich Dietrich Schernhagen, das Haus zu kaufen. Das war 1489. Gut 500 Jahre später kratzen Archäologen die Bodenfliesen seines Hauses frei. „Wir dachten immer, hier haben früher arme Leute gewohnt, doch unsere Funde erzählen eine andere Geschichte“, berichtet Archäologe Friedhelm Wulf vom Amt für Denkmalschutz.

Nach mehreren Wochen Arbeit kann sich der erste Zwischenstand der Ausgrabungen sehen lassen. Neben alten Porzellanstatuen wurde unter anderem eine Büste gefunden.

Auf einem mehr als 1000 Quadratmeter großen Baufeld nahe der Schlossbrücke am Leibnizufer graben sich die Archäologen immer tiefer ins Erdreich. Anlass ist die bröckelnde Flussmauer, die Stein für Stein abgetragen, danach mit einer Betonmauer abgestützt und Quader für Quader wieder errichtet werden soll. 6,50 Meter tief muss auf dem ehemaligen Flohmarktparkplatz gebuddelt werden – für die Forscher eine Reise in die Vergangenheit, die so manche Überraschung bereithält.

Nur ein paar Wochen ist es her, dass die Wissenschaftler erste Erfolge vermeldeten. So legten sie Reste eines Kachelofens aus dem 18. Jahrhundert frei und die Grundmauern eines spitzen Fachwerkhauses nahe der Schlossbrücke. Die HAZ druckte eine alte Postkartenansicht des Hauses ab, daraufhin meldete sich eine Leserin bei der Stadt. Das sei doch das Haus ihres Urgroßvaters, meinte die ältere Dame. Man stöberte in den Archiven und fand schließlich heraus, wer das Fachwerkhaus ursprünglich erworben hatte – Hofkleidermacher Dietrich Schernhagen.

Stadt und Land suchen beim Neuaufbau der Leinemauer auch nach den Ursprüngen Hannovers. 2013 hatte es archäologische Grabungen am anderen Leineufer neben dem Historischen Museum gegeben, wo zwei Häuser entstehen. Sie sind abgeschlossen, jetzt geht es auf der westlichen Flussseite weiter.

Inzwischen haben die Archäologen weitere Teile des Kachelofens gefunden, darunter eine gut erhaltene Außenwand, auf der noch eine für die Zeit typische romantische Malerei zu sehen ist. „Wir werden versuchen, den rund zwei Meter hohen Kachelofen zu rekonstruieren“, kündigt Wulf an. Ein weiterer Fund begeistert die Forscher. Durch einen glücklichen Zufall entdeckten sie inmitten des Schuttbergs einen etwa faustgroßen Kopf einer Marmorstatue. Die Plastik zeigt einen Jüngling und ist zum Teil stark beschädigt. „Es handelt sich um einen hochwertigen italienischen Marmor, möglicherweise aus Carrara“, sagt Wulf. Auch dieser Fund beweise, dass auf der Leineinsel keine Armen gewohnt haben, wie ursprünglich angenommen. Kachelofen und Marmorplastik sollen irgendwann öffentlich ausgestellt werden.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Hip-Hop aus Berlin ist am Mittwoch in Hannover zu Gast: Sido tritt im Capitol auf. Am Kröpcke eröffnet das umgebaute Modehaus, der Bauausschuss diskutiert über die D-Linie, und das Amtsgericht hat mit diversen ungewöhnlichen Fällen zu tun. Das ist am Mittwoch in Hannover wichtig.

05.03.2014

Beim Überqueren einer roten Ampel wurde ein 85-jähriger Radfahrer in der Arndstraße von einem PKW angefahren. Mit schweren Kopverletzungen und Brüchen wurde der Senior in eine Klinik transportiert. Es besteht weiterhin Lebensgefahr.

04.03.2014
Aus der Stadt Einsatz gegen bewaffneten Rauschgifthändler - MEK überwältigt Dealer auf der Podbi

Eine Spezialeinheit der Polizei hat am Montagabend einen Rauschgifthändler festgenommen und eine größere Menge Heroin beschlagnahmt. Beamte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) schlugen gegen 17 Uhr auf der Podbielskistraße zu und überwältigten den bewaffneten 49-Jährigen.

07.03.2014