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Aus der Stadt Heimatbund ehrt Klaus Mlynek
Hannover Aus der Stadt Heimatbund ehrt Klaus Mlynek
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00:17 27.11.2017
Ausgezeichnet: Heinz-Siegfried Strelow und Thomas Herrmann überreichten Klaus Mlynek die Urkunde, Historiker Karljosef Kreter hielt die Laudatio (v.l.). Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

 Der musikalische Rahmen passte. Das Ensemble Custos stimmte bei der Feierstunde im Neuen Rathaus Klänge aus dem 15. Jahrhundert an. Lieder aus jenen Tagen, in denen Cord Borgentrick noch persönlich über die Erde wandelte: Anno 1490 bewahrte der Ölschläger durch Wachsamkeit und Mut seine Heimatstadt Hannover vor der Zerstörung durch feindliche Truppen. 

Bei der Feier im Gartensaal wurde der langjährige Stadtarchivar Klaus Mlynek mit dem Cord-Borgentrick-Stein ausgezeichnet. Stadt und Heimatbund verleihen den undotierten Preis seit 2008 alljährlich an Menschen, die sich um die Heimatpflege verdient gemacht haben – in diesem Jahr an einen Mann, „den viele aus dem Bücherregal kennen“, wie Heimatbundpräsident Heinz-Siegfried Strelow sagte.

Mlynek arbeitete NS-Zeit auf

Bürgermeister Thomas Hermann würdigte Mlynek als jenen Mann, der das Stadtarchiv von seinem „Mauerblümchendasein“ befreit habe. Als Laudator hielt der Historiker Karljosef Kreter vom städtischen Team Erinnerungskultur Rückschau auf Mlyneks Wirken. Dieser wurde 1936 in Posen geboren, studierte in Jena und Potsdam. Wenige Monate nach dem Mauerbau wurde er beim Versuch, aus der DDR in den Westen zu kommen, als „Republikflüchtling“ verhaftet und saß 18 Monate lang in Bautzen in Haft. 

Bei einem Verwandtenbesuch blieb er 1977 im Westen und trat seine Stelle am Stadtarchiv an – seine Frau und die Kinder durften erst zwei Jahre später nachkommen. „In der Geschichtsschreibung herrschte dort bis dahin oft Schweigen über die NS-Zeit“ sagt Kreter. „Das sollte sich unter seiner Ägide ändern.“ Engagiert arbeitete Mlynek, der staatliche Willkür am eigenen Leib erfahren hatte, die verdrängte Vergangenheit auf.

Der Döhrener arbeitete an zahlreichen Standardwerken zu Hannovers Geschichte mit. Er erwies sich als umfassend gebildeter, systematischer Denker, als Schatzgräber, der leidenschaftlich, doch mit kühlem Kopf aus den Tiefen alter Akten immer neue Fakten und Geschichten ans Licht der Gegenwart brachte. Und der begnadete Netzwerker sorgte dafür, dass sein Archiv Platz und Personal bekam.

In einem vom Filmemacher Bruno Hanne gedrehten Porträt, das bei der Feierstunde gezeigt wurde, zitierte Mlynek aus dem historischen Borgentrick-Bericht: „Traut den Fürsten nicht“ heißt es dort. Gedanklich verlängerte er diese Maxime in die Gegenwart: „Traut der Demokratie.“ Voraussichtlich im Frühjahr soll ein Stein mit Mlyneks Namen im Ehrenhain am Döhrener Turm eingesetzt werden. „Aber eigentlich“, sagte Laudator Kreter, „hätte er zwei Borgentrick-Steine verdient.“

Von Simon Benne

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