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Aus der Stadt Arzt muss nicht für Eingriff haften
Hannover Aus der Stadt Arzt muss nicht für Eingriff haften
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06:15 10.08.2012
Von Sonja Fröhlich
Ein Arzt muss nicht für eine erfolglose Sterilisation haften. Die Klage einer Mutter, die nach dem Eingriff ihr fünftes Kind bekam, wurde abgewiesen. Quelle: Symbolfoto
Hannover

Vier Kinder hatte sie schon, ein fünftes sollte nicht mehr folgen. Deshalb ließ sich eine hannoversche Mutter von einem Arzt sterilisieren - und wurde trotzdem schwanger. Vor Gericht forderte sie jetzt 6000 Euro Schmerzensgeld und Unterhalt bis zur Volljährigkeit des Kindes, knapp 60.000 Euro.

Am Montag hat die 19. Zivilkammer des Landgerichts ihre Klage abgewiesen. Die Richter hätten weder Fehler bei der Behandlung noch bei der Aufklärung feststellen können, begründete Landgerichtssprecher Matthias Kannengießer.

Zwar gilt Sterilisation als eine der sichersten Methoden der Empfängnisverhütung, dennoch gibt es ein Restrisiko, für das ein Mediziner nicht haften muss. Der Anwalt der Frau, Christian Wolff, sagte aber im Prozess, dass bei seiner Mandantin ein Sonderfall vorliege. Die Mutter hatte sich 2005 zu einer Sterilisation entschlossen. Dabei werden die Eileiter entweder mit Hitze verschweißt oder mit einem Clip abgeklemmt oder Stücke entfernt. Ein Restrisiko gibt es dann, wenn einer der Eileiter wieder zusammenwächst. Das soll laut Statistiken bei einer von 1000 Frauen der Fall sein.

Nach der Operation erklärte der Arzt seiner Patientin, dass er bei dem rechten Eileiter keinen Eingriff vornehmen musste, da dieser nach einer Eileiterschwangerschaft 1994 schon teilweise entfernt worden war. Nach Darstellung der Frau soll der Arzt auch gesagt haben, sie könne nie wieder schwanger werden. Dies bestreitet der Arzt aber.

Zumindest wurde die vierfache Mutter im Jahr 2009 wieder schwanger - und bekam einen Jungen, der heute zwei Jahre alt ist. Nicht mehr nachvollziehen ließ sich allerdings, durch welchen Eileiter die Frau schwanger wurde - den rechten Eileiter, um den er sich nicht gekümmert hatte, oder den linken, der im Laufe der Zeit aufgrund des Restrisikos möglicherweise wieder zusammenwuchs.

Die Frau lebe in bescheidenen Verhältnissen und habe sich auf die Angaben des Arztes verlassen, sagt Anwalt Wolff. Er warf dem Frauenarzt vor, er hätte prüfen müssen, ob der rechte Eileiter tatsächlich nicht durchlässig gewesen sei. Dies habe er aber nicht getan. Eine Schlichtungsstelle bestätigte dem Anwalt dies.

Auch der vom Gericht bestellte Gutachter war in seiner schriftlichen Expertise zunächst zu dem Ergebnis gekommen, dass die Überprüfung notwendig gewesen wäre. Bei seiner Aussage vor Gericht ließ der Arzt die Frage aber offen. Die Kammer sah daraufhin den nötigen Nachweis für einen Behandlungsfehler nicht erbracht.

Anwalt Wolff überlegt, in Berufung zu gehen. Er kritisierte, dass der Gutachter von seiner schriftlichen Darstellung abgewichen sei und sich auf die Seite der Ärzte geschlagen habe.

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