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Aus der Stadt Warum spülen die Narren ihre Geldbörsen im Maschsee?
Hannover Aus der Stadt Warum spülen die Narren ihre Geldbörsen im Maschsee?
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14:46 21.02.2018
Schwarz gekleidet, mit Zylinder: Die Narren tauchen ihre Geldbörsen ins Wasser.  Quelle: Foto: Petrow
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Hannover

 Karneval ist farbenfroh, lustig und bunt – doch der Aschermittwoch, der Beginn der Fastenzeit, ist ein grauer Tag, ein Trauertag für die Narren. Mit dem traditionellen Waschen der Portemonnaies, die in den jecken Tagen stark gefordert waren, beendeten Hannovers Karnevalisten am Mittwochnachmittag die zu Ende gegangene fünfte Jahreszeit. 

Schwarz gekleidet mit Zylinder, Krawatte und Hut traf am Nachmittag ein Narr nach dem anderen am Nordufer ein. Ein letztes Mal ragten die Fahnen der zwölf hannoverschen Karnevals-Vereine in die Luft – ein wenig Farbe zwischen den schwarz gekleideten Jecken. Ein Fußgänger blieb stehen und fragte neugierig: „Hochzeit?“. Nee, Karneval, rief ein Narr empört zurück. Ist doch klar.

Zu Ende der Karnevalszeit am Aschermittwoch werden traditionell die leeren Geldbörsen der Narren im Maschsee versenkt. So soll wieder frisches Geld hineingespült werden.

Abschied am Nordufer

Der Präsident des Komitees Hannoverscher Karneval, Ronny Jackson, stieg auf die dicke Mauer am Maschseeufer. Feierlich hob er seine Stimme vor der etwa 40-köpfigen Trauergemeinde und las: „Liebe Aschermittwochs-Gemeinde, wir haben uns heute hier versammelt, um den in den letzten Tagen und Wochen lieb gewonnenen Karneval zu verabschieden.“ Es folgte eine melancholische Pause. Die Jecken hörten aufmerksam zu. An den passenden Stellen bekräftigten sie die Worte des Präsidenten mit kräftigem Nicken und klagten und jammerten um das Ende der fünften Jahreszeit. So laut klagten sie, dass es weit über die Ufer des Maschsees bis in die Innenstadt zu hören sei. 

Zum 27. Mal setzt sich der große Karnevalsumzug in Hannover in Bewegung. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 100.000 Zuschauern, die die bunte Karawane auf ihrem Weg durch die Innenstadt begleiten.

Börsen an langen Schnüren

Nach der Trauerrede begab sich die Trauergemeinde geschlossen auf die letzte Stufe der Treppen am Nordufer. In der kleinen vom Eis befreiten Wasserfläche am Rande des Maschsees wuschen die Karnevalisten ihre Geldbörsen aus. Ein Ritual, mit dem sie zeigen, dass sie jeden Cent für den Fasching ausgegeben haben und ihre Portemonnaies reinigen, um neues Geld für die neue Karnevalsaison in diesem Jahr zu sammeln Die Hände ins kalte Wasser halten wollte jedoch niemand – man ist vielleicht ein Narr, aber doch nicht verrückt. Die leeren Geldbörsen waren an langen Bindfäden befestigt. Ging auch so – der Tradition war mit der Angelpartie jedenfalls genüge getan. 

Helau, es ist Karneval! Wir zeigen die schönsten Kostüme unserer Leser und ihrer Kinder in einer Galerie.

Doch damit war das Ritual für die hannoverschen Närrinnen und Narren noch nicht vollständig beendet. Unter lautem Wehklagen zogen die schwarz gekleideten Männer und Frauen anschließend in einem Trauermarsch zum Gottesdienst in der Altstädter Kreuzkirche. Und auch, wie es „Danach geht es dann zum Abschlussessen, um den Kater mit Fisch zu füttern und die Trauer in Bier zu ertränken“, sagt Jackson, der sich in diesem Jahr übrigens als Robin Hood verkleidet hat. 

Nun haben die Karnevals-Liebhaber in Hannover wieder einige Monate Zeit, um ihre Lachmuskeln zu erholen und ihre Geldbörsen aufzufüllen, bis es am 11.11 2018 um 11.11 Uhr wieder heißt: Helau und Alaaf.

Die Karnevalshochburg ist Hannover nicht, dennoch hat die Narretei eine lange Tradition.

Von Sophie Richter

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