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Aus der Stadt Aspria eröffnet runderneuertes Strandbad am Maschsee
Hannover Aus der Stadt Aspria eröffnet runderneuertes Strandbad am Maschsee
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12:58 03.04.2009
Von Conrad von Meding
Entspannung pur: Am Donnerstag hat Aspria das umgebaute Strandbad am Maschsee eröffnet. Quelle: Kris Finn

Wer hätte das vor zwei Jahren für möglich gehalten? Das war wohl am Donnerstag der meistgesagte Satz, als mittags gut 250 geladene Gäste und abends 700 Klubmitglieder die ersten Führungen durch das Strandbad am Maschsee genießen durften.

Aus verfaulten Holzbalken, notdürftig reparierten Umkleide- und Toilettenanlagen und einem denkmalgeschützten, aber vom Verfall bedrohten Gesamtensemble hat der internationale Klubbetreiber Aspria in 14 Monaten Bauzeit und mit 24 Millionen Euro eine architektonische Perle und eine Freizeitoase geschaffen, die mindestens deutschlandweit ihresgleichen sucht. Am Freitag dürfen sich gut 1000 Hannoveraner bei einem Tag der offenen Tür selbst ein Bild machen – die Führungen sind seit gestern ausgebucht –, und ab Sonnabend beginnt dann der reguläre Klubbetrieb.

Fünf Pools, meist mit Blick auf den Maschsee, Wasserfälle, ein 3700 Quadratmeter großes Entspannungsareal (Spa), Saunabereiche im Strandbad und im Garten (eine davon vollständig mit bei Vollmond gefälltem Kelo-Holz aus dem Polarkreis errichtet), Sonnenterrassen, Kinderräume, Fitnessbereiche mit wöchentlich angeblich 150 Kursen in Yoga und anderen Disziplinen, Außenaktivitäten und vieles mehr: Aspria bietet im Strandbad alles, was zu einem modernen Fitness- und Wellnessklub gehört. Das Besondere aber ist die Atmosphäre, die das Areal atmet. Behutsam ist die holländische Firma Pellikaan, die auch schon das Regenwaldhaus umgebaut hat, dem Gelände zuleibe gerückt.

Der Denkmalschutz hat sich auf kreative Kompromisse eingelassen, um das Erhaltenswerte zu bewahren, ohne das Gesamtprojekt zu gefährden. So sind Fensteröffnungen jetzt größer als im Original, der schmucke, vieleckige Kiosk in der Achse des Maschsee-Stegs durfte weggerissen werden, zwischen den einst in den Obergeschossen streng getrennten Hallenkomplexen sind jetzt gläserne Verbindungsgänge eingerichtet, damit die Klubmitglieder trockenen Fußes etwa vom Restaurant zum Fitnessbereich kommen, rückwärtig und im Westen der historischen Hallen sind moderne, kubische Baukörper angefügt worden. Dafür hat das Gesamtareal wieder eine Zukunft.

Oberbürgermeister Stephan Weil bescheinigte Aspria in einer leidenschaftlichen Ansprache, „mit hoher Professionalität und Leidenschaft“ das Projekt zu einem guten Ende gebracht zu haben, um das es zuvor einen regelrechten Wirtschaftskrimi, sechs Jahre lange Auseinandersetzungen und zuletzt sogar Gerichtsprozesse gegeben hatte. „You did an exzellent job“ („Sie haben exzellente Arbeit gemacht“), rief er dem Aspria-Geschäftsführer Brian Morris unter Applaus zu. Auch der hielt seine Ansprache zweisprachig, zeigte sich „beeindruckt“ von dem, was seine Mitarbeiter geschaffen haben, und dankte der Stadt für eine offenbar reibungslose Zusammenarbeit. „Welcome to Hanover“, begrüßte er die auswärtigen Gäste: „It’s a great, great city“ („Willkommen in Hannover, es ist eine großartige Stadt“).

Aspria betreibt bisher drei Klubs in Brüssel und jeweils einen in Hamburg und Berlin – keiner von ihnen kommt gestalterisch auch nur annähernd an das Strandbad Maschsee heran. „So eine Anlage gibt es doch bundesweit höchstens noch am Bodensee“, sagt auch Meravis-Geschäftsführer Mathias Herter, der einst selbst darüber nachgedacht hatte, in die Strandbad-Sanierung einzusteigen – und jetzt zu den ersten Mitgliedern des Aspria-Klubs in Hannover zählt.

Hannovers Klubchef Christof Herbster hat für die Eröffnung auf glamouröse (und meist teure) Prominente verzichtet. Immerhin war aber Prinz Laurent von Belgien gekommen, der überzeugtes Aspria-Klubmitglied ist, ebenso wie Schauspieler Thomas Heinze („Das Superweib“, „Allein unter Frauen“) aus Berlin. Hannovers Starproduzent Mousse T. ist „zwar noch nicht“ Mitglied, „aber bestimmt bald“, wie er nach einem Rundgang sagte. Zoochef Klaus-Michael Machens, millionenschwere Umbauten durchaus gewohnt, lobte die „hohe Qualität des Ausbaus“.

Und sogar Sven Richter war gekommen, der Berliner Investor, der vor sechs Jahren als Erster das richtige Gespür bewiesen hatte und mit hohem finanziellen Engagement das Strandbad marktfein gemacht hat. „Ich bin froh, dass etwas so Schönes daraus geworden ist“, sagt er. „Bundesweit einmalig“ sei die Anlage geworden: „Das haben die nicht mal im Strandbad am Berliner Wannsee hinbekommen.“ Und auch DLRG-Chef Torsten Heuer, dessen Verein weiterhin die Badeaufsicht am See führt, war gestern sichtbar erleichtert: „Toll, dass alles zu einem guten Ende gefunden hat.“

Betreiberangaben zufolge hat der Klub schon zur Eröffnung mehr als 2000 Mitglieder. Dem Vernehmen nach müssen es mittelfristig fast doppelt viele werden, damit das Strandbad rentabel wird – diese Zahlen kommentiert aber niemand. Platz genug für die zahlreichen Erholungssuchenden sei in jedem Fall auf dem 27.000 Quadratmeter großen Gelände, das mit etwa 8000 Quadratmeter Klubfläche bebaut ist, sagt Geschäftsführer Herbster: „Es sind ja nie alle gleichzeitig da.“

70 fest angestellte Mitarbeiter und 45 Trainer und andere freischaffende Mitarbeiter betreuen die Anlage. Sie werden in der Anfangsphase häufig die Frage beantworten müssen, warum der Turm eigentlich nicht zugänglich ist. Auch wenn man von ihm aus zwischen den Bäumen hindurch einen wunderbaren Blick über den See hätte, ist er nicht zum Betreten freigegeben. Er ist nur eine Reminiszenz an den historischen Duschwasser-Hochspeicher, der einst auch nur für Bademeister zugänglich gewesen sein soll.

Abends ließ Aspria ein 20-Meter-Feuerwerk steigen (höher war nicht erlaubt, damit keine Raketen in den See fallen), dann war das neue Strandbad endgültig eröffnet. In den nächsten Wochen sollen noch letzte Arbeiten an den Außenanlagen erledigt und der rückwärtige, öffentliche See-Spazierweg wiederhergestellt werden. Dann hat Hannover sein Strandbad wieder – zwar in Teilen privat, aber dafür vor dem Verfall gerettet.

Tagesbesuche möglich: Ab 8. Mai können auch Nichtmitglieder per Tageskarte in den Klub. Sie kostet je nach Tageszeit 15 bis 28 Euro, Familienkarten kosten 40 Euro, sind aber auf Mittwochnachmittage und Sonnabendvormittage beschränkt.

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