Waltraud Müller macht Werbung. Die 81-Jährige wohnt in einem Neubau in der Werftstraße mit Blick auf den Mittellandkanal und den kleinen Lister Jachthafen. „Es ist wunderschön hier, diese Ruhe“, sagt die Rentnerin. Und in diesen heißen Tagen genießt sie besonders die kühleren Temperaturen, bedingt durch den Kanal.
Müller wohnt in einer von 77 Wohnungen am Lister Hafen, die vor rund sechs Jahren gebaut wurden. Zwar schwärmt die Rentnerin, aber die Stadt ist mit dem Viertel derzeit gar nicht glücklich. „Die Qualität als Quartier ist schwach ausgeprägt“, sagt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Aber jetzt ist Besserung in Sicht: Denn das Unternehmen Hochtief plant den Bau von neuen Wohnungen, nach dem derzeitigen Stand sollen in fünf Häusern auf dem derzeiten Gewerbegebiet an der Werftstraße 50 weitere Wohnungen entstehen.
In unmittelbarer Nähe befindet sich der Sitz der Vertriebsgesellschaft des weltbekannten Füllfederhalterherstellers Pelikan. Von einer „Hafen-City“ will in der Stadtverwaltung niemand reden. Aber Sprecherin Kalmus erwartet, dass mit den neuen Wohnungen das Viertel richtig aufblüht. „Das wird auf die ganze Gegend ausstrahlen, sowohl auf die Wohnhäuser als auch auf die Gewerbebetriebe“, meint Kalmus. Dann werde aus einem Gebiet mit einer „Funktionsschwäche“, wie es derzeit in der Stadtverwaltung heißt, ein „Viertel mit urbaner Lebensqualität“.
Aus Sicht der Stadt ist der Lister Jachthafen als Wohngebiet ideal. Er liege zentral und verkehrsgünstig, habe aber gleichzeitig unter anderem durch den Kanal gute Naherholungsmöglichkeiten. Investor Hochtief, der das Grundstück bereits gekauft hat, will sich derzeit zu dem Projekt nicht äußern.
Nach Angaben von Kalmus befindet sich die Änderung des Bebauungsplans noch „ganz am Anfang“. Sie rechnet noch mit einem Jahr, bis mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.
Bereits vor eineinhalb Jahren hatte sich Prof. Heiner Haass für eine intensivere Nutzung des Gebietes am Lister Jachthafen ausgesprochen. Der 53-Jährige lehrt an der Hochschule Anhalt, dort hat er Deutschlands einzige Professur für Städtebau mit dem Schwerpunkt wasserorientierte Stadtplanung. „Eine lebendige Ufernutzung sollte aus einer Mischung aus Gastronomie, Geschäften, Sitzecken, Bauwerken am und auf dem Wasser, vielleicht auch Booten bestehen“, meinte Haass. „Solche Elemente sind notwendig, um eine Fläche langfristig attraktiv zu machen.“
HAZ.de Anmeldung
Kommentare
Hochtief? geropf – 05.07.10
Juchhei, Hochtief. Das sind die, die mit nicht-so-wirklich-aber-gefühlt-doch-kriminellen Methoden den Bau der Elbphilharmonie in Hamburg verrteuern. Mit denen würde *ich* nichts mehr bauen.Macht Boris – 04.07.10
erstmal diese künstliche Gracht am Lister Blick sauber die voller Algen und Mücken ist. Dort eine vernünftige Umwälzpumpe zu installieren und das Wasser zu filtern ist dem Betreiber scheinbar zu teuer. Das würde schon ziemlich helfen das Ambiente von stinkender Kloake hin zum positiven zu wenden. Das Gewässer ist ein absoluter Schandfleck. Alternativ könnte man das Gewässer bepflanzen um eine natürliche Reinigung zu erzielen.