Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Auf Spurensuche nach dem Wolf in der Region

Wolfssichtungen Auf Spurensuche nach dem Wolf in der Region

Am Osterwochenende war es wieder so weit. Im Wennigser Ortsteil Steinkrug ist ein Wolf unterwegs gewesen, später wurde das Tier von Spaziergängern und Autofahrern auch noch bei Springe-Völksen fotografiert. Nun stellen sich die Fragen: Leben in der Region Hannover dauerhaft Wölfe und sind die Weidetiere sicher? 

Voriger Artikel
Heise soll Hannovers Grüne führen
Nächster Artikel
Maßnahme A führt zu Verkehrschaos in der City

2017: Im Februar ist bei Arpke, Sievershausen und Immensen ein Wolf gesichtet worden.

Quelle: Archiv

Hannover. Wenn, wie am Osterwochenende, ein Wolf gesichtet wird, dann wissen Wolfsberater der Region Hannover, was passiert: Ihre Telefone klingeln noch häufiger als sonst. Bürger erkundigen sich, melden weitere Sichtungen, fragen nach, wie sie sich verhalten sollen. Es gilt dann, die Übersicht zu behalten, Beweismaterial zu sichten und Spekulationen einzufangen wie zum Beispiel diejenige, dass ein vierköpfiges Rudel in der Eilenriede umherstreife. Eine Bestandsaufnahme.

Leben in der Region Hannover dauerhaft Wölfe?

Derzeit nach Einschätzung der Wolfsberater nicht. Gesichert ist durch genetische Untersuchungen von Kotfunden, dass im nordöstlichen Zipfel der Region seit Ende 2014 ein Wolfspaar gelebt hat. Sichtungen beim Burgwedeler Ortsteil Wettmar waren im Oktober 2014 die ersten überhaupt im Raum Hannover.  Später sind die Tiere bei Fuhrberg sogar gefilmt worden. „Damals wurde spekuliert, dass die Wölfe Nachwuchs bekommen und ein Rudel bilden“, sagt Wolfsberater Thomas Behling, im Hauptberuf Förster bei den Landesforsten. Passiert ist jedoch etwas anderes: Seit etwa einem Jahr fehlt von ihnen jede Spur. „Warum sie weg sind und wo sie abgeblieben sind, wissen wir nicht“, erklärt Behling.

Wie viele Sichtungen gab es?

Nach den sogenannten nationalen Monitoringstandards (siehe Extra-text) war der Wolf von Steinkrug der 13. Fall, in dem es sich seit Ende 2014 mit Sicherheit um eines der Grautiere handelte. Allerdings tauchen einzelne von ihnen mehrfach auf. Der Wolf, der im April 2015 zunächst in der Wedemark in die Ortschaft Bissendorf-Wietze marschierte und dann zwei Tage später auf der Autobahn 7 bei Großburgwedel von einem Sattelzug totgefahren wurde, bringt es allein auf vier Nennungen.

doc6ts8m3esomha4olh3pz

Fotostrecke Lehrte: Förster fotografiert Wolf bei Arpke

Zur Bildergalerie

Wo sind Wölfe aufgetaucht?

Laut der Liste, die Raoul Reding für die Landesjägerschaft Niedersachsen führt, liegt der Schwerpunkt eindeutig im östlichen Regionsgebiet. „Steinkrug ist der erste Ort, der westlich der Leine liegt“, sagt Reding. Die anderen gesicherten Sichtungen betreffen die Burgwedeler Ortsteile Wettmar, Fuhrberg und Engensen (zwischen Oktober 2014 und Juni 2016), Bissendorf/Wietze und Meitze in der Wedemark (jeweils April 2015), die Feldmark bei Burgdorf und Uetze-Obershagen (beide Anfang 2016) sowie Uetze-Schwüblingsen und Lehrte-Sievershausen (beide Februar 2017).

Heißt das, dass im Westen keine Wölfe unterwegs sind?

Das glaubt Wolfsberater Helge Stummeyer aus Neustadt-Warmeloh nicht. Derzeit werde ein gerissenes Kalb aus Wunstorf-Großenheidorn auf DNA-Spuren untersucht. Außerdem seien bei Neustadt-Schneeren tote Rehe gefunden worden, die möglicherweise einem Wolf zum Opfer gefallen seien. „Die Behörden kommen mit der Beweissicherung nicht hinterher“, sagt Stummeyer. Ein Grund dafür sei, dass Nutztiere bei DNA-Untersuchungen vorrangig gegenüber Wildtieren behandelt würden. Nach Ansicht des Wolfsberaters spricht viel dafür, dass Wölfe zeitweise im Einzugsbereich des Steinhuder Meeres umherstreifen. „Ein Indiz dafür ist, dass das Rehwild in den vergangenen Monaten deutlich scheuer geworden ist“, erklärt er.

Leben Weidetiere gefährlich?

Da es über das Großenheidorner Kalb noch keine Klarheit gibt, bleibt nur ein offiziell geführter Fall. Bei Uetze-Obershagen sind im März 2016 drei Kamerunschafe getötet und zwei weitere verletzt worden.

Woher kommen die Wölfe in die Region?

Es sind mit Ausnahme des verschwundenen Paares Einzelgänger auf Wanderschaft, meinen die Wolfsberater. Jungwölfe, die die Geschlechtsreife erreichen, müssten ihr Rudel verlassen und ein eigenes gründen. „Dazu brauchen sie geeignete Partner und ein geeignetes Gebiet“, erläutert Thomas Behling. Auf der Suche danach können sie über lange Zeit alleine bleiben und dabei riesige Distanzen zurücklegen. Den Wolf, der vor zwei Jahren bei Großburgwedel überfahren wurde, hatte es zwischenzeitlich bis in die Niederlande verschlagen. Behling schätzt, dass die im Raum Hannover aufgetauchten Tiere – in der Regel wurden sie nur einmal gesichtet – entweder aus dem Munsteraner Rudel im Heidekreis oder aus Rudeln in Ostdeutschland stammen.

Könnten Wölfe hier heimisch werden?

„Dann müsste sich ein Rudel bilden. Laut Faustregel ist dafür ein Territorium von etwa 250 Quadratkilometern erforderlich“, sagt Behling. Das Gebiet müsse dünn bis gar nicht besiedelt und möglichst nicht zu sehr von stark befahrenen Straßen durchschnitten sein. Theoretisch bestünden solche Voraussetzungen am ehesten im östlichen Regionsgebiet mit dem Gürtel vom Burgdorfer Holz bis hoch zum Fuhrberger Feld. Bisher gebe es dafür aber keine Anzeichen.

Und was ist nun mit der Eilenriede?

Das halten die Fachleute für ausgeschlossen. „Relativ kleines Gebiet, dichte Besiedlung drum herum – was sollten Wölfe dort anfangen?“ fragt Behling. Ihm selber geht es übrigens wie fast allen anderen Regionsbewohnern auch: Er hat in Hannover und dem Umland noch nie einen leibhaftigen Wolf zu Gesicht bekommen. „Ich kenne sie nur aus Nordamerika und dem Zoo“, sagt er.     

Wann ein Wolf ein Wolf ist

Wölfe sind vom Wesen her scheu, was es häufig erschwert, Sichtungen und Funde einzuordnen. In Niedersachsen führt die Landesjägerschaft ein Monitoring durch – das heißt, sie sammelt Daten und bewertet sie nach festgelegten Kriterien. Dabei werden die Daten nach Überprüfbarkeit in unterschiedliche Kategorien eingeordnet.

Kategorie 1 steht für einen eindeutigen Nachweis. Der ergibt sich aus überprüften Fotos oder, noch besser, aus DNA-Analysen.

In Kategorie 2 fallen bestätigte Hinweise. Sie fußen auf Meldungen, die sich von erfahrenen Personen anhand von Tierrissen, Kotproben oder Fährten endgültig klären lassen. Deshalb haben sie ebenfalls Nachweischarakter.

Kategorie 3 sind unbestätigte Hinweise. Sie werden zwar im Monitoring erfasst, gelten jedoch nicht als Nachweis. Beispiele sind Sichtungen, bei denen es sich um einen Wolf handeln könnte – aber eben auch um einen Hund.

Außer den drei Kategorien gibt es noch zwei Varianten: Eindeutige Falschmeldungen sowie Fälle, in denen keine Bewertung möglich ist.se     

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Anfang Juli heiratete Ernst August Erbprinz von Hannover Ekaterina Malysheva. Auf unserer Themenseite finden Sie Bilder, Videos und Berichte zur Promi-Hochzeit des Jahres in Hannover.

Bombenverdacht am Seelhorster Kreuz

Bei der Fahrbahnsanierung am Seelhorster Kreuz sind zwei Verdachtspunkte für Weltkriegsbomben entdeckt worden.