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Ältere sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt

Trendwende Ältere sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt

Auf dem hannoverschen Arbeitsmarkt verbessern sich die Job-Chancen für ältere Arbeitslose: Die Agentur für Arbeit hat 10 000 über 50-Jährige in neue Jobs vermittelt. Die Arbeitgeber schätzten vor allem ihre Lebenserfahrung.

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Zuverlässigkeit zählt wieder: Unternehmen und Handwerk suchen gezielt ältere Bewerber – wie etwa Gerhard Bormann, Angesteller eines Logistikbetriebes.

Quelle: Büttner

Hannover. „Die Dynamik ist derzeit groß, auch im Bereich der über 50-Jährigen“, sagt Holger Habenicht, Sprecher der Agentur für Arbeit in Hannover. Das belegt die aktuelle Arbeitsmarktstatistik (Stand August). Die Zahl der Arbeitslosen, die älter als 50 sind, ist gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als 500 Menschen gesunken, ein Rückgang um fast 4 Prozent. Für Ältere sei es angesichts des Fachkräftemangels derzeit nicht schwer, neue Stellen zu finden, sagt Habenicht. „Lediglich bei den Langzeitarbeitslosen stagnieren die Zahlen in dieser Altersgruppe.“

Doch auch 50-Jährige, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, können sich Hoffnungen machen. „Arbeitgeber öffnen sich jetzt immer mehr für Ältere“, sagt Rainer Blasius, stellvertretender Koordinator für ein Programm des Bundes, das die Vermittlung von über 50-Jährigen in den Fokus genommen hat (genannt: „50 Top“). In den vergangenen fünf Jahren hat das Job Center Hannover rund 10 000 älteren Arbeitslosen einen neuen Job verschaffen können. „Loyalität und Lebenserfahrung sind wieder gefragt“, sagt Blasius.

Soft Skills wichtiger als Fachkenntnisse

Das war nicht immer so. Noch vor zehn Jahren hieß es, ältere Arbeitnehmer, die einen Job suchen, hätten kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. „Vonseiten der Arbeitgeber hat es viele Vorurteile gegeben“, sagt Dirk Ballosch, stellvertretender Teamleiter beim Job Center und verantwortlich für die Vermittlung von über 50-Jährigen. So nahm man an, dass Ältere unflexibel und lernunwillig seien sowie überzogene Gehaltsforderungen stellten. Doch die Arbeitgeber lassen sich jetzt eines Besseren belehren. „Unternehmer erkennen, dass Ältere oft zur sozialen Stabilität ihrer Betriebe beitragen“, sagt Ballosch. Erfahrene Arbeitnehmer bringen alte Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverläs-
sigkeit mit. Solche „weichen Kompetenzen“ (Soft Skills) seien wertvoller als lückenlose Fachkenntnisse. „Das Fachwissen können wir durch zusätzliche Qualifikationen verbessern“, sagt der Jobvermittler.

Das bestätigt auch die Handwerkskammer Hannover. „Die Arbeitsmarktlage hat sich geändert“, sagt deren Geschäftsführer Dietmar Rokahr. Branchenübergreifend seien ältere Arbeitnehmer inzwischen „herzlich willkommen“. Wer eine gute Ausbildung und Berufserfahrung mitbringe, für den gebe es im Handwerk immer eine Perspektive. „Über unsere Fachkräftebörse suchen wir auch nach älteren Arbeitnehmern“, sagt Rokahr. Bei Bedarf könne man die Menschen weiterbilden oder umschulen. Die Stellenangebote der Handwerkskammer sind im Internet unter der Adresse www.hwk-hannover.de/fachkraefteboerse aufgeführt.

Auch Umschulungen lohnen sich noch

Im Job Center Hannover ist man der Ansicht, dass ältere Arbeitslose, die erst ein oder zwei Jahre ohne Job sind, noch rasch vermittelt werden können. „Schwieriger wird es bei denen, die fünf oder mehr Jahre ohne Arbeit sind“, sagt Vermittlungsexperte Ballosch. Diese gäben sich oft auf, seien frustriert und hätten gesundheitliche Probleme. „Wichtig ist es, die Menschen zu aktivieren und zugleich ihre Stärken und Schwächen zu analysieren“, sagt er. Manchmal gebe es Hobbys, die derart leidenschaftlich betrieben werden, dass sich daraus eine berufliche Perspektive ergibt. Auch Umschulungen lohnten sich noch für die über 50-Jährigen, sagt der Jobvermittler.

Aber keine Frage: Der berufliche Neustart fällt insbesondere Älteren nicht leicht. Oft ist er mit Gehaltseinbußen verbunden, vom Zurechtfinden in einer neuen Belegschaft gar nicht zu reden. „Die Menschen müssen den Neuanfang auch wollen“, sagt Ballosch. Die Mitarbeiter des Job Centers helfen über die ersten Hürden. Sie überlegen sich nicht nur, welche Weiterbildungskurse infrage kommen, sondern bahnen auch Gespräche mit Unternehmen an. „Dann klappt das schon“, sagt er.     

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