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Abriss des Polen-Pavillons hat begonnen

Expo-Gelände Abriss des Polen-Pavillons hat begonnen

Der Polen-Pavillon ist Geschichte: Am Dienstagmorgen wurde nach jahrelangem Rechtsstreit mit dem Abriss des Gebäudes auf dem Expo-Gelände begonnen. Auch das Inventar, das der vietnamesischen Prinzessin Thi Nhu Anh Pham gehörte, wurde entfernt.

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Am Ende kam die Abrissbirne: Nach jahrelangem Rechtsstreit wird der ehemalige Polen-Pavillon abgebaut.

Quelle: Kießler

Hannover. Zum letzten Gefecht rücken die Verteidiger des polnischen Expo-Pavillons mit einem Einkaufswagen an. In dem Gefährt, das sich die Handwerker offenbar bei nahen schwedischen Möbelhaus ausgeliehen haben, liegen unter anderem eine Gartenschere, ein Bauhelm, ein kleiner Plastikeimer, zwei Sägen, Glasreiniger und Geschenkband. Damit stellen sie sich den Bauarbeitern entgegen, die an diesem grauen Dienstagmorgen in Begleitung eines Rechtsanwaltes angerückt sind, um dem Pavillon den Garaus zu machen, nach 15 Jahren und ewigen Debatten. Das skurrile Finale passt zu einem Vorgang, die unter allen Possen rund um das ehemalige Expo-Gelände die verrückteste ist.

Der Polen-Pavillon ist Geschichte: Nach jahrelangem Rechtsstreit wird das Gebäude auf dem Expo-Gelände abgerissen. Auch das Inventar, das der vietnamesischen Prinzessin Thi Nhu Anh Pham gehörte, wurde entfernt.

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Die schillernde Figur, um die sich diese Geschichte dreht, ist Frau Pham. Frau Pham hat es in Hannover seit der Expo zu einiger Berühmtheit gebracht – unter anderem dadurch, dass sie als Enkelin des letzten vietnamesischen Kaisers firmiert. Dass sie das ist, mag stimmen. Doch wer genau hinschaut, lernt, dass dieser Kaiser genau von März bis August 1945 in Amt und Würden war. Überhaupt lohnt bei Frau Pham der Versuch, genau hinzuschauen. Den Durchblick indes haben all ihre Geschäftspartner in den vergangenen 15 Jahren nicht gefunden.

Also versuchen sie es nicht mehr. Sie reißen ab. Und ob man will oder nicht, die ganze Sache verrät einem viel über die Stadt, in der sie spielt. Über kurze Träume und lange Leiden rund um eine Weltausstellung, mit der man vor 15 Jahren eigentlich Gästen im In- und Ausland hatte zeigen wollen, was eine Harke ist. Und in der man seither mit den Folgen ringt.

Es hat viele drollige Ideen zur Nachnutzung von Expo-Pavillons gegeben. Manche davon wurden sogar umgesetzt. Zum Beispiel die von Frau Pham, die den ehemaligen polnischen Pavillon in einen vietnamesischen Kulturtreff verwandelte. Das wäre an sich nicht so schlecht gewesen, hätte es nicht an der Umsetzung gehapert. Immer wieder gab es Ärger um nicht erfüllte Auflagen und um asiatische Mitarbeiter, die im Pavillon übernachteten. Und es gab den Streit mit der Expo-Grund. Der gehörte das Gelände, Frau Pham der Pavillon. Das fanden beide schon immer unglücklich, und das war es auch. Die juristische Lage ist kniffelig, allerdings ist sie mittlerweile durch alle Instanzen geklärt: Die Expo-Grund durfte den Pavillon abreißen, weil er unrechtmäßig auf ihrer Fläche steht. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Darunter ging zuletzt nichts mehr.

Eine Weile war es zuletzt ruhig gewesen um Frau Pham und den Pavillon, in dem noch zahlreiche asiatische Kulturgüter lagerten. Im Juli aber kam wieder Bewegung in die Sache, als die Zwangsversteigerung jener vermeintlichen Schätze den Weg zum Abriss des Gebäudes ebnen sollte. Frau Pham aber schickte einen gewissen Klaus, der alles erstand – und es danach, mal wieder, im Gebäude stehen ließ.

Und nun also die Männer mit der Schubkarre. Sie seien gerade dabei, die kunstvoll geschnitzten Holzschreine im Inneren abzubauen, versichert die vierköpfige Truppe dem Abrisstrupp. „Für uns war diese Aktion eine weitere Bestätigung, das Frau Dr. Pham uns einfach nur hinhalten will“, sagt Rechtsanwalt Philipp Beisteiner, der die Expo-Grund vertritt. „Unsere Mandantin und wir fühlen uns überrumpelt“, sagt dagegen Rechtsanwalt Jürgen Trummel aus der Kanzlei Waldraff und Kollegen. Aber was soll er schon sagen?

Einen letzten Funken Hoffnung hatte es am Ende gegeben, dass Frau Pham die Tempel im Inneren des Pavillons noch abbauen lassen würde. Mit der deutschen Firma aber gab es Ärger um die Bezahlung, beauftragte Vietnamesen dagegen mussten erst mal einen religiösen Feiertag begehen. Es war der standesgemäße Tusch hinter eine Geschichte der Misstöne.

Natürlich hat Anwalt Trummel gestern Vormittag eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Hannover eingereicht, um den Abriss zu stoppen. „Es sieht aber nicht sehr erfolgversprechend aus“, sagte er gestern Abend. Es scheint, als sei nun wirklich Schluss.

Von Jörn Kießler und Felix Harbart

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