Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Abriss des Polen-Pavillons hat begonnen
Hannover Aus der Stadt Abriss des Polen-Pavillons hat begonnen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:30 01.09.2015
Am Ende kam die Abrissbirne: Nach jahrelangem Rechtsstreit wird der ehemalige Polen-Pavillon abgebaut. Quelle: Kießler
Anzeige
Hannover

Zum letzten Gefecht rücken die Verteidiger des polnischen Expo-Pavillons mit einem Einkaufswagen an. In dem Gefährt, das sich die Handwerker offenbar bei nahen schwedischen Möbelhaus ausgeliehen haben, liegen unter anderem eine Gartenschere, ein Bauhelm, ein kleiner Plastikeimer, zwei Sägen, Glasreiniger und Geschenkband. Damit stellen sie sich den Bauarbeitern entgegen, die an diesem grauen Dienstagmorgen in Begleitung eines Rechtsanwaltes angerückt sind, um dem Pavillon den Garaus zu machen, nach 15 Jahren und ewigen Debatten. Das skurrile Finale passt zu einem Vorgang, die unter allen Possen rund um das ehemalige Expo-Gelände die verrückteste ist.

Die schillernde Figur, um die sich diese Geschichte dreht, ist Frau Pham. Frau Pham hat es in Hannover seit der Expo zu einiger Berühmtheit gebracht – unter anderem dadurch, dass sie als Enkelin des letzten vietnamesischen Kaisers firmiert. Dass sie das ist, mag stimmen. Doch wer genau hinschaut, lernt, dass dieser Kaiser genau von März bis August 1945 in Amt und Würden war. Überhaupt lohnt bei Frau Pham der Versuch, genau hinzuschauen. Den Durchblick indes haben all ihre Geschäftspartner in den vergangenen 15 Jahren nicht gefunden.

Also versuchen sie es nicht mehr. Sie reißen ab. Und ob man will oder nicht, die ganze Sache verrät einem viel über die Stadt, in der sie spielt. Über kurze Träume und lange Leiden rund um eine Weltausstellung, mit der man vor 15 Jahren eigentlich Gästen im In- und Ausland hatte zeigen wollen, was eine Harke ist. Und in der man seither mit den Folgen ringt.

Es hat viele drollige Ideen zur Nachnutzung von Expo-Pavillons gegeben. Manche davon wurden sogar umgesetzt. Zum Beispiel die von Frau Pham, die den ehemaligen polnischen Pavillon in einen vietnamesischen Kulturtreff verwandelte. Das wäre an sich nicht so schlecht gewesen, hätte es nicht an der Umsetzung gehapert. Immer wieder gab es Ärger um nicht erfüllte Auflagen und um asiatische Mitarbeiter, die im Pavillon übernachteten. Und es gab den Streit mit der Expo-Grund. Der gehörte das Gelände, Frau Pham der Pavillon. Das fanden beide schon immer unglücklich, und das war es auch. Die juristische Lage ist kniffelig, allerdings ist sie mittlerweile durch alle Instanzen geklärt: Die Expo-Grund durfte den Pavillon abreißen, weil er unrechtmäßig auf ihrer Fläche steht. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Darunter ging zuletzt nichts mehr.

Eine Weile war es zuletzt ruhig gewesen um Frau Pham und den Pavillon, in dem noch zahlreiche asiatische Kulturgüter lagerten. Im Juli aber kam wieder Bewegung in die Sache, als die Zwangsversteigerung jener vermeintlichen Schätze den Weg zum Abriss des Gebäudes ebnen sollte. Frau Pham aber schickte einen gewissen Klaus, der alles erstand – und es danach, mal wieder, im Gebäude stehen ließ.

Und nun also die Männer mit der Schubkarre. Sie seien gerade dabei, die kunstvoll geschnitzten Holzschreine im Inneren abzubauen, versichert die vierköpfige Truppe dem Abrisstrupp. „Für uns war diese Aktion eine weitere Bestätigung, das Frau Dr. Pham uns einfach nur hinhalten will“, sagt Rechtsanwalt Philipp Beisteiner, der die Expo-Grund vertritt. „Unsere Mandantin und wir fühlen uns überrumpelt“, sagt dagegen Rechtsanwalt Jürgen Trummel aus der Kanzlei Waldraff und Kollegen. Aber was soll er schon sagen?

Einen letzten Funken Hoffnung hatte es am Ende gegeben, dass Frau Pham die Tempel im Inneren des Pavillons noch abbauen lassen würde. Mit der deutschen Firma aber gab es Ärger um die Bezahlung, beauftragte Vietnamesen dagegen mussten erst mal einen religiösen Feiertag begehen. Es war der standesgemäße Tusch hinter eine Geschichte der Misstöne.

Natürlich hat Anwalt Trummel gestern Vormittag eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Hannover eingereicht, um den Abriss zu stoppen. „Es sieht aber nicht sehr erfolgversprechend aus“, sagte er gestern Abend. Es scheint, als sei nun wirklich Schluss.

Von Jörn Kießler und Felix Harbart

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Nachrichten aus Hannover und Niedersachsen auf einen Blick: Mit „HAZ live“ lesen Sie jeden Tag ab 6 Uhr alles Wichtige im Newsticker. Heute: Hannovers Hallenbäder ändern ihre Öffnungszeiten, auf der B65 drohen Staus wegen Bauarbeiten und in Hannover werden die Arbeitsmarktzahlen für Niedersachsen präsentiert.

01.09.2015
Aus der Stadt Zwischen Großburgwedel und Altwarmbüchen - 59-Jähriger stirbt nach Unfall auf A 7

Bei einem Unfall auf der Autobahn 7 ist am Montag ein 59 Jahre alter Mann ums Leben gekommen. Die Polizei geht von einem Krankheitsfall aus. Weitere Verkehrsteilnehmer kamen nicht zu Schaden. Die Autobahn war für mehrere Stunden in Richtung Süden gesperrt.

31.08.2015

Dieser Herbst hält etwas ganz Besonderes bereit: Die HAZ hat 30 außergewöhnliche Ausflüge und Veranstaltungen für Sie zusammengestellt. Es sind Momente, die man mit Geld nicht kaufen kann: Hannover hautnah und hinter den Kulissen!

01.09.2015
Anzeige