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Aufbruch am Hauptgüterbahnhof

Neues Gewerbegebiet in der Nordstadt Aufbruch am Hauptgüterbahnhof

Die riesige Bahnhofshalle am Weidendamm wird fast zur Hälfte abgerissen. Im nächsten Jahr soll am Rande der Nordstadt ein neues Gewerbegebiet entstehen.

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Mit sogenannten Abbruchsortiergreifern reißen Bagger Stücke aus den Mauern.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Zerbrochene Fenster, bröckelnde Mauern, Graffiti an den Wänden - abbruchreif ist der stillgelegte Hauptgüterbahnhof am Rande der Nordstadt schon seit vielen Jahren. Doch jetzt geht es endlich los. Beginnend am nördlichen Zipfel der riesigen Bahnhofshalle reißen Bagger die Mauern Stück für Stück nieder. Mindestens 30.000 Tonnen Schutt, so schätzt Martin Beese von der Abbruchfirma Hagedorn, werden am Ende von der Halle übrig bleiben. Dabei fällt nicht einmal das gesamte Bauwerk den Baggern zum Opfer. Von der insgesamt 38.000 Quadratmeter großen Halle bleibt im Süden des Geländes immerhin mehr als die Hälfte stehen. Der Abriss im Norden soll dem Süden zum Durchbruch verhelfen, so die Idee der Immobiliengesellschaft Aurelis, Eigentümerin des Grundstücks. Ein neues Gewerbegebiet soll auf Hannovers letzter innenstadtnaher Brache entstehen. Nach Informationen der HAZ investiert Aurelis rund neun Millionen Euro in die Immobilie, offiziell will das Unternehmen keine Zahlen nennen.

Die riesige Bahnhofshalle am Weidendamm wird zur Hälfte abgerissen. Ein neues Gewerbegebiet soll auf dem Gelände entstehen. Ein Rundgang über die Baustelle. 

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Seit 2007 ist das Gelände zwischen Kopernikusstraße, Weidendamm und Arndtstraße nahezu ungenutzt. Die Ortsangabe „hinterm Weidendamm“ hat in der Nordstadt einen ähnlich schmuddeligen Beiklang wie „hinterm Bahnhof“. Drogensüchtige und Obdachlose suchten oft in den baufälligen Gebäuden Zuflucht, heißt es. Der riesige Parkplatz diene Prostituierten und ihren Freiern als Rückzugsort.

Keineswegs die gesamte Bahnhofshalle ist eine Schmuddelecke. Angesichts der Dimensionen fällt es aber kaum ins Gewicht, dass die Post am südlichen Ende des Bauwerks ihre größte Schließfachanlage niedersachsenweit betreibt und dort ihren stadtweit größten Zustellpunkt für Briefe eingerichtet hat. Nach dem Teilabriss der Halle bekommt die Post Gesellschaft. „Unser Konzept basiert auf drei Bausteinen: die Post, aha und Andronaco“, sagt Raik Packeiser, Sprecher von Aurelis.

Feinkostgroßhändler Andronaco zieht ein

Der italienische Feinkostgroßhändler Andronaco hatte schon lange Interesse an dem Standort in citynaher Lage bekundet. Doch dauerte es seine Zeit, bis die Kommunalpolitik überzeugt war. Denn man wollte unter allen Umständen verhindern, dass auf dem alten Güterbahnhof ein Einkaufszentrum entsteht. Die Händler in der City und in der Nordstadt sollten davor bewahrt werden, dass ihnen die Kunden davon laufen. Inzwischen sind die Ratspolitiker von dem Konzept überzeugt und zugleich froh, dass es endlich vorangeht.

Der Feinkosthändler aus Hamburg wird rund 2500 Quadratmeter der Halle beanspruchen, die Post will sich erweitern. Im Norden soll auf dem frei werdenden Teil des Geländes ein Neubau errichtet werden, in dem der Paketdienst DHL ein Verteilzentrum betreibt. Schon im nächsten Jahr, wenn die Bagger ihr Werk vollbracht haben, sollen die Bauarbeiten beginnen.

Verhandlungen mit Aha laufen

Unklar ist noch, ob der kommunale Abfallentsorger aha sich tatsächlich auf einem Teil des Grundstücks niederlässt. Denn eine Sprecherin des Unternehmens gibt sich deutlich vorsichtiger als der Aurelis-Vertreter. „Wir interessieren uns für den Kauf einer 10.000 Quadratmeter großen Fläche. Die Verhandlungen laufen noch“, sagt aha-Sprecherin Helene Herig. Auf dem Grundstück will aha eine Betriebsstätte der Straßenreinigung einrichten. Zugleich bleibe der benachbarte Wertstoffhof in der Sandstraße bestehen, betont Herig.

Trotz dieser großflächigen Nutzung stehen auf dem Gelände noch immer 12.000 weitere Quadratmeter zur Verfügung. „Die Fläche ist für Gewerbe vorgesehen“, sagt Packeiser. Vorzugsweise an Unternehmer aus der Nordstadt wolle man die Grundstücke verkaufen. Im Sommer werde Aurelis zusammen mit der Stadt detaillierte Pläne für die weitere Entwicklung vorlegen. Jetzt konzentriere man sich auf die Abbrucharbeiten.

Blindgänger werden im Erdreich nicht vermutet

Unvorhergesehenes dürfte beim Abriss kaum passieren. Blindgänger werden im Erdreich nicht vermutet, und die Bagger können bei jeder Temperatur arbeiten. „So lange der Diesel durch die Leitungen fließt, geht es weiter“, sagt Bauleiter Beese. Mit fünf Baggern rückt seine Firma dem Bauwerk zu Leibe. Zunächst reißen die Maschinen mit sogenannten Abbruchsortiergreifern Mauerstücke aus dem Gebäude, danach kommt die Betonzange zum Einsatz, die selbst Eisenstücke zerschneidet. Zum Vorschlaghammer muss keiner der zehn bis zwölf Arbeiter greifen. „Höchstens beim Sortieren des Bauschutts ist Handarbeit gefragt“, sagt Beese. Denn das Material dürfe fürs Recycling nicht allzu stark verunreinigt sein, Teppichreste etwa hätten darin nichts zu suchen. „Noch noch Ort bereiten wir den Bauschutt auf“, sagt Beese. Eine 60 Tonnen schwere Maschine soll den Schutt zerkrümeln. Mit Lastwagen wird das Material abtransportiert. „Den Verkehr auf dem Weidendamm wird das nicht beeinträchtigen“, sagt Aurelis-Sprecher Packeiser.

Der Abriss der Bahnhofshalle ist nur ein erster Schritt. Eine neue Straße in Nord-Süd-Richtung soll das Gelände erschließen, Einmündungen in Höhe von Sandstraße, Paulstraße und Arndstraße sind geplant. Auch der Vorplatz der derzeitigen Post soll neu gestaltet werden. „Im künftigen Erschließungsvertrag mit der Stadt Hannover wird sich Aurelis dazu verpflichten, diese Umgestaltung als Bauherr zu realisieren“, sagt Packeiser.

Bald wird der Schandfleck am Rande der Nordstadt der Vergangenheit angehören. Schon jetzt dürfte es auf der Brache nachts sicherer sein. „Um unsere Geräte zu schützen, haben wir einen Wachdienst engagiert und Kameras installiert“, sagt Beese.

Einst die modernste Güterhalle Europas

Die Geschichte des Güterbahnhofs beginnt im 19. Jahrhundert. 1877 verlegte die Königliche Eisenbahn-Commission den „Güterschuppen“ von der Königstraße an den Weidendamm. 1930 legte ein Großfeuer den Güterbahnhof in Schutt und Asche, 175 Waggons brannten aus. Nach dem Wiederaufbau entstand die größte und modernste Güterhalle in Europa, in der täglich bis zu 2000 Tonnen Stückgut umgeschlagen wurden. Im zweiten Weltkrieg verursachten Bomben schwere Schäden. Erst 1958 war der Hauptgüterbahnhof wieder hergerichtet. Noch Mitte der achtziger Jahre waren mehr als 400 Arbeiter damit beschäftigt, Güterwaggons zu be- und entladen. Das Aus für den Bahnhof kam 1997, denn der Güterverkehr hatte sich immer mehr auf die Straße verlagert. Seit der Stilllegung gab es etliche Ideen, wie man das Gelände nutzen könnte – vom Küchenmuseum bis zur Spielstätte für Profi-Basketballer. Letztlich scheiterten die Konzepte an der Finanzierung. Vielen Hannoveranern dürfte die Lichtinstallation des Künstlers Gerhard Merz im Expo-Jahr im Gedächtnis geblieben sein.

Das Richtfest für den neuen Güterbahnhof im Jahr 1950.

Quelle: Hauschild
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