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Aufschub für Kleingärtner in Hannover

Kolonie Bischofshol Aufschub für Kleingärtner in Hannover

Unternehmer Andreas Waag beruhigt: „Wir werden im Einvernehmen mit den Kleingärtnern handeln – keinesfalls sollen sie gegen ihren Willen für Bauland von ihren Parzellen vertrieben werden.“ Gemeinsam mit seinem Partner Thorsten Voigts hat er die 45.000 Quadratmeter großen Flächen des Kleingärtnervereins Bischofshol am Kirchröder Eilenriederand gekauft und würde sie langfristig gerne zu Bauland machen.

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Sehen der Entwicklung gelassen entgegen: Helga, Monika, Horst und Rolf Werner (von links) sind seit Jahrzehnten Laubenbesitzer.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. „Sehr langfristig“, betont er. Immerhin müssten zunächst in aufwendigem Prozedere Flächennutzungs- und Bebauungspläne geändert werden. Ein Sprecher der Stadtverwaltung bestätigte am Montag allerdings erneut, dass dies „weiterhin nicht vorgesehen“ sei. Bei den Kleingärtnern geht trotzdem die Sorge um – sie sind alle gekündigt. Immerhin stellte sich am Montag heraus, dass die Kündigungen jetzt ruhen. „Wir führen schließlich Gespräche“, sagte Unternehmer Waag am Montag.

Waags Partner Voigts betreibt die Firma Northern Access, die im Neustädter und Nienburger Raum Internetnutzern Breitbandanschlüsse ermöglicht, wo keine Kabel liegen. Dazu müssen Antennenanlagen konfiguriert werden. „Derzeit sind die Arbeiten auf mehrere Standorte verteilt, die Firma expandiert aber stark“, sagt Waag: „Auf der Fläche wollen wir möglicherweise einmal eine Ansiedlung vornehmen.“ Arbeitsplätze in zwei-, vielleicht sogar dreistelliger Zahl würden geschaffen. Man wolle sich aber Zeit lassen. Kleingärtnerpräsident Karl-Heinz Rädecker bestätigt, dass intensiv über mögliche Entschädigungen verhandelt werde, um die Flächen entlang der Zuschlag‑straße freizuräumen.

Hannovers Erster Stadtrat Hans Mönninghoff, in Personalunion Wirtschafts- und Umweltdezernent und in dieser Woche auch Vertreter des Baudezernenten, ist sehr zurückhaltend bei dem Thema. „Es gibt keinerlei konkrete Planung für eine Bebauung dort“, sagt er: „Aus Sicht der Stadt kann die Fläche weiter Kleingartenland sein.“ Immerhin gebe es den klaren Willen der Ratsmehrheit, die Eilenriederänder zu schonen. Auch SPD-Baupolitiker Thomas Hermann sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Flächennutzung geändert wird.“ Kleingärten seien kein Bauerwartungsland, das sei im rot-grünen Koalitionsvertrag festgeschrieben. „Daran sollte man alle Beteiligten mal erinnern.“

Tatsächlich gibt es aber durchaus auch konträre Debatten um derartige Flächen. Denn allen im Rathaus ist klar, dass besonders der vordere Grundstücksstreifen zur Bemeroder Straße perfekt für eine Bebauung geeignet wäre. Zur Expo ist dort mit Millionenaufwand die Stadtbahntrasse gebaut worden, seitdem gilt das Gebiet als bestens erschlossen. Jede Firmenansiedlung brächte zusätzliche Fahrgäste. Offiziell will das aber – insbesondere vor der Kommunalwahl – niemand bestätigen. „Alles hypothetische Debatten“, sagt Stadtrat Mönninghoff dazu nur: „Es gibt derzeit keinen Handlungsbedarf dort.“

Kurzfristig aber war man wohl doch erschrocken in der Verwaltung. Die Firma von Voigts und Waag wird landläufig als „VW Immobilien GbR“ abgekürzt – das hatte für Irritationen nicht nur bei den Kleingärtnern gesorgt. Dort fürchtete man, die Marktmacht des größten Arbeitgebers Hannovers werde schon irgendwann dafür sorgen, dass die Stadt klein beigibt und Baurecht schafft. Auch in der Stadtverwaltung war das Erstaunen zunächst groß. „Wir wollten schon in Wolfsburg anrufen und fragen, was da geplant ist“, sagte am Montag ein Mitarbeiter einer mit dem Thema befassten Abteilung. Offenbar hatte man sich eine kleine Bieterschlacht mit Voigts und Waag geleistet, war dann aber ausgestiegen, als es zu teuer wurde.

Flächenverkäufer ist die Fleischerinnung, die die Fläche 1936 im Tausch für Flächen in der Leinemasch erhielt – sonst gäbe es heute den Maschsee nicht. Auch sie hatte lange vergeblich versucht, das Areal zu Bauland zu machen. Jetzt verhandelt erstmal Kleingärtnerchef Rädecker über eine möglichst geräuschlose Abwicklung. „Wir sind guter Dinge, dass wir uns einigen“, sagt er. Zu Familie Werner zum Beispiel kommt demnächst der Schätzer. Und wenn der Preis stimmt, werde man wohl einschlagen, sagen sie.

Auch andere Gärten mussten weichen

Auch anderswo in Hannover sind zuletzt Schrebergartenflächen in Bauland umgewidmet worden – auch in der Nachbarschaft der Bischofsholer Laubenpieper. 2008 mussten Pächter der Kolonie Gartenheim zugunsten des zurzeit entstehenden Forschungszentrums von Boehringer weichen – Bezirks-Kleingärtnerchef Karl-Heinz Rädecker sprach später von „fürstlichen Entschädigungen“. Auf dem ehemaligen Kleingartengelände zwischen Lange-Feld-Straße und Bünteweg in Kirchrode entstehen zurzeit Gartenhofhäuser, Reihenhäuser und Doppelhaushälften. Außerdem kauften in Hainholz die Vereinigte Schmirgel- und Maschinen-Fabriken (VSM) vor drei Jahren zu Expansionszwecken Gartenflächen auf. Dort wird jetzt gebaut.

Conrad von Meding und Felix Harbart

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