Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
„Jugendliche lassen die Ausbildung links liegen“

Volker Schmidt im Interview „Jugendliche lassen die Ausbildung links liegen“

Volker Schmidt, Aufsichtsratschef der Ideenexpo und Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall, spricht im Interview über den Zweck der Ideenexpo als Berufsmesse für Schüler. Außerdem erklärt er, warum es wichtig ist, Mädchen für technische Berufe zu interessieren.

Voriger Artikel
Ist die Ideenexpo für Schüler wirklich sinnvoll?
Nächster Artikel
So aufwändig ist der Bühnenumbau in der HDI-Arena

Volker Schmidt, Aufsichtsratschef der Ideenexpo und Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall

Quelle: Sebastian Kahnert

Hannover. Herr Schmidt, die Ideenexpo versucht seit zehn Jahren, Mädchen für Berufe in Technik und Naturwissenschaften zu begeistern. Die Erfolge lassen auf sich warten ...

Das liegt am allerwenigsten an der Ideenexpo. Wir erreichen Mädchen und Jungen gleichermaßen. Aus unserer Befragung bei der letzten Ideenexpo vor zwei Jahren wissen wir, dass sich 90 Prozent der Mädchen danach offener gegenüber einer Ausbildung im technischen oder medizinisch-naturwissenschaftlichen Bereich zeigen. Vielleicht sollte es mehr ähnliche Veranstaltungen geben.

Gelingt das wirklich, wenn Mädchen kleine Stricktierchen oder Schmuck basteln? Das machen sie doch schon seit dem Kindergarten.

Die Strickmaschinen werden heutzutage längst programmiert. Die vielen Mitmachangebote sind ein erster Einstieg. Beim Arbeiten mit der Hand merken die Schüler plötzlich, egal ob Mädchen oder Junge, dass sie etwas können. Damit ist viel gewonnen. Wir erreichen das auch, weil Auszubildende auf Augenhöhe mit den Schülern reden.

Was machen Sie denn, um Mädchen speziell anzusprechen?

Wir bringen junge Frauen auf die Bühne, die berichten, was ihnen eine technische Ausbildung gebracht hat. Viel läuft über Vorbilder, die zeigen, es geht auch anders. Das wollen wir auch noch ausbauen. Am Wochenende hatten wir eine tolle Veranstaltung mit einer Frau, die als erste deutsche Astronautin ins All will. Insa Thiele-Eich war zu Gast bei Ranga Yogeshwar auf der Showbühne und berichtete von dem Auswahlverfahren. Sie ist mit nur noch einer weiteren Frau im Rennen. Und Montag haben wir eine neue Veranstaltungsserie eröffnet mit Frauen aus Chefetagen niedersächsischer Unternehmen. Sie haben über ihren Werdegang berichtet und Tipps gegeben. Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren konnten sich dafür anmelden und in kleiner Runde mit den Chefinnen sprechen. Wir wollen mit den Teilnehmerinnen in Kontakt bleiben und mitverfolgen, für welchen Weg sie sich später entscheiden.

Verschärft sich der Nachwuchsmangel in technischen Berufen bei sinkender Kinderzahl nicht immer weiter?

In den Ingenieurfächern sind die Anfängerzahlen gestiegen. Mehr Sorge macht uns die handwerklichen Berufe, denn Jugendliche lassen die klassische Ausbildung links liegen. Dabei ist die deutsche duale Ausbildung weltweit ein Vorbild. Nur hier wird sie unnötig kleingeredet. Wir sollten den Schülern nicht predigen, ohne Studium seien sie nichts. Dabei liegt die Abbrecherquote in vielen Studiengängen extrem hoch. Eine Ausbildung bietet dagegen Sicherheit.

Kommen die Schüler, die mal einen Tag auf der Ideenexpo verbracht haben, denn später in den Betrieben an?

Für viele Unternehmen funktioniert die Ideenexpo als Jobbörse. Dieses Mal machen 10 Prozent mehr Betriebe mit. Sie versprechen sich einen konkreten Nutzen davon und werben gezielt um Nachwuchs. Selbst renommierte Autozulieferer spüren den demografischen Wandel. Früher hatte ein Betrieb, den ich gut kenne, 50 bis 70 Bewerber auf einen Ausbildungsplatz. Bei der Ideenexpo 2015 konnte er 30 noch offene Stellen besetzen. Auch von einem Baumaschinenhersteller weiß ich, dass zwei von drei Azubis zum ersten Mal auf der Ideenexpo mit dem Unternehmen in Kontakt gekommen sind.

Interview: Bärbel Hilbig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Anfang Juli heiratete Ernst August Erbprinz von Hannover Ekaterina Malysheva. Auf unserer Themenseite finden Sie Bilder, Videos und Berichte zur Promi-Hochzeit des Jahres in Hannover.

So schön Fliegen die Drachen am Kronsberg

So schön Fliegen die Drachen am Kronsberg