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Hannovers Protestanten starten in Lutherjahr

Marktkirche Hannovers Protestanten starten in Lutherjahr

Glockenläuten, Bach-Kantaten und Gottesdienste: Mit zahlreichen Veranstaltungen haben evangelische Christen das Jahr des Reformationsjubiläum eingeläutet. In der Marktkirche erinnerte Landesbischof Ralf Meister an die Freiheit eines jeden Christenmenschen.

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Der Bachchor Hannover singt am Reformationstag am Lutherdenkmal

Quelle: Benne

Hannover. Es ist genau 18 Uhr, als Estina Stein die Tür zur Läutekammer öffnet. Dann drückt sie in dem winzigen Raum auf elf Knöpfe. Einen für jede Glocke im Turm. "Nur ganz selten erklingen alle gemeinsam", sagt die Küsterin der Marktkirche. Draußen schwillt das Läuten der Glocken zu einer sakralen Sinfonie an. Wie ein Sprühregen gehen die Töne aus allen Richtungen auf die Passanten in der City nieder. Die evangelischen Kirchen der Stadt läuten das Jahr des Reformationsjubiläums buchstäblich ein, 500 symbolträchtige Sekunden lang - eine für jedes Jahr seit Luthers Thesenanschlag, der sich am 31. Oktober 2017 zum 500. Mal jährt.

"Umwerfend, ein erhebendes Erlebnis", sagt Gertraud Baur, die aus Ricklingen gekommen ist, um das Glockenkonzert zu hören. "Für mich ist es etwas ganz besonderes, dieses Jubiläum in Deutschland miterleben zu dürfen, im Lande Luthers", sagt Estina Stein, während die größte Glocke, die Friedensglocke, noch mit ein paar dumpfen Schlägen ausklingt. Die Küsterin stammt aus Simbabwe - Luthers Lehre ist heute in aller Welt verbreitet.

Am allerersten Reformationstag schlug der Reformator 95 Thesen an einer Kirche an; heute genügt seinen Nachfolgern ein einziges Banner – und auf diesem prangt statt einer These eine sehr persönliche Frage: „Woran hängst du dein Herz?“ steht auf dem Plakat, das Landesbischof Ralf Meister am Morgen dieses Reformationstages persönlich am Mauerwerk der Marktkirche befestigt hat.

„Endlich geht’s los!“, sagt Meister. Ein ganzes Jahr lang feiern Protestanten die Reformation. Viele hätten über Jahre auf das Jubiläum hingearbeitet. Es wäre allerdings ein Fehler, wenn in diesem Jahr allein Luther im Fokus stünde: „Dieser Mann lebte in, aus und mit der Bibel – ihm ging es im Kern um Christus, um die Beziehung zu Gott“, sagt Meister. Dies müsse auch im Gedenkjahr deutlich werden.

In Hannover standen zum Reformationstag zahlreiche Gottesdienste auf dem Programm. In der Dreifaltigkeitskirche gestalteten Schüler der Johanna-Friesen-Schule einen Familiengottesdienst mit. Anschließend wurde neben der Kirche eine Luthereiche gepflanzt. "Luthers Beispiel erinnert daran, dass Glaube frei macht zu denken", sagte Pastor Jürgen Kemper.

In prachtvollen Schola-Gewändern intonierte der Bachchor am Abend unter dem Lutherdenkmal den Schlusschoral aus Bachs Kantate "Brich dem Hungrigen dein Brot". Musik habe für die Reformation eine zentrale Rolle gespielt, sagt Chorleiter Jörg Straube: "Sie verbreitet den emotionalen Gehalt von Religion."

Das war auch in der Marktkirche zu spüren, als rund 500 Besucher im abendlichen Gottesdienst Luthers "Ein feste Burg" anstimmten. "Wir brauchen Humor, Bildungshunger und Neugier zur Auseinandersetzung mit der Reformation", sagte Landesbischof Meister im Gottesdienst.

Wie seinerzeit Luther lebten auch wir heute in einer Gesellschaft der Angst, erklärte Meister mit Blick auf Terror und Islamophobie: "Alle Gesellschaften der Angst sind unfrei. Sie drängen darauf, alte, längst brüchige Sicherheiten zu erhalten." Nach evangelischem Verständnis mache der Glaube den Menschen frei: "An Gott gebundene Freiheit - das ist das Manifest der Reformation."

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