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Aus der Stadt Auktionshaus Kastern versteigert 57 Porträts des Deutschen Ordens
Hannover Aus der Stadt Auktionshaus Kastern versteigert 57 Porträts des Deutschen Ordens
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20:52 25.04.2010
Von Bärbel Hilbig
Auge in Auge mit der Geschichte: Heinrich Prinz von Hannover betrachtet Ordensritter aus den Familien von Stein und Grote. Quelle: Steiner

Ein Stelldichein zu einem eher traurigen Anlass gab sich der niedersächsische Adel am Sonnabend im Auktionshaus Kastern. Von den Wänden blickten 57 Herren, Damen und auch Kinder, mal ernst, mal freundlich, aber alle mit deutlich repräsentativer Herrscherattitüde. Ihre Nachfahren in Tweed und Burberry begutachteten die Gemälde wohlwollend und mit leichtem Wehmut, denn nicht jeder konnte es sich leisten, ein weiteres Porträt eines Verwandten mit nach Hause zu tragen.

Und wer sich in der Auktion dann doch um einen seiner Vorfahren mit klangvollem Namen wie von Hardenberg, von Bothmer, von Münchhausen, von Stein oder von Campen bemühte, achtete auf Diskretion und bot auf Nachfrage „für einen Freund“. Andere hielten inkognito per Telefon mit. Gerüchteweise hieß es, selbst Victor von Bülow, vielen besser bekannt als Loriot, habe im Vorfeld Interesse gezeigt. Das Bildnis des Ordensritters Otto Dietrich von Bülow, eines würdigen Herren mit imposanter Perücke, ging zumindest leicht unter Schätzpreis für 8000 Euro an einen telefonischen Bieter.

Die als Ensemble einzigartige Gemäldesammlung aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammt aus dem Ordenssaal des Ritterguts Lucklum bei Braunschweig, Hauptsitz des Deutschen Ordens von 1263 bis 1809. Sie zeigt vor allem Ordensmitglieder und Angehörige des Braunschweiger Herzoghauses. Aus wirtschaftlichen Gründen, so hieß es, musste sich die Familie von Henninges von den Bildern trennen – der Erhalt des denkmalgeschützten Guts ist kostspielig, Verhandlungen mit niedersächsischen Museen waren im Vorfeld gescheitert. Juliane und Wolfram von Henninges verfolgten die Auktion in Begleitung von Freunden der Familie und ließen keinen Zweifel daran, dass der Verkauf ihnen schwerfällt.

„Ich finde es ganz traurig, dass sich keine Stiftung gefunden hat und die Sammlung zerschlagen wird. Das ist doch hannoversche Geschichte“, sagte Marlena Robin-Winn, Leiterin des Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Registers. Als besonderes Glanzstück war ein Abbild Herzog Ferdinand zu Braunschweig-Lüneburgs ausgewiesen, der im Siebenjährigen Krieg eine wichtige Schlacht gegen die Franzosen gewonnen hatte. Ein junger Mann in weiß-rotem Ringelpulli und bunter Umhängetasche ersteigerte Ferdinand für 30 000 Euro für einen Händler. Taxiert war er auf 37 500 Euro. Ein entzückendes Kinderporträt Friedrich II. von Preußen kündigte Auktionatorin Margitta Kastern mit „Das ist der alte Fritz in ganz jungen Jahren“ an und erzielte mit 24 000 Euro weniger als erwartet. Auch viele andere Porträts blieben unter dem Schätzpreis. Doch in diesen Fällen könnten neue Interessenten die Preise noch nach oben treiben. Ein Drittel der Gemälde fand Sonnabend zunächst keinen Käufer. Auch Heinrich Prinz von Hannover verfolgte die Auktion und bedauerte, dass die Bilder einzeln zum Teil offenbar nicht geschätzt würden. „Als Ensemble sind sie von besonderer Bedeutung.“

„Die Bilder sind in tadellosem Zustand“, warb Margitta Kastern. Etwas ratlos entschlüpfte ihr angesichts eines der Porträts: „Von Hardenberg. Keiner da?“ Zu einem regelrechten Bieterwettstreit kam es meist nicht. Armgard von Reden-Dohna, selbst Historikerin, erstaunte das nicht: „Wer hängt sich schon ein fremdes Ahnenbild an die Wand?“ Sie selbst wollte das ganze Ensemble noch einmal bewundern. „Diese hannoverschen Maler sieht man sonst selten. Und die Familie hat die Bilder 200 Jahre in einem sehr guten Zustand bewahrt.“ Doch mit manchem Adelsporträt schmücken sich Bürgerliche auch heute noch gerne. Für Ordensritter Gottlob Friedrich Wilhelm von Hardenberg wird sich bald Platz in einer Villa finden. Der freundlich blickende, der Aufklärung zugeneigte Herr beherbergte in Lucklum eine Weile seinen Neffen Friedrich, der später als Dichter unter dem Namen Novalis Berühmtheit erlangte.

Bei Kastern geht der Verkauf unterdessen weiter. Das Auktionshaus zeigte sich durchaus zufrieden. Es gebe weitere Interessenten, auch aus Österreich.

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