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Aus der Stadt Aus für zweites Rathaus im Bredero-Hochhaus am Raschplatz
Hannover Aus der Stadt Aus für zweites Rathaus im Bredero-Hochhaus am Raschplatz
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06:15 05.11.2012
Von Andreas Schinkel
Die Stadt wird das Bredero-Hochhaus nun doch nicht anmieten. Das Raumkonzept des Eigentümers stieß bei der Verwaltung auf Ablehnung. Quelle: Daniel Marcus Kunzfeld
Hannover

In dem Gebäude sollten acht Behörden untergebracht werden, darunter das Ordnungsamt Mitte, die Kfz-Zulassungstelle und das Fundbüro. Noch im vergangenen Jahr hatte Oberbürgermeister Stephan Weil den Behördenumzug als eines der wichtigsten Projekte der Stadt bezeichnet. Nicht nur das größtenteils leer stehende Bredero-Haus sollte dadurch belebt werden, das gesamte Areal hinterm Bahnhof hätte sich zu einem neuen Stadtzentrum mausern können. 

„Grund für den Abbruch der Verhandlungen ist nicht der Mietpreis gewesen“, betont Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff. Unzufrieden war man vielmehr mit dem Raumkonzept, das der Bredero-Eigentümer, die Firma Maxime, vorgelegt hatte. Die geplante Eingangshalle könne einen täglichen Besucheransturm von bis zu 2000 Menschen nicht verkraften, meint Mönninghoff. Zum anderen habe die Stadt immer wieder einen behindertengerechten Ausbau angemahnt, doch der Eigentümer sei den Forderungen nicht nachgekommen.

Ende 2011 hat die Stadt eine europaweite Ausschreibung für die Büroflächen gestartet. Nur das Angebot von Maxime, eine Firma des holländischen Investors Hans Plois, ging ein. Kein Zufall, denn die Ausschreibung hatte die Stadt auf den Standort zugeschnitten. Jetzt will sie sich erneut auf die Suche begeben und erweitert die Ausschreibungskriterien: Gesucht wird nun ein citynaher „Neu- oder Ergänzungsbau“. Somit könnte ein Investor auf einem geeigneten Grundstück, etwa auf dem alten ZOB-Gelände, ein Gebäude errichten, das die Stadt dann mietet.

Bei der Firma Maxime zeigt man sich indes konsterniert. „Wir werden den Abbruch der Verhandlungen vergaberechtlich vom Oberlandesgericht prüfen lassen“, kündigt Projektleiter Rogier Oude Luttikhuis an. Nur ein einziges Mal, kritisiert er, habe man von Angesicht zu Angesicht am Verhandlungstisch gesessen. Da sei es schwierig, 17.000 Quadratmeter Bürofläche genau auf die Bedürfnisse des Mieters abzustimmen. „Wir haben Erweiterungsmöglichkeiten für das Foyer aufgezeigt, aber die Stadt ist darauf nicht eingegangen“, sagt Luttikhuis. Auch sei der rund 30 Millionen Euro teure Umbau durchaus behindertengerecht. Hunderttausende Euro habe man bisher in die Planungen gesteckt, aber noch sei Zeit, sich erneut an einen Tisch zu setzen, meint der Projektleiter.

Bei der Stadt heißt es, der Bredero-Eigner habe genug Chancen auf Nachbesserungen gehabt. Einer vergaberechtlichen Prüfung sehe man gelassen entgegen.

Kommentar: Keine schönen Aussichten

Eine große Chance für Hannovers Innenstadt ist vertan. Das Bredero-Hochhaus am Raschplatz bleibt bis auf wenige Wohnungen in den oberen Geschossen leer. Stadt und Eigentümer haben sich nicht auf ein Ausbaukonzept einigen können, das Platz für acht Behörden und eine Vielzahl von Kunden in dem Gebäude geboten hätte. Wer am Ende den Schwarzen Peter in der Hand hält, ist schwer zu beurteilen. Das Signal aber für die Stadtentwicklung ist fatal.

Denn schon zum zweiten Mal scheitert das Vorhaben, Leben in den unansehnlichen Betonbunker zu bringen und damit das Areal hinterm Bahnhof aufzuwerten. Ein paar Jahre zuvor hatte das Land versucht, ein Justizzentrum in dem Haus einzurichten – ebenfalls ohne Erfolg. Zweifel kommen auf, ob die sanierungsbedürftige Immobilie überhaupt noch zu vermarkten ist. Zudem drängt sich der Vergleich zu einer weiteren Bausünde auf, die sich ebenso resistent gegen alle Wiederbelebungsversuche erwies. Das Ihmezentrum sollte eine Mahnung sein. Zu befürchten ist, dass nun auch mitten in der City eine Bauruine entsteht und die Beplanung des Areals auf lange Sicht blockiert. Keine schönen Aussichten.

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