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Auschwitz-Überlebender Finkelstein geehrt

Holocaust-Überlebender Auschwitz-Überlebender Finkelstein geehrt

Der Rahmen war dem Anlass angemessen feierlich, ernst und würdevoll. Doch die Ehrung von Salomon Finkelstein, einem der letzten Überlebenden des Holocausts, im Regionshaus hatte vor allem etwas von einem warmherzigen, oft anrührenden, aber durchaus auch heiteren Familientreffen.

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De Holocaust-Überlebende Salomon Finkelstein wurde am Sonnabend in Hannover geehrt.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Dutzende Verwandte aus der Ukraine, Russland, den USA und Israel waren angereist, um den Empfang von Stadt und Region für Finkelstein sowie die Präsentation seines Buches „Häftling 142 340“ mitzuerleben und einen Tag später, am Sonntag, seinen 90. Geburtstag mit ihm zu feiern.

Regionspräsident Hauke Jagau sagte zu Beginn seiner Würdigung, dass es ihm selten im Leben so schwer gefallen sei, eine Rede zu halten. Er sprach von der Sprach- und Fassungslosigkeit, die ihn angesichts der unvorstellbaren Grausamkeit, die Finkelstein widerfahren ist, ergreife. Jagau dankte dem Auschwitz-Überlebenden für dessen Kraft, über sein Leid, die erlittene Gewalt und die Demütigungen offen zu sprechen. Indem er seine Erlebnisse in einem Buch festhalte, stelle er sicher, „dass die, die jünger sind, erfahren und niemals vergessen, was damals geschehen ist.“

Finkelstein wurde 1922 in Lodz geboren und nach dem Überfall Deutschlands auf Polen als 17-Jähriger mit seiner Familie in das Getto der Stadt gepfercht. Er musste als Zwangsarbeiter bei Frankfurt an der Oder an der Reichsautobahn mitbauen, kam 1943 nach Auschwitz, Anfang 1945 dann in das Konzentrationslager Dora-Mittelbau, in dem die Nazis die „Vergeltungswaffe „V2“ bauten. Das Kriegsende erlebte Finkelstein auf dem zweiten der sogenannten Todesmärsche.

„Zwei Jahre lang war ich kein Mensch, nur eine Nummer“ erzählt Finkelstein, der in der Südstadt lebt, in seinen von der hannoverschen Autorin Renate Müller de Paoli festgehaltenen Erinnerungen. Er erinnert sich an die Begegnung mit KZ-Arzt Josef Mengele, der ihm auf einen Schornstein deutend sagte: „In die Freiheit kommst du nur auf diesem Weg“. „Wie hätte ich mich selbst damals verhalten?“ Diese Frage wirft Jagau mit Blick auf die Gräueltaten der Nazis auf und beantwortet sie mit einem Plädoyer für Freiheit und Meinungsvielfalt. „Wir brauchen Menschen mit eigenem Geist, mit unterschiedlichen Standpunkten, mit charakterlicher Stärke - damit so etwas nie wieder geschehen kann.“

„Ich bin einer der Letzten - fragen Sie mich“ - das war der Titel einer Veranstaltung vor zwei Jahren im Freizeitheim Lister Turm, zu der auch viele Schüler kamen. Im Publikum saß damals auch Müller de Paoli, und in ihrer Rede am Sonnabend erinnerte sie sich daran, dass ein Schüler damals fragte: „Wie haben Sie überlebt?“ Die Antwort berühre sie auch heute noch, sagte Müller de Paoli. „Herr Finkelstein antwortete: ,Ich war ein Träumer. Ich habe mir immer gesagt, vielleicht gehe ich noch mal über eine Blumenwiese, vielleicht streichele ich einmal einem hübschen Mädchen den Arm, vielleicht werde ich noch einmal im Leben satt.‘“

„Häftling 142.340“ ist im Verlag Hahnsche Buchhandlung erschienen. Herausgeber ist Stefanie Burmeister, Leiterin der Gedenkstätte Ahlem, im Auftrag der Region Hannover. Das Buch umfasst 159 Seiten, kostet 10 Euro und ist in der Hahnschen Buchhandlung sowie bei der Region, Hildesheimer Straße 20, erhältlich.

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