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Ausgeklügeltes Leitungsnetz war beim Stromausfall in Hannover überfordert

Stadtwerke Ausgeklügeltes Leitungsnetz war beim Stromausfall in Hannover überfordert

In der Zentralen Leitstelle der Stadtwerke Hannover gab es beim großen Stromausfall in der vergangenen Woche viel zu tun. Denn sogar das ausgeklügelte Leitungsnetz war überfordert.

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Sogar das ausgeklügelte 
Leitungsnetz war beim Stromausfall 
überfordert.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Es gibt einen Raum, in dem der Puls der Stadt überwacht wird. Er befindet sich im Stadtwerke-komplex an der Stammestraße in Ricklingen, ist nur über eine Sicherheitsschleuse erreichbar und heißt schlicht Zentrale Leitstelle. Wer ihn betritt, sieht Bildschirme mit Grafiken, Kurven, Tabellen und Zahlenkolonnen. Vor ihnen sitzen die Mitarbeiter der enercity Netzgesellschaft (eNG) und überwachen, ob Strom, Gas, Wärme und Wasser so stetig und zuverlässig durch Hannovers Netze fließen, wie es für ein modernes Großstadtleben unabdingbar ist. „Die Kunst ist es, auch dann die Ruhe zu bewahren, wenn irgendwo Probleme auftreten“, sagt Bernd Heimhuber, Geschäftsführer der eNG.

Am Mittwoch vergangener Woche kurz nach 22.30 Uhr war es für Männer wie Johannes Smarslik, die sich um das Stromnetz kümmern, schwierig, die Ruhe zu bewahren. „Was da über uns hereinbrach, nennt der Fachmann Meldungsschauer“, sagt Heimhuber. So ein Schauer verheißt – man kennt das vom Wetter – selten Gutes. In diesem Fall kündigte sich so der Zusammenbruch des hannoverschen Stromnetzes an. Binnen Sekunden jagten die Kontrollrechner an den Schaltstellen im Netz Störungsmeldungen an die Zentrale. Dann wurde es dunkel in der Stadt.

Ein kompletter Stromausfall hat am Mittwochabend gegen 22.35 Uhr das gesamte Stadtgebiet Hannovers sowie Teile des Umlands betroffen. Grund war nach ersten Einschätzungen der Stadtwerke ein Defekt bei der Stromversorgung aus dem Kraftwerk Mehrum des Energieversorgers, das im Kreis Peine liegt.

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Was passiert war, wussten die Experten in Ricklingen ziemlich schnell. Einer von zwei Blöcken im Kraftwerk Stöcken war wegen eines Defektes an der Kohlemühle ausgefallen, gleichzeitig verhinderte eine Störung im Umspannwerk beim Kraftwerk Mehrum, das von dort noch Strom ins hannoversche Netz gelangen konnte. Auch für so etwas haben die Techniker eine Bezeichnung, sie lautet N minus 2. Das N steht für Normalfall, die minus 2 dafür, dass sich gleich zwei maßgebliche Quellen der Stromversorgung schlagartig vom Netz verabschiedet hatten. „N minus 1 können wir verkraften, weil wir immer Reserven in der Hinterhand haben“, sagt Heimhuber. Normalfall minus 2 dagegen hat das Netz, in dem immer ein Gleichgewicht zwischen Einspeisung und Entnahme herrschen muss, nicht mehr aushalten können.

Alles wäre einfacher, wenn das Netz ein einheitliches Gebilde wäre. Ist es aber nicht. Es gibt ganz oben das europäische Verbundnetz, in das Großkraftwerke wie das in Mehrum einspeisen und in dem Strom mit einer Spannung von bis zu 380.000 Volt durch Überlandleitungen fließt. An Übergabepunkten in Anderten und Lahe ist es mit Hannovers innerstädtischem Hochspannungsnetz verbunden, in dem die Spannung 110.000 Volt beträgt und in das die Kraftwerke in Linden und Stöcken ihren Strom schicken.

350 Feuerwehr- und Rettungskräfte sind bei dem Stromausfall am Mittwoch im Einsatz gewesen. Mit tragbaren Generatoren wurden Menschen aus Aufzügen gerettet und kleine Kliniken und Pflegeheime betreut.

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In diesem Netz wiederum befinden sich 24 Umspannwerke, in denen die Spannung für die nächste Ebene transformiert wird – die Mittelspannungsnetze mit 10.000 bis 20.000 Volt. Sie verteilen den Strom auf die einzelnen Stadtteile und an die Großabnehmer aus der Industrie. Der Kleinabnehmer im privaten Haushalt kann damit immer noch nichts anfangen, die hohe Spannung würde seinen Föhn explodieren lassen. Deshalb stehen in Hannover mehr als 2300 Trafostationen. Sie transformieren die Spannung ein letztes Mal auf 230 bis 400 Volt, damit der Strom durch die feinsten Verästelungen im Gebilde, das Niederspannungsnetz, zu den Steckdosen fließen kann. Auf diesen Bereich entfällt fast die Hälfte der 7100 Kilometer, auf die es Hannovers Stromnetz an Kabellänge bringt.

Dieses System zu kontrollieren und am Laufen zu halten ist die Aufgabe der Mitarbeiter in der Leitstelle. Es gelingt ihnen zumeist gut, wie Heimhuber betont und an der sogenannten Netzverfügbarkeit festmacht. Der Begriff bezeichnet die Zeit, in der der durchschnittliche Kunde im Jahr keinen Strom bekommt. „Bei uns sind das wie überall in Deutschland etwa 15 Minuten. Nirgendwo auf der Welt gibt es weniger Ausfälle“, sagt der eNG-Chef.

Das Notstromaggregat der Medizinischen Hochschule Hannover hat Störungen und Schwierigkeiten während des Stromausfalls verhindern können. Es versorgte alle wichtigen Geräte, dennoch gab es Einschränkungen bei der Beleuchtung. Operiert werden musste aber zum Glück nicht mehr.

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Für 2011 wird der Wert wegen des Blackouts nicht zu halten sein, was Heimhuber wurmt. Eigentlich nämlich sind eine Menge Sicherheiten eingebaut, die derartige Vorfälle verhindern sollen. Sogar eine zweite Leitstelle existiert an der Glocksee, falls Ricklingen etwa durch einen Brand ausfiele. „Aber bei Normalfall minus 2 hatten wir kein Ass mehr im Ärmel“, bedauert Heimhuber.

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