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Firmen verhelfen Flüchtlingen zur Ausbildung

Auszeichnung Firmen verhelfen Flüchtlingen zur Ausbildung

Für sein Projekt Fit für die Ausbildung hat der Unternehmensverbund Zukunft inc. neben vier weiteren Initiativen jetzt im Alten Rathaus den Niedersächsischen Integrationspreis 2017 erhalten. Ministerpräsident Stephan Weil bezeichnete die Integration von Geflüchteten als „Langstreckenlauf“. 

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Lohnendes Projekt: Stephan Weil (v. l.), Laudatorin Nariman Reinke, Doris Schröder-Köpf und Fritz Kelle.

Quelle: Villegas

Hannover. Besonders gut gelinge die Integration über Arbeit. In diesem Jahr hat die Jury einen Schwerpunkt auf diesen Bereich gelegt, mehr als 90 Bewerbungen gingen ein.

Wenn es klappt, liegt der Gewinn auf beiden Seiten: Mehrere Unternehmen aus der Region Hannover wollen mit einem speziellen Förderprogramm Flüchtlinge durch eine Ausbildung lotsen. Am Ende haben die jungen Leute einen soliden technischen oder kaufmännischen Beruf. Und die Firmen einen neuen Mitarbeiter.     

Das Projekt Fit für die Ausbildung gibt es bereits seit einigen Jahren. Die Initiative Zukunft inc. ebnet damit benachteiligten Jugendlichen den Weg auf den Arbeitsmarkt. Seit Anfang 2016 haben die Unternehmen ihr Angebot auf Flüchtlinge ausgeweitet. Das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) übernimmt dabei die soziale Betreuung, die Region Hannover zahlt Sprachkurse. Die jungen Flüchtlinge und die Firmen testen zunächst fünf Monate in einem Praktikum, ob man zueinander passt.

„Diese Orientierung ist enorm wichtig. Einer unserer Flüchtlinge hatte noch nie eine Fabrik gesehen. Und die meisten wissen nicht, was eine Ausbildung ist“, berichtet Alexander Walter, Personalleiter beim Gummispezialisten Jäger. Zu Zukunft inc. gehören insgesamt neun Firmen, darunter Bahlsen, Kind Hörgeräte und Sennheiser – allesamt Marktführer in ihrem jeweiligen Geschäftsfeld. Motivation der Firmen sei soziale Verantwortung, aber ebenso der Rückgang der Bewerber auf Ausbildungsplätze, erläutert Fritz Kelle, Vorsitzender der Initiative und Personalverantwortlicher der VSM AG.

Einige brauchen Elternersatz

Die Erfahrungen aus dem Projekt dürften anderen Unternehmen zugutekommen. Im ersten Jahr stellten die Personaler fest, dass Kandidaten mit nur vier oder fünf Jahren Schulbesuch zu wenig Vorwissen für eine Ausbildung mitbringen. Auch die Deutschkenntnisse müssen bereits ein gewisses Niveau erreicht haben. Eine sozialpädagogische Betreuung sei ebenfalls unerlässlich, betont Walter. „Einige junge Leute haben überhaupt keine Verwandten mehr und brauchen fast einen Elternersatz.“ Im ersten Jahr hat gut ein Drittel der 15 Teilnehmer einen Ausbildungsplatz erreicht. Dieses Jahr liegt die Quote deutlich höher. „Die Flüchtlinge sind sehr motiviert, pünktlich, zuverlässig und lernwillig“, unterstreicht Walter.
Der Personalleiter übt aber deutliche Kritik an der Politik. „Für uns ist es unverständlich, wenn wir uns engagieren und der Staat Menschen abschiebt, die bei uns ein Jobangebot hätten.“ Der Firma Jäger ist das bereits passiert. „Auf diese Art werden wir kein breites Engagement der Betriebe anschieben können, denn die Situation gleicht einem Lotteriespiel.“

Der Niedersächsische Integrationspreis wurde in diesem Jahr bereits zum achten Mal vergeben. Er steht unter dem Motto „Angekommen. Ausbildung in Niedersachsen“.     

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