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Archäologen finden 31 Mini-Nachttöpfe

Ausgrabungen am Marstall Archäologen finden 31 Mini-Nachttöpfe

Bei Grabungen am Marstall sind Archäologen auf insgesamt 31 Miniatur-Nachttöpfe gestoßen. Experten rätseln nun darüber, welchen Zweck die kleinen Nachttöpfe hatten. Gefunden wurden sie in einer Ecke des Kellers des ehemaligen Armen- und Waisenhauses der Stadt.  

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Mitarbeiter des Grabungsteams gehen mit mit Handfegern behutsam zu Werke. 

Quelle: Florian Petrow

Hannover. Seit in der Altstadt wegen verschiedener Neubauprojekte gegraben wird, fördern Archäologen Erstaunliches zutage. Verkohlte Holzreste und der Inhalt von Jauchegruben haben vor allem die Augen der Experten leuchten lassen, aber auch Bohnengläser (alt), Ledergamaschen (sehr alt) und schön geformte Kaminkeramiken (sehr sehr alt) waren schon dabei.

Jetzt kann die Liste fortgeschrieben werden. Bei Grabungen am Nordende des Marstalls sind 31 Miniatur-Nachttöpfe, mehrere Apothekergefäße und natürlich wieder Keramiken aus verschiedenen Epochen aufgetaucht: farbenfrohe Fayencen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, eine Schüsselkachel mit Rosenornament aus dem 16. oder 17. Jahrhundert und neogotische, kunstvolle Kaminbekleidungen.

Archäologen haben am Marstall den Keller eines Fachwerkhauses aus dem 17. Jahrhundert ausgegraben.

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31 Miniatur-Nachttöpfe? Die Experten rätseln, welche Funktion die Utensilien wohl hatten. Gefunden wurden sie in einer Ecke des Kellers des ehemaligen Armen- und Waisenhauses der Stadt, gestiftet 1642 vom Unternehmer Johann Duve. Es könnte sich um Souvenirs handeln, die von Armen verkauft werden sollten. Es könnte sich auch um das Lager eines Spielwarenhändlers gehandelt haben, sagt Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf - oder auch um kuriose Schnapsbecher. Denn die Aufschriften sind vieldeutig. Sie lauten etwa „Pfui, wie das schmeckt“ oder „Retter in der Not“ oder „Genötigt wird nicht“.

Der Keller an der Ecke von Marstall und Schmiedestraße ist das Zeugnis der ersten Stadterweiterung Hannovers gen Norden. Als die Stadtmauer im 17. Jahrhundert militärisch überflüssig wurde, baute Duve dort die „Herberge des Herrn“ für 60 Waisen und 40 Obdachlose. Wahrscheinlich stand die Rückseite auf der Stadtmauer, deren Fundamente sich jetzt durchs Ausgrabungsfeld ziehen. Die Vorderseite des Hauses stand schon im Bereich der ehemaligen Wassergräben, die Hannover als Schutz umzogen und kurz vor 1642 zugeschüttet worden waren. Unter dem Fundament des Hauses, so hofft Grabungsleiter Bernhard Thiemann von der Firma Arcontor, müssten sich die Materialien finden, die weiteren Aufschluss geben über die Frühgeschichte Hannovers.

Bei gut zwei Metern Grabungstiefe befinden sich die Arbeiten derzeit, insgesamt sollen vier Meter erreicht werden. Die Strabag baut dort ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage. Im Erdgeschoss will die Gastro-Kette Gin Yuu einziehen. Für die Büros darüber gebe es schon Mietverhandlungen, sagt Strabag-Bereichsleiter Detlev Neuhaus. Auch sechs Wohnungen sind geplant. Die Fertigstellung ist für Mitte 2017 geplant.

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