Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Ausstellung der HsH thematisiert Wegwerf-Mode
Hannover Aus der Stadt Ausstellung der HsH thematisiert Wegwerf-Mode
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:30 07.11.2017
Von Bärbel Hilbig
Warum tragen wir viele Kleidungsstücke nur wenige Male? Modedesignerin Beatrix Landsbek (Mitte) diskutiert mit Workshop-Teilnehmern. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Eigentlich sind manche Besucher in den Kubus gekommen, weil sie gerne ein altes Kleidungsstück mit ein paar Tipps von der Expertin noch einmal richtig aufpeppen wollen. Doch so läuft das hier nicht. Der Workshop, den Beatrix Landsbek in der Modeausstellung „Processing Fashion“ anbietet, nennt sich zwar Upcycling. Doch um das Aufwerten und Umschneidern einzelner Hosen oder Hemden geht es der Modedesignerin nicht allein. Die Hochschule Hannover (HsH) will mit der Ausstellung zeigen, in wie aufwendigen Verfahren Mode entsteht - und wie schnell sie zu Müll wird.

Einem einem Shirt hängt noch das Preisschild

Und so liegt ein Berg von Shirts vor den Workshop-Besuchern auf dem Tisch. Ungeliebte, aussortierte Kleidungsstücke, aus denen sich Gabriele Thomas, Dalia Rottleuthner, Martyna Wasserfurth und die anderen jeweils ein Hemdchen aussuchen. „Ich habe den Eindruck, dass dieses hier vielleicht nur einmal getragen wurde“, schätzt Fotografiestudent Arne Gutknecht. An einem anderen Shirt hängt sogar noch das Preisschild. „Ich vermute mal, dass es nach dem Kauf dann doch nicht gefallen hat“, sagt Martyna Wasserfurth.

Ausstellung zeigt Mode vom Entwurf bis zur Fertigung

Die Idee zu der Ausstellung „Processing Fashion“ stammt von Johannes Assig und Martina Glomb. Die beiden Modedesign-Professoren der Hochschule Hannover wollen den Entstehungsprozess von Mode aufzeigen – und zum Nachdenken über nachhaltige Kleidung statt billiger Wegwerfstücke anregen. Geöffnet ist bis 19. November am Theodor-Lessing-Platz 2 dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 12 bis 15 Uhr (Führungen donnerstags um 15 und 17 Uhr). Gespräche mit lokalen und internationalen Designern gibt es am 10. sowie 15. November um 19 Uhr. Eine Finissage mit Modenschau läuft am 17. November um 19 Uhr.

Doch nicht nur Kunden, die verlockt von Schnäppchenpreisen schnellentschlossen zugreifen und den Fehlkauf dann zügig aussortieren, verursachen eine Flut von nutzlos produzierten Textilien. „Schon bevor Kleidung den Kunden erreicht, sortieren Firmen massenhaft Fehlproduktionen aus“, berichtet Beatrix Landsbek. Die 37-Jährige arbeitet im Forschungsprojekt „Slow Fashion“ der HsH, wo Wissenschaftler versuchen, mit nachhaltigem Design die Tragedauer von Kleidung zu verlängern und Massenproduktion zu verringern. Keine leichte Aufgabe.

Viel ungenutztes Material

„Über Nahrungsmittel machen sich inzwischen viele Menschen Gedanken“, stellt Landsbek fest. Arbeitsbedingungen und Ressourcenverbrauch bei der Textilproduktion sind jedoch selten ein Thema, wenn gerade keine Katastrophe vom Brand einer Textilfabrik in den Nachrichten auftaucht.

„19 Prozent der Kleidungsstücke, die wir besitzen, tragen wir selten oder nie“, berichtet die Dozentin. Im Durchschnitt ziehen Konsumenten ein Teil nur viermal an. Das kam bei einer Studie 2015 zutage. Ein Drittel der Befragten besaß 300 Kleidungsstücke oder mehr. „Das Ausmaß an ungenutztem Material ist also groß.“

Aus alten Shirts entstehen neue Silhouetten

Im Workshop greift Teilnehmerin Martyna Wasserfurth (links) zur Schere und zerschnippelt ein altes T-Shirt. Die Besucher haben gestern daraus keine individuellen Kleidungsstücke gefertigt. Stattdessen haben sie die Stoffe zusammengeknotet und damit experimentiert, wie neue Formen entstehen. Ein kreativer Prozess, der die Arbeit von Designern nachvollziehbarer macht. In der Ausstellung selbst sind Mode-Illustrationen von Studenten zu sehen oder auch Formstudien aus Nesselstoff. Die Workshop-Teilnehmer bieten den Beleg, dass manche Kleidung nicht schnell entsorgt, sondern innig geliebt wird: Wasserfurth trug eine Hose, die sie mehrfach geflickt und verändert hat.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Mittwoch feiert die Markthalle ihr 125-jähriges Bestehen – sie ist Kult und für viele Händler und Stammgäste wie eine Familie. Die Markthalle, auch "Bauch von Hannover" genannt, wandelt sich, was nicht jedem gefällt.

10.11.2017

Shopping an Heiligabend – das wird es in diesem Jahr in Hannover nicht geben. Denn die Geschäfte dürfen bis auf wenige Ausnahmen in Hannover nicht öffen. Kleinere Lebensmittelgeschäfte und Bäcker hätten zwar die Erlaubnis zur Sonntagsöffnung, wollen es aber überwiegend nicht.

Mathias Klein 07.11.2017

Das Diakonische Werk zieht mit Beratungsstelle an die Berliner Allee. In der Zentralen Beratungsstelle der Diakonie gibt es Angebote für Obdachlose, Straffällige und Suchtkranke. "Unsere Beratung spart 1000 Hafttage im Jahr", schätzt Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes.

10.11.2017