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Aus der Stadt Was ist typisch Hannover?
Hannover Aus der Stadt Was ist typisch Hannover?
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00:16 01.09.2016
Von Simon Benne
96-Bulli, Nana und Lüttje Lage: Hannover hat viele Wahrzeichen. Quelle: Körner/M
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Hannover

Die Löwenbastion. Das Neue Rathaus. Das Ihme-Zentrum. Die Oper. Der Bahnhof. Dutzende von Fotos hängen am Eingang der Ausstellung. Lauter Wahrzeichen. Um zum Wahrzeichen zu werden, muss ein Bau ein Gefühl der Vertrautheit wecken und zugleich einmalig sein. Persönliche Erinnerungen müssen an ihm ebenso hängen wie öffentliche Bedeutung. Größtenteils haben Besucher des Historischen Museums diese Bilder beigesteuert - zur Ausstellung „Typisch Hannover“, die dort am Dienstag eröffnet. Die Stadt hat wohl mehr Wahrzeichen, als man denkt.

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Das Kultgetränk Lüttje Lage und das Schützenfest sind aus Hannovers Geschichte nicht wegzudenken.

Passend zur 775-Jahr-Feier der Stadt unternimmt die Ausstellung den mutigen Versuch, die Identität Hannovers auszuloten. Herausgekommen ist dabei ein begehbarer, bunter Bilderbogen: Geha-Duplex-Kohlepapier, eine Leibniz-Keks-Dose und Plakate für die Messe sind hier wie Mosaiksteinchen eines großen Bildes vereint. Das Schützenwesen wird unter anderem durch eine Büchse aus dem 19. Jahrhundert repräsentiert, der Einfluss der Welfen durch ein Modell des im Krieg zerstörten Rittersaals im Leineschloss. Ein Bulli im Hannover-96-Design, made in Hannover, ist ebenso zu sehen wie ein Hanomag-Kommissbrot, Baujahr 1924: ein Zylinder, zehn PS - und ganz viel von jenem unsichtbaren Stoff, der lokalpatriotische Herzen wärmt.

„Wir mögen Hannover - doch eine Jubelausstellung ist dies nicht“, sagt Museumsdirektor Thomas Schwark. Tatsächlich hängt in der Abteilung „Stadtprominenz“ neben Löns, Laves und Knigge auch ein Porträt des Serienmörders Fritz Haarmann, der Hannovers Image vielleicht stärker geprägt hat als alle Autoren, Architekten und Aufklärer zusammen.

„Die Ausstellung ist auch ein Beitrag, das Profil von Hannover zu schärfen“, sagt Andreas Urban, einer der Kuratoren. Dabei wollen sich die Museumsmacher an der Frage, was denn nun typisch hannoversch ist, nicht alleine abarbeiten: „Diese Frage wird im Alltag beantwortet“, sagt Ko-Kurator Jan Willem Huntebrinker, „darum kann hier jeder über die Identität der Stadt mitverhandeln.“

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Für dieses basisdemokratische Experiment erhält jeder Besucher am Eingang zehn Chips, wie für Einkaufswagen. Durch Einwurf in Zylinder kann jeder mit darüber abstimmen, welches Thema sich für ihn besonders mit Hannover verbindet: Ist es die „Großstadt im Grünen“? Um 1912 warb die Stadt erstmals mit dem Slogan; bis heute bedecken Parks, Gärten und Felder etwa die Hälfte ihrer Fläche. Oder sind es die Hannoveraner-Pferde, auf denen Polizisten bis heute durch die Stadt reiten? Sind es Niedersächsische Hallenhäuser? Oder eher die Nanas als Teil des großen Straßenkunstprogramms der Siebzigerjahre?

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Besucher können außerdem Notizzettel mit Anmerkungen an den Wänden hinterlassen oder Kommentare auf www.typischhannover.de verfassen, die im Museum dann auf Bildschirmen auftauchen. „Typisch Hannover ist, dass man sich nicht ständig selbst feiert, wie zum Beispiel in Köln“, tippte ein Besucher. Ein bescheidener und ziemlich hannoverscher Blick auf jenes hannoversche Phänomen, dass die „Süddeutsche Zeitung“ erst kürzlich als „Mentalität der Minderwertigkeit“ geißelte.

„Wir hoffen auf viele Rückmeldungen, denn diese Ausstellung soll ein erster Baustein zur Umgestaltung des Museums sein“, sagt Direktor Schwark. Im Oktober, zum 50-jährigen Bestehen des Hauses, will er das Konzept für die runderneuerte Dauerausstellung präsentieren. In dieses sollen die Besucher-Statements einfließen: Das Publikum erschafft sich so sein eigenes Museum.

Einen Vorgeschmack darauf bieten fünf Vitrinen in der Ausstellung. Bürger haben dem Museum Exponate geliehen, die in ihren Augen typisch hannoversch sind - darunter sind wahre „Herzensgüter“, wie Kulturdezernent Harald Härke sagt. Ein Modell der Kröpcke-Uhr ist dort zu sehen, das ein Angestellter zum 40-jährigen Firmenjubiläum bekam. Oder eine Baumscheibe aus einem Baum der alten Herrenhäuser Allee, der 1972 gefällt wurde. Solche Exponate zeigen, dass wohl jeder sein eigenes Hannover hat. Am Ende besteht die Stadt am ehesten aus der Gesamtheit ihrer Einwohner. Mit etwas Pathos könnte man sagen: Wir sind Hannover. Aber so viel Pathos mögen wir hier eigentlich nicht.

Oberbürgermeister Stefan Schostok eröffnet „Typisch Hannover“ am Dienstag, 17.30 Uhr. Die Ausstellung ist im Historischen Museum bis zum 6. August 2017 zu sehen.

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