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Ausstellung zeigt Bücher von KZ-Überlebenden

Villa Seligmann Ausstellung zeigt Bücher von KZ-Überlebenden

Die Leibniz-Bibliothek erforscht seit dem Jahr 2004 Druckerzeugnisse von Holocaust-Überlebenden und verfügt mittlerweile über die wohl weltweit größte Sammlung dieser Art. Erstmals werden die Bücher nun Ende des Monats in der Villa Seligmann in einer Ausstellung gezeigt.

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„Außerordentlich kostbar“: Bibliotheksdirektor Georg Ruppelt (links) und Andor Izsák in der Villa Seligmann. Dort werden bald seltene Drucke wie das Heft mit Getto-Liedern (oben) ausgestellt. Überlebende produzierten es nach dem Krieg im Displaced-Persons-Camp Bergen-Belsen. Fotos: Surrey (2)

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Was für eine bittere Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Bergen-Belsen wurde mit der Befreiung am 15. April 1945 zur größten jüdischen Gemeinde Nachkriegsdeutschlands. Bis zu 15 000 Juden, oft Verschleppte aus Osteuropa, lebten dort teils noch jahrelang als „Displaced Persons“ (DPs) in dem Lager. Ehen wurden hier geschlossen, Kinder geboren - und Bergen-Belsen wurde ein Ort jüdischer Kultur: „Die Displaced Persons gründeten eigene Schulen und Bibliotheken. Yehudi Menuhin gab hier ein Konzert - und die Überlebenden druckten bald eigene Bücher“, sagt Andor Izsák, Hausherr der Villa Seligmann.

Die Leibniz-Bibliothek hat seit 2004 gezielt Druckerzeugnisse aus DP-Lagern gesammelt - besonders solche aus Bergen-Belsen: „Es sind Bücher ohne Goldschnitt oder Verzierungen - und doch sind sie außerordentlich kostbar“, sagt Georg Ruppelt, Direktor der Leibniz-Bibliothek. Im vergangenen Jahr hat sein Haus ein Konvolut von 300 DP-Drucken erworben, „für einen sechsstelligen Betrag“, wie es heißt. „Als Forschungsbibliothek haben wir ein neues Feld erschlossen“, sagt Ruppelt. Seine Einrichtung verfügt über die wohl weltweit größte Sammlung dieser Art.

Druck unter primitiven Bedingungen

Erstmals werden die Bücher nun Ende des Monats in der Villa Seligmann in einer Ausstellung gezeigt. Unter dem Motto „Nach der Befreiung“ geht es dort im Rahmen der diesjährigen „Herbsttage der jüdischen Musik“ bei Konzerten und Vorträgen auch um das Wiedererstehen jüdischer Kultur in den DP-Camps. Unter primitiven Bedingungen brachten die dort gestrandeten Juden religiöse oder literarische Bücher ebenso heraus wie Werke für Kinder. „Sie hatten es schwer, Papier und hebräische Lettern zu besorgen“, sagt der Bibliothekar Matthias Wehry, der die Werke in der Leibniz-Bibliothek erforscht: „Teils druckten sie Bücher derselben Auflage auf unterschiedlichem Papier - sie mussten nehmen, was sie bekamen.“

Früh thematisierten die Bücher der Überlebenden die NS-Zeit: Der Fotoband „Unsere Verwüstungen in Bildern“, gedruckt in Bergen-Belsen 1946, dokumentiert mit erschütternden Aufnahmen Pogrome und Erschießungen. Ein anderes Buch aus Bergen-Belsen hielt Lieder, die in Gettos und Konzentrationslagern gesungen worden waren, für die Nachwelt fest. Die erste Talmud-Ausgabe nach dem Krieg wurde 1948 in Deutschland gedruckt - mit Widmung an die US-Armee.

Ein besonders beklemmendes Exemplar erschien auf Hebräisch. Es beschreibt die Vernichtung der Juden aus dem litauischen Kaunas. Handschriftlich hat ein Vater darin eine Widmung notiert: „An meine liebe Tochter Grethe in Trauer und Sehnsucht“, steht dort auf Jiddisch. „Bücher“, sagt Ruppelt, „haben ebenso ihre Geschichte wie Menschen.“

Herbsttage jüdischer Musik

„Nach der Befreiung“: Unter diesem Motto präsentiert die Villa Seligmann, Hohenzollernstraße 39, ein gutes Dutzend Veranstaltungen. 

  • Zum Auftakt spielt Pianistin Erika Lux am 26. September, 19.30 Uhr, das Konzert „Der Walzer ist jüdisch“. Im Anschluss eröffnet die Ausstellung mit Büchern aus Displaced-Persons-Camps.
  • Über „Die Musik in DP-Camps“ spricht Andor Izsák am 5. Oktober, 19.30 Uhr.
  • Jim G. Tobias vom Nürnberger Institut für NS-Forschung referiert am 27. Oktober, 19.30 Uhr, über „Vorübergehende Heimat im Land der Täter“.
  • Romantische Musik auf der Synagogenorgel“ intoniert der langjährige Bremer Domorganist Wolfgang Baumgratz am 11. November, 19.30 Uhr.
  • Der Luxemburger Sammler Jeho­shua Pierce berichtet am 12. November, 19.30 Uhr, über „Jüdische Buchkultur nach der Befreiung“.
  • Am 18. November, 19.30 Uhr, präsentieren Guillaume Faraut (Violine) und Katarzyna Wasiak (Flügel) das „Weinberg-Projekt“.

Karten gibt es in den HAZ-Ticketshops, in der HAZ-Geschäftsstelle, Lange Laube 10, oder unter (05 11) 12 12 33 33.

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